Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
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Offiziere gestiegen. 19 Millionen Beobachtungssätze harren also der Erschließung.
Die Notwendigkeit der Erschließung erkennt man, wenn man bedenkt, daß von
den in der Quadratarbeit erschlossenen 1 / 2 Million Beobachtungen auf einen
Raum von 10 Quadratseemeilen im Durchschnitt nur eine Beobachtung entfällt,
und daß daher unsere Kenntnis der Ozeane sehr lückenhaft ist. Häufige Wahr
nehmungen unserer Mitarbeiter bestätigen dieses. Sie trafen andere Verhält
nisse an, als nach unseren Karten und Büchern zu erwarten waren. Freilich wird
die Erschließung der Beobachtungen nicht in Form der Quadratarbeit fortge
setzt werden. Die Arbeit, die Menschen zu schwer wird, leisten heute Maschinen
spielend. Eine Hollerith-Maschine kann 24 000 Sortierungen in einer Stunde
leisten. Werden die vorher für jede Beobachtung angefertigten Lochkarten
einer gewünschten Gegend durch die Maschine gegeben, so fällt Wind, Baro
meter, Strom oder worauf sonst die Maschine eingestellt ist in ein Fach zur
beliebigen Verwertung. Durch diese Methode ist es möglich, alle brauchbaren
Beobachtungen, falls sie auf Lochkarten vorbereitet sind, zu den verschieden
artigsten Untersuchungen heranzuziehen. Nur so werden die Beobachtungen
auf See tatsächlich erschlossen; die einmal angefertigten Lochkarten kann man
immer von neuem zu Durchsortierungen nach anderen Gesichtspunkten verwenden.
Die maschinelle Auswertung der Beobachtungen auf See ist der Aus
blick, der sich zu Beginn der zweiten Hälfte eines Seewartenjahrhunderts bietet,
und es wird unsere Mitarbeiter zur See mit Befriedigung erfüllen, wenn sie
sehen, daß ihre Beobachtungen der Schiffahrt, der Luftfahrt und der wissen
schaftlichen Forschung zugute kommen.
b) Meteorologische Tagebücher.
Im Jahre 1928 liefen ein:
Von Dampfern: 829 meteorologische Tagebücher mit 1479 Monaten und
3,5 Tagen Beobachtungszeit == 266 241 Beobachtungssätzen gegen 706 meteoro
logische Tagebücher mit 1404 Monaten und 18 Tagen Beobachtungszeit =
252 828 Beobachtungssätzen im Vorjahre.
Von Seglern: 30 meteorologische Tagebücher von 14 Seglern mit 148
Monaten und 7 Tagen Beobachtungszeit = 26 682 Beobachtungssätzen gegen 34
meteorologische Tagebücher von 19 Seglern mit 103 Monaten und 15,5 Tagen
Beobachtungszeit = 18 633 Beobachtungssätzen im Vorjahre.
Von in der kleinen Fahrt beschäftigten Dampfern; 19 Kleine Wetter
bücher mit 27 Monaten und 24 Tagen Beobachtungszeit = 5004 Beobachtungs
sätzen gegen 15 Kleine Wetterbücher mit 20 Monaten und 26 Tagen Beobachtungs
zeit = 3756 Beobachtungssätzen im Vorjahre.
Zusammengefaßt gingen im Jahre 1928 ein:
878 Tagebücher mit 1655 Monaten 4,5 Tagen Beobachtungszeit und 297 927
Beobachtungssätzen.
Von Fischdampfern gingen im Jahre 1928 82 Tagebücher ein. Sie ent
halten im Durchschnitt je 300 brauchbare Beobachtungen. Die Reisen führten
zum größten Teil nach Island, während 13 nach dem Weißen Meer gingen.
c) Aus den meteorologischen Tagebüchern.
Zur Belebung des Interesses an den Aufgaben der Deutschen Seewarte
wird bei der Durchsicht der meteorologischen Tagebücher eine Anzahl von
Beobachtungen herausgegriffen, um daran Bemerkungen zu knüpfen. Bisher
erschienen diese Veröffentlichungen in den Annalen der Hydrographie usw.,
werden aber mit Beginn des Jahres 1929 in „Der Pilote“ erscheinen, um sie dem
großen Kreise der Mitarbeiter zur See allgemein zugänglich zu machen.
Im Berichtsjahr wurden u. a. an folgende Eintragungen Bemerkungen ge
knüpft:
Im Januarheft der Annalen der Hydrographie: „Beachtenswerte Strombeob
achtungen an der Nordküste von Yucatan“, S. 31. In verschiedenen Monatsheften:
„Auffallende Windänderungen im Gebiete des NO-Passates“, S. 73, 96, 99, 100,
136 und 196;. im Februarheft: „Verfärbtes Wasser an der Ostküste von Süd