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10. Zusammenfassung
Historische hydrographische Daten des nördlichen Europäischen
Nordmeeres wurden darauf untersucht, inwieweit sich moderne Vor
stellungen zur Zirkulation und zur Wassermassenbildung in ihnen
erkennen und nachweisen lassen.
Die Untersuchungen zeigen, daß sich viele der modernen Er
kenntnisse bereits mit den historischen Daten gewinnen lassen.
Der Atlantische Rückstrom spaltet sich im Bereich der Fram—Straße
in mehrere Zweige auf. Die räumliche und zeitliche Variabilität kann
mit den historischen Daten nicht erfasst werden. Wärme und Salz sind
auf Dichteflächen im nördlichen Abschnitt unterschiedlich verteilt.
Dies bedeutet, daß ihr Transport nicht mehr wie im Süden auf
Dichteflächen verläuft, sondern ein Prozeß wie Doppeldiffusion
wirksam wird.
Ebenfalls in der Fram—Straße wird die meridionale Trennung
unterschiedlicher Wassermassen im Bereich der Molloy-Bruchzone ge
stört. In ihrem Einflußgebiet existiert eine zyklonale Zirkulation.
Die komplexe Verteilung von Temperatur, Salzgehalt und potentieller
Vorticity ist ein Indiz dafür, daß in einem eng begrenzten Gebiet
verschiedenartige physikalische Prozesse mit hoher zeitlicher und
räumlicher Variabilität ablaufen. Sie lassen sich nur bruchstückhaft
erkennen.
In mittleren Tiefenschichten zwischen 150 und 400 m Tiefe erkennt
man den Atlantischen Rückstrom an der Ostseite des Grönlandschelfs.
Mit Ihm wird Wärme und Salz in Peripheriebezirke des zyklonalen
Wirbels im Grönlandbecken transportiert. Damit sind die Voraus
setzungen für Tiefenwasserbildung nach CARMACK und AAGAARD (1973)
gegeben.
Ein Nachweis der Tiefenwasserbildung nach KILLWORTH (1979) ge
lingt mit diesen Daten nicht, da ihre räumliche Auflösung zu gering
ist. Auch spielt sich Tiefenwasserbildung nach dieser Theorie in so
kurzen zeitlichen Skalen ab (im Bereich weniger Tage), daß sie In
einer zeitlich gemittelten Darstellung nicht erfaßt werden kann.
Die zwei lokalen Temperaturminima im südlichen und östlichen Teil
der zentralen Grönlandsee ähneln den mesoskaligen Strukturen in der
Labrador See, die CLARKE und GASCARD (1983) und GASCARD und CLARKE
(1983) beschrieben haben. Ob es sich um derartige Strukturen
handelt, kann anhand mittlerer Verteilungen von Temperatur, Salzge
halt und Dichte nicht festgestellt werden.
In 1500 - 1900 m Tiefe fließt Tiefenwasser des Arktischen Ozeans
aus der Fram-Straße nach Süden. Diese Strömung folgt durch
Kompressibilitäts- und Rotationseffekte balanciert, der Schelfkon—