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6. Die Zirkulation Atlantischen Wassers
Die Grundlagen der Zirkulation des AW im Europäischen Nordmeer
sind seit der Jahrhundertwende bekannt. In neuerer Zeit entdeckte
man, daß ein Großteil des AW bereits im Bereich der Fram-Straße nach
Westen bis zur grönländischen Schelfkante und dann nach Süden in die
westlichen Randbezirke des zentralen Grönlandseewirbels transpor
tiert wird. Nur ein kleiner Teil dringt an der Ostseite der
Fram-Straße in den Arktischen Ozean ein und vereinigt sich, nachdem
dieses Wasser den Arktischen Ozean zyklonal durchströmt hat, auf der
Westseite der Fram-Straße mit dem modifizierten AW des RAC (vgl.
Kapitel 3, Abschnitt 3).
Ein weiteres Merkmal der Zirkulation, das erst seit kurzer Zeit
bekannt ist (WADHAMS und SQUIRE, 1983, KOLTERMANN und MACHOCZEK,
1985, QUADFASEL, GASCARD und KOLTERMANN, in Vorbereitung), wird im
Bereich der Molloy-Bruchzone in den historischen Daten sichtbar.
Dort existiert eine zyklonale Zirkulation.
Außerdem wird in diesem Kapitel nachgewiesen, daß die Voraus
setzungen, damit Tiefenwasser nach der Theorie von CARMACK und
AAGAARD (1973) gebildet werden kann, In den hier bearbeiteten
historischen Daten ebenfalls gegeben sind.
Ein Nachweis der Tiefenwasserbildung nach KILLWORTH (1979) ge
lingt mit diesen Daten nicht, da ihre räumliche Auflösung zu gering
ist. Auch spielt sich Tiefenwasserbildung nach dieser Theorie in so
kurzen zeitlichen Skalen ab (im Bereich weniger Tage), daß sie in
einer zeitlich gemittelten Darstellung nicht erfaßt werden kann.
Temperaturen an der Meeresoberfläche spiegeln häufig lokale
Wärmeflüsse wieder. Dort treten die größten jahreszeitlichen
Schwankungen der Temperatur auf. Deshalb wird eine Horizontalver
teilung der Temperatur aus einer Tiefe gewählt, in der sich die
Schwankungen nicht mehr so stark bemerkbar machen.
Gleiches gilt für den Salzgehalt. Zwar sind Niederschlag und
Verdunstung im Europäischen Nordmeer annähernd gleich groß ( ZAIT-
ZEV, FEDOSOV, ILJINA und ERMACHENKO, 1961, MOSBY, 1962), aber in den
obersten Metern der Wassersäule schwankt der Salzgehalt durch
saisonales Gefrieren und Auftauen von Meereis. Unterhalb dieser
Schicht verhält sich die Salzgehaltsverteilung nahezu konservativ.
Im Bereich von 20 - 150 m Tiefe (Abb. Nr. 23) bleiben im
Norwegischen Becken und dem Lofotenbecken die wesentlichen Merkmale
der Zirkulation des warmen AW, das nach Norden und Osten vordringt
und die in Kapitel 3, Abschnitt 1 beschrieben worden sind, bestehen.
Der horizontale Temperaturgradient quer zur Arktischen Front, die
entlang des Mohn- und des Knipovitch-Rückens verläuft, beträgt