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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXIL Jahrg. (1914), Heft X. 
Dh 
er 
53 
Zur Methodik der Bestimmung von geringen Ammoniakmengen 
mit besonderer‘ Berücksichtigung der Meerwasseranalysen. 
Von Dr. Rolf Witting, Helsingfors, ; 
X. Allgemeines. 
1. Einleitung. Nachdem Brandt‘) zur Erklärung der wechselnden Verteilung 
der Lebewesen in den Weltmeeren das Minimumgesetz von Liebig auf Stickstoff- 
verbindungen, Phosphate und Kieselsäure angewandt hat, ist der Gehalt des 
Meerwassers an Stickstoffverbindungen in den letzten Jahren Gegenstand mehrerer 
Arbeiten gewesen ?). 
So ist als Gehalt an Ammoniak z. B. in der freien Ostsee rund 6 Teile (an 
Nitrat rund 20, an Nitrit weniger als ein Teil) in hundert Millionen Teilen Wasser 
gefunden worden. Die Resultate werden dabei im allgemeinen mit einer Ziffer- 
stelle gegeben, welche zur gegebenen Jahreszeit oft gleich ausfällt, Die Ge- 
nauigkeit wird dabei als ungefähr 1 bis 2 Teile auf hundert Millionen Teilen 
Wasser angegeben. 
In Übereinstimmung hiermit ergaben auch Ammoniakbestimmungen, welche 
nach der Methode von Raben von K. Buch bei unseren Meeresuntersuchungen 
1910 ausgeführt wurden, Werte von 0.03 bis 0.09 mg p. 1, bei angestellten Doppel- 
analysen wurden sogar 0.03 und 0.08 mg p. 1 für ein und dasselbe Wasser erhalten. 
Die Genauigkeit, welche man von hydrographischen Analysen fordern muß, 
ist die, daß auch die Unterschiede zwischen den Verhältnissen an verschiedenen 
Orten festgelegt werden können; nur dann sind Schlüsse über den Zustand des 
Meeres in gegebener Hinsicht mit einiger Sicherheit zu ziehen. Dies ist aber 
bei Ammoniakbestimmungen in der Mehrzahl der Fälle nicht sicher möglich; 
zwar ist die Größenordnung des Ammoniakgehaltes bestimmt, die aus den Analysen- 
resultaten gebildeten Differenzen werden jedoch meistens illusorisch, 
Was man also höchstens aus den vorliegenden Zahlen sicher herleiten 
kann, ist ein Überschlag über den jährlichen Verlauf des Ammoniakgehaltes auf 
Mittel für größere Gebiete fußend. Da weiter, wie unten angegeben wird, auch 
Einwände gegen die befolgte Methode erhoben werden können, wird hier vor 
allem methodische Arbeit geheischt und darf, da ja hier, wie überhaupt bei der 
Untersuchung der Verhältnisse im Meere, eine größere Anzahl von Analysen 
nötig ist, die Forderung auf eine »ökonomische« Arbeitsart nicht außer acht 
gelassen werden, . 
In dieser Richtung habe ich einige Arbeit ausgeführt und will die Resul- 
tate hier veröffentlichen, da ich, von anderen Aufgaben beansprucht, kaum in der 
nächsten Zeit Gelegenheit finden werde, selbst damit fortzusetzen. 
2, Das jetzige Analysenverfahren. Die Bestimmung von Ammoniak, auf 
welche auch die Nitratbestimmung in letzter Instanz fußt, ist in den angeführten 
Arbeiten nach der von Raben ausgearbeiteten und bedeutend. verschärften 
Millerschen Methode?) ausgeführt. Die Hauptpunkte bei dieser Methode sind: 
1:0. Abscheidung des Ammoniaks von den übrigen Bestandteilen des 
Meerwassers durch Destillation, welche nach Raben unter Zusatz von 1:100 
Magnesiumoxyd unter peinlichster Sorgfalt, um das Ammoniak in der Laborato- 
riumsluft abzuhalten, geschieht. 
_ 1) K. Brandt: Über den Stoffwechsel im Meere. Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen, 
Kiel. N. F. Bd, 4, 1899; Bd. 6. 1902, 
2, U. a.: E. Raben: Über quantitative Bestimmung von Stickstoffverbindungen im Meer- 
wasser usw.; Weitere Mitteilungen über usw.; Dritte Mitteilung über usw.; Vierte Mitteilung über usw. 
Wiss. Meeresunt., Kiel. N. F. Bd. 8, 1904, 1905; Bd. 11, 1910; Bd. 16, 1913. -— W. E. Ringer 
und J. M. P. Klingen: Über die Bestimmung von Stickstoffverbindungen im Meereswasser. Ver- 
handel. uit het Rijksinstituut voor het Onderzoek der Zee. IX. 1. 1907, . 
3) Tiemann-Gärtners Handbuch der Untersuchung und Beurteilung der Wässer, 4. Aufl, 
1895. S. 122. . 
Ann. d. Hyvgr. usw. 1914. Heft X.
	        
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