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Bereich (Wassertemperatur 10° bis 13°C) und G. truncatulinoides
für den subtropischen Bereich (Wassertemperaturen >13°C) . Diese
drei Arten sind bei der Auswertung von Interesse.
Im Kern Me69-17 wurde nach jedem dritten Zentimeter eine Probe
genommen und gezählt. Bei einer für den Nordost-Atlantik ange
nommenen Sedimentakkumulationsrate von 2 cm/1000 Jahre bedeutet
dies alle 1500 Jahre eine Information. Für die letzten 130.000
Jahre (bis zur Grenze Saale-Eiszeit/Eem-Warmzeit; Sauerstoffiso-
topen-Stadiengrenze 6/5e) ergab sich dabei ein regelmäßiger
Wechsel von dünneren Lagen mit überwiegend eisverdriftetem Sedi
ment und breiteren Lagen mit überwiegend Foraminiferen. Zählungen
in den Kernen Me69-19 vom Südwesthang des Dreizacks und M01- 32
von einem Hochplateau etwa 30 sm nordöstlich des Dreizacks
ergaben für den oben genannten Zeitraum nahezu identische Abfol
gen. Zusätzlich ließen sich in allen drei Kernen zwei aus der
Literatur bekannte Vulkanasche-Horizonte mit Altern von 63.000
J.v.h. und 10.600 J.v.h. wiederfinden, ebenso die petrographisch
leicht erkennbaren Sauerstoffisotopen-Stadiengrenzen 6/5e
(127.000 J.v.h.) und 5a/4 (72.000 J.v.h.). Trägt man diese festen
Zeitpunkte gegen ihre Tiefe in den Kernen auf und interpoliert
zwischen diesen Marken linear, dann hat auch jedes Eisdriftlagen-
-Tripel das gleiche Alter. Der mittlere Zeitabstand der Eisdrift
lagen beträgt etwa 11.000 Jahre ± 1000 Jahre.
Die -im geologischen Zeitverständnis- genauen Alter der Phasen
mit Eisdrift auf dem Nordost-Atlantik lassen sich über den
Zeitablauf des auslösenden Fakcors ermitteln. Der Zeitraum von
11.000 Jahren entspricht der halben Periode der Präzession. Trägt
man die oben ermittelten Interpolationsalter der Detrituslagen
gegen die Zeitpunkte der winterlichen und sommerlichen In-
solationsminima auf, dann liegen die Schnittpunkte auf einer
Geraden mit der Steigung 1. Somit stellen die Eisdrift-Horizonte
bis 130.000 J.v.h. ein durchlaufendes Zeitgerüst dar.
Die Alter der Lagen sind dann (unter Berücksichtigung einer
Variationsbreite von mimimal ± 1000 Jahren) in Jahren vor heute:
11.000, 23.000, 36.000, 48.000, 59.000, 71.000, 82.000, 92.000,
104.000, 115.000 und 127.000. Das letzte präzessionale Sommerin
solationsminimum war vor 630 Jahren, zu Beginn eines bis etwa
1350 dauernden Klimaabschnittes, der aufgrund seiner starken
Abkühlung als Kleine Eiszeit bezeichnet wird. Um diese Zeit
wurden Eisberge vor den Azoren beobachtet. Damit erklären sich
auch die Funde von eisverdriftaten Gesteinsbruchstücken auf der
gegenwärtigen Sedimentoberf1{che (vgl. 7.3.4).
Mit Hilfe der Eisdrift-Stratigraphie und der Verteilung der kli
marelevanten Foraminiferenarten läßt sich nun die jüngste geolo
gische Geschichte des NOAMP-Gebietes schematisieren: Abschmelzen
der kontinentalen Eiskappen durch zunehmende Sommersonnenein-
strahlung; mit Erreichen des winterlichen Einstrahlungsminimums
um 11.000 J.v.h. kommt es kurzzeitig zur Eisbildung auf dem
Nordatlantik (die durch die Aussüßung des Oberflächenwassers
aufgrund der großen Schmelzwasserzufuhr erleichtert wird); danach
Erreichen eines globalen Wärmemaximum; langsame Abkühlung bis zum
Erreichen des Sommerinsolationsminimums 11.000 Jahre nach dem
Winterinsolationsminimum. Dieser Ablauf entspricht genau dem am
Ende der vorletzten Eiszeit.