- 24 -
8.4.2 Probennahme
Turbiditische Sedimente und verrutschte Sedimentpackete lassen
sich mit Hilfe einer sedimentechographischen Kartierung und durch
Beprobungen mit einem Kernlot untersuchen. Im Projekt wurden
beide Techniken mit Erfolg angewendet.
Die flächenhafte sedimentechographische Kartierung wurde mit dem
3,5 kHz Subbottom Profiler (SBP) von FS Sonne durchgeführt. Die
Qualität der Aufzeichnungen aus den Tiefsee-Ebenen war einiger
maßen gut, solange ein ebener Meeresboden vorlag. Bei welligem
Boden mit Wellenlängen von etlichen Zehner- bis Hundertermeter
und Wellenhöhen von mehreren Metern bis Zehnermetern bestanden
die Aufzeichnungen nur aus Interferenzfiguren. Die gleichen
Phänomene treten bei der Annäherung an Berge auf. Die Ursache ist
der wenig gebündelte Schallkegel mit einem Öffnungswinkel von
50°, der bei einer Frequenz von 3,5 kHz vorliegt. Aus diesem
Grund war die Interpretation einiger wichtiger akustischer Sedi
mentstrukturen zweifelhaft. Ein glücklicher Zufall ermöglichte
die Teilnahme an der wissenschaftlich-technischen Erprobungsfahrt
des neuen FS Meteor ins NOAMP-Gebiet. Das Schiff ist mit dem
neuentwickelten parametrischen Sedimentecholot "PARASOUND"
ausgestattet. Neben einer dem 3.5 kHz-SBP vergleichbaren Ein
dringtiefe ermöglicht die höhere Ausgangsfrequenz von ca. 20 kHz
eine deutlich bessere Auflösung von Sedimentstrukturen. Durch die
damit verbundene engere Schallbündelung sind Interferenzerschei
nungen reduziert. Problematische Sedimentstrukturen in der
Tiefsee-Ebene ließen sich mit Hilfe dieses Gerätes einwandfrei
interpretieren. In bergigen Arealen erschöpfen sich jedoch auch
die Qualitäten des "PARASOUND"aufgrund der Reflexion des Schall
bündels an einer schiefen Ebene. Hangrutschstrukturen waren
deshalb auch mit dieser modernen Technik nicht zu erfassen.
Kleinskalige Internstrukturen von Rutschkörpern und Turbiditen
sind nur mit Hilfe unmittelbarer Beprobung durch ein Kernlot
festzustellen. Da bei der Probenahme aus den oben beschriebenen
Gründen speziell im Fall der Hangrutsche eine geophysikalische
Vorerkundung nicht möglich ist, mußte man sich auf das Glück
verlassen. In mindestens einem der Kerne war das dann auch der
Fall. Die Beprobung wurde mit dem Göttinger Kolbenlot, haupt
sächlich mit 6 m und 12 m Rohrlänge, durchgeführt. Bedingt durch
seine einfache Konstruktion bestach das Gerät in seiner einfachen
Handhabung, seiner Zuverlässigkeit und seinem hohen Kerngewinn.
Für die Kernentnahme aus den Turbiditserien wurde in Göttingen
ein Gerät für den Einsatz mit einem 24 m - Rohr umgerüstet. Das 4
t schwere Kolbenlot arbeitete ebenso problemlos wie das 1,5 t
schwere Standardlot.
3.4.3 Hangrutsche
(dazu Anlagen: Jantschik & Lohoff, 1987; Meischner, 1987; Lohoff,
1987)
Am nördlichen Hangfuß des Dreizacks wurde mit dem Kern Me69-15
ein 6 m mächtiges, gerutschtes Sedimentpaket durchteuft. Ver-
faltungen, schlierige Gefüge und durcheinander lagernde Stücke
von unterschiedlichen Sedimenttypen weisen diesen Sedimentkörper
als Hangrutsch aus.