- 13 -
6 MESSKONZEPT
6.1 Bathymetrie
Die Ansprüche der Ozeanographen an die Auflösungsgenauigkeit von
ReliefStrukturen im zentralen Untersuchungsgebiet und deren
flächenhafte Erfassung waren mit einem einstrahligen NBS-Echolot
(Narrow Beam Sounder) nicht zu erfüllen. Aus diesem Grund wurde
eine Vermessung mit einem Fächerecholot vorgesehen. Dabei wird
ein Streifen mit einer Breite von 75 % der Wassertiefe senkrecht
zur Fahrtrichtung flächendeckend vermessen. Unter Verwendung von
Satelliten-Navigationsdaten wird aus sämtlichen kartierten
Profilstreifen von einem Großrechner eine bathymetrische Karte
gezeichnet. Für die Vermessung des zentralen NOAMP-Gebietes stand
im Mai 1983 das FS Polarstern zur Verfügung, für die östliche
Verlängerung im April 1984 das FS Sonne. Beide Schiffe sind mit
dem Fächerecholot-System SEA BEAM ausgerüstet, so daß eine
Vergleichbarkeit der Tiefendaten gewährleistet war. Die Durchfüh
rung und rechnerische Aufbereitung der Vermessung wurde als
Auftragsarbeit an die Fa. Preussag, Hannover, vergeben werden.
6.2 Morphogenese
Das Relief der basaltischen Ozeankruste, die Mächtigkeit der
Sedimentauflage und deren Internstrukturen sollte durch eine
sedimentechographische, gravimetrische und magnetische Kartierung
ermittelt werden. Hierbei wären auch Hinweise auf eine eventuelle
tektonische Aktivität zu erhalten.
6.3 Oberflächensedimente
Die Entscheidung über die Beprobungsstrategie wurde nach Abschluß
der bathymetrischen Kartierung getroffen. Da sich das Relief
überraschend als überaus lebhaft herausstellte, sollte ex
emplarisch der Tiefseeberg "Großer Dreizack" und dessen nähere
Umgebung beprobt werden. Der Große Dreizack hat nur an seiner
Westseite, durch eine ca 2,5 sm breite und auf das Niveau der
Ebene hinunterreichende Rinne getrennt, Kontakt zu hügeligem
Areal. Ansonsten bildet er das Zentrum eines Beckens mit einem
Radius von etwa 20 sm. An drei seiner Seiten ist somit seine
Sedimentbedeckung von Umlagerungsprozessen auf benachbarten
Bergen unbeeinflußt. Der hangabwärts gerichtete Sedimenttransport
kann dann auch besser in seiner Ausweitung verfolgt werden.
6.4 Gravitative Massenverlagerungen
Hangrutsche und Suspensionsströme (turbidity currents) sind die
bedeutendsten Erscheinungsformen gravitativer Massenverlagerun
gen. Dabei können etliche km 3 Sediment bewegt werden. An den
Hängen von Tiefsee-Bergen sind Rutschungen in der Regel engbe-
grenzta Phänomene. Mehrere Meter mächtige Sedimentmassen können
schon bei Hangneigungen von 3° ins Gleiten geraten. Rutschmassen
sind an stärker geneigten Hängen mit sedimentechographischen
Methoden kaum zu erfassen, da der größte Teil des Schalls
senkrecht zum Hang, also schräg in die Wassersäule reflektiert
wird. Die Suche nach einer Rutschmasse mit einem Kerngerät ist
deshalb ein Lotteriespiel. Die Beprobungsorte wurden deshalb auch
mit der ganzen Erfahrung des Bearbeiters intuitiv festgelegt. Das