Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1914.
Norden gehabt. Mit vollen Segeln steuerten wir bei frischem NO-Winde der
Straße zu; aber schon gegen Mittag, als wir Kap San Diego auf südlichem Kurse
querab hatten, sprang der Wind in einer harten Schneeböe nach SW. Obgleich
das Wasser ruhig war, lag das Schiff mit vollen Marssegeln und aufgegeiten
Bramsegeln in der Schneeböe, in der der Wind Stärke 9 erreichte, mit der B-B.-
Reling ziemlich unter Wasser. Bei dem immer mehr südlich holenden Winde
hielt ich es für geboten, wieder aus der Straße zu segeln. Unter der Annahme,
daß der Wind sich für längere Zeit südwestlich halten würde, entschloß ich mich,
den Weg um Staaten-Eiland zu nehmen. Auf dem Wege nach Kap St. Johns
trafen wir anfangs Mallung; nachmittags setzte frischer nördlicher Wind ein, der
aber nur bis nachts um 12% anhielt, gerade als wir Kap St. Johns auf südlichem
Kurse in rw. W’/2S, etwa 8 Sm entfernt peilten. Alsdann sprang der Wind in
einer harten Böe nach SSW und holte allmählich weiter bis nach SSO.
Am Nachmittage des 12. November, als wir nördlich von Staaten-Eiland
nördlichen Wind hatten, zogen die Schneeböen, die ich in der Richtung der
Straße Le Maire beobachtete, fortdauernd aus südlicher Richtung, Somit hatte
ich wenigstens die Genugtuung, mit der Umsegelung von Staaten-Eiland das
Richtige getan und nicht nochmal den Versuch durch die Straße zu segeln ge-
macht zu haben.
Was ich für wahrscheinlich halte, ist, daß eben südlich von Kap Horn eine
Depression lag, die ihren Ort nur wenig änderte; denn jedesmal, wenn ich nach
Süden steuerte, fiel das Barometer stark, lagen wir aber beigedreht, so änderte
es seinen Stand sehr wenig. Bei dem am 9. November herrschenden Sturm
durch die Straße segelnd, hätte ich bei dem niedrigen Barometerstande bald ein
Umlaufen des Windes nach SW gehabt. Auch hielt ich es nicht für ratsam
hindurchzusegeln, weil ich bei Gegenstrom hohe brechende See und Windstille
in der Nähe von Kap San Diego befürchtete. Um Staaten-Eiland steuern wollte
ich auch nicht, um mich nicht durch den einsetzenden SW-Wind vertreiben zu
lassen. Alles grundlose Befürchtungen, Hätte ich gleich auf Kap St. John zu-
gehalten, wäre ich mit dem NW-Wind südlich genug gekommen, um später mit
dem SW-Wind westlich zu steuern; letzterer zeigte sich nicht so hart, wie
ich erwartet hatte. Anzunehmen ist, daß »Ponape« mir ordentlich eins aus-
gewischt hat.«
Diese letzte Annahme des Kapitäns bestätigt sich, Nach dem meteorolo-
gischen Tagebuch der Viermastbark »Ponape«, Kapt. Joh. Hamm, auf der Reise
von Hamburg nach Talcahuano, stand dieses Schiff am 11. November 1912 in
54° 32' S-Br. und 64° 40’ W-Lg., also etwa 19 Sm südöstlich von dem mit-
segelnden Schiffe »Marie«s. Während »Ponape« mit dem morgens am 12, No-
vember einsetzenden NW-Wind von Stärken 5 bis 7 die Siraße ansteuerte und
es dem Schiffe glückte, noch vormittags mit steifem Westwinde die Straße zu
durchsegeln, so daß es um Mittag schon 14 Sm südlich von der Straße stand,
erreichte »Marie« um diese Zeit gerade die Einfahrt der Straße. Mit dem um
diese Zeit einsetzenden SW-Wind konnte »Ponape« sich frei segeln, dagegen
mußte »Marie«, die mit diesem Winde nicht durch die Straße segeln konnte, um-
kehren und nahm dann, wie oben im Bericht des Kapitäns gesagt ist, den Weg
am Staaten-Eiland. Als »Ponape« sich am 17, November schon in 74° 29' W-Lg.
auf 55° 0’ S-Br, befand, stand »Marie« noch in 66° 35’ W-Lg. auf 55° 48’ S-Br.
und erreichte den Schiffsort der »Ponape« vom 17. November erst nach 10 Tagen,
am 27. November, als das Schiff »Ponape« schon 3 Tage in seinem Bestimmungs-
hafen, Talcahuano, lag.
Mit dem am 12, November hoch südlichen Winde, der zeitweise auf SO
holte, konnte sich »Ponape« eben frei von Kap Horn segeln und guten Fortgang
erzielen, während ihr weniger vom Glück begünstigter Mitsegler in der Straße
umkehren und um Staaten-Eiland herumsegeln mußte.