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5.1.4.2 Feldfortsetzung nach oben
Durch die Feldfortsetzung nach oben werden regionale Anomalien oder auch Trends in
Potentialfeldern hervorgehoben, da die Anomalien in Abhängigkeit von der Feldfortset
zungshöhe und der Wellenzahl exponentiell gedämpft werden
kurzwellige Anomalien daher gegenüber den langwelligen Anomalien zurücktreten.
Abb. 5.9 zeigt die mit Flilfe der Kokriging-Transformation um 5 km nach oben fort
gesetzten Bouguer-Anomalien 9 . Die dazugehörige Kokriging-Standardabweichung (Abb.
5.10) ist erwartungsgemäß kleiner als die Kriging-Standardabweichung der Bouguer-
Anomalien (Abb. 5.8), da die Größenordnung der feldfortgesetzten Anomalien kleiner ist.
Ein Vergleich von Abb. 5.9 mit den Bouguer-Anomalien (Abb. 5.7) läßt die "Tiefpaß-
wirkung" der Feldfortsetzung nach oben erkennen. Die kleinräumigen lokalen Anomalien
sind "herausgefiltert", so daß der WSW-Trend der Schwereanomalien im südlichen Teil
der Karte deutlicher hervortritt. Zusätzlich bleibt jedoch eine Anzahl großräumiger loka
ler Anomalien mit relativ hoher Amplitude erhalten, von denen besonders die von Westen
nach Osten zu verfolgende Kette von Schwereminima im Bereich des 23. Breitengrades
ins Auge fällt, die auf beiden Seiten von Schweremaxima begleitet wird. Da im östlichen
Teil der Karte das Grundgebirge sehr oberflächennah und im Bereich des Safsaf-
Grundgebirgs-Komplexes aufgeschlossen ist, muß die Ursache dieser Anomalien im
Grundgebirge selbst gesucht werden.
5.1.4.3 Berechnung einer äquivalenten gravimetr¡sehen Schicht
Da sich die Bouguer-Anomalien in vielen Bereichen des Untersuchungsgebietes offen
bar eher durch Dichteinhomogenitäten im Grundgebirge erkären lassen als durch eine
unterschiedliche Dicke der Sedimentbedeckung, wurde mit Hilfe der Kokriging-Transfor
mation eine Karte mit scheinbaren Dichtekontrasten berechnet 9 (Abb. 5.11). Der Sinn
dieser Inversions-Methode ist die Berechnung einer äquivalenten gravimetrischen
Schicht (vergl. 3.2 und Gl. (3-17)), in der die Dichte nur mit dem Ort (x,y), aber nicht
mit der Tiefe (z) variiert. Sie eignet sich daher als ein erster Interpretationsschritt, um
eine Vorstellung von den möglichen lateralen Dichteänderungen zu gewinnen.
Um die oberflächennahen Dichteinhomogenitäten zu untersuchen, wurde eine äquiva
lente Schicht zwischen der Erdoberfläche und einer Tiefe von 2 km berechnet. Die
Schichtdicke wurde dabei so gewählt, daß sich die scheinbaren Dichtekontrastwerte in
einem realistischen Rahmen bewegen. Die Dichtekontraste sind in Abb. 5.11 durch ver-
9 Für die Darstellung wurden die Werte an den Knotenpunkten eines regelmäßigen Daten
gitters geschätzt, das dieselbe Orientierung und dasselbe Gitterlinienintervall hat
wie das Datengitter der Bouguer-Anomalien. Für die Abschätzung mit der Kokriging-
Transformation wurde ebenfalls eine "gleitende Nachbarschaft" mit 50 Datenpunkten
verwendet (vergl. 5.1.4.1).