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5 Anwendungsbeispiele zur Untersuchung von lokalen tektonischen Problemen
In SW-Ägypten und NW-Sudan
In diesem Kapitel sollen konkrete Beispiele für die Anwendung der in den vorangegange
nen Kapiteln dargelegten geostatistischen Verfahren bei der Interpretation von gravime-
trischen und magnetischen Felddaten gegeben werden. Es handelt sich dabei um Daten,
die im Rahmen des Sonderforschungsbereiches (SFB 69) der Deutschen Forschungsge
meinschaft "Geowissenschaffliehe Probleme in ariden Gebieten" ausgewertet wurden.
In Übereinstimmung mit dem Konzept des Gesamtprojekts konzentrierten sich die
geophysikalischen Untersuchungen im Zeitraum 1984-1986 auf lokale tektonische Fra
gestellungen in SW-Ägypten und NW-Sudan (Brasse et al., 1986a, 1986b; Burkhardt et
al., 1987). Insbesondere sollten Tiefenlage und Struktur des Grundgebirges in ausge
wählten Gebieten untersucht werden. Zu den angewandten Methoden gehörten Seismik,
Geoelektrik, Audiomagnetotellurik und Bodenmagnetik. Zusätzlich wurden bereits voi—
handene gravimetrische und aeromagnetische Daten ausgewertet. Die Lage der Unter-
suchungsbebiete, in denen Potentialverfahren zum Einsatz kamen und auf die sich die
folgenden Betrachtungen beziehen, ist in Abb. 5.1 skizziert.
5.1 Auswertung von gravimetrischen und aeromagnetischen Felddaten im Bereich
der Uweinat-Safsaf-Schwelle (SW-Ägypten)
5.1.1 Kurzer Abriß der Geologie
Das Uweinat-Safsaf-Schwellensystem ist eine bedeutende geologische Struktur in
SW-Ägypten, die gegen Ende des Paläozoikums / Beginn des Mesozoikums durch weit
räumige Aufwölbung der Gebiete zwischen Gebel Uweinat und Bir Safsaf (Abb. 5.1) an
gelegt wurde (Klitzsch, 1984; Schandelmeier et al., 1987b). Die Hebungsbewegung er
folgte entlang einer ca. ENE-WSW streichenden Achse, begleitet von bruchtektoni
schen Vorgängen und dem Eindringen alkalischer Magmen. Diese Bewegungsabläufe sind
typisch für die Entstehung kontinentaler Großgrabenstrukturen. Im Fall der Uweinat-
Safsaf-Schwelle reichte die Energie jedoch offenbar nicht aus, um die beginnenden geo
logischen Strukturen in ein reäles Großgrabensystem umzuwandeln (Schandelmeier et
al., 1987b). Im Zuge der Aufwölbung und im Anschluß daran wurden paläozoische Sedi
mente und präkambrische Gesteine abgetragen. Südlich und nördlich der Uweinat-Saf
saf-Schwelle wurden 'großräumige Sedimentbecken gebildet (Schandelmeier et al., 1987b;
Wycisk, 1987)
In der Mitte des Mesozoikums bildete sich der Misaha-Trog, der die Uweinat-Saf
saf-Schwelle in ca. NNW-SSE-licher Richtung einschneidet. Diese Struktur hat eine