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Full text: Harmonische Analyse von Gezeiten- und Gezeitenstrombeobachtungen im Deutschen Hydrographischen Institut, Hamburg

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2 Formelansatz der harmonischen Analyse 
Aus der Gezeitentheorie ist bekannt (siehe z.B. Horn [1941, 1948, 1952], Schureman [1941], 
Rauschelbach [1924], Bartels [1957], Dronkers [1964], Godin [1972], Doodson [1921, 1928], 
Bartels, Horn [1952] und die dort angegebene Literatur), daß gezeitenbedingte Wasserstände 
und die Komponenten der Gezeitenströme durch sechs-dimensionale Fourierreihen der Form 
N 
f(t) = r 0 + 2>i cos (o, t + <Pi) (1) 
i - 1 
angenähert werden können. Die einzelnen Glieder heißen Teiltiden oder Partialtiden, i ist ein 
Index, der die Partialtiden durchläuft. 
Es ist n=j r ^ 
und cpi = (V 0 + v), - g ( 
(vgl. Horn [1967]). Hi und g, sind die harmonischen Konstanten des Ortes, a, die Winkelge 
schwindigkeiten der Teiltiden. _// und r, sind die astronomischen Korrektionen, die zusammen 
mit (V 0 + r), in den Tafeln DHI, Nr. 2276, (DHI [1967]) angegeben sind. Durch die harmonische 
Analyse sollen die harmonischen Konstanten Hi und gi so bestimmt werden, daß die Beobach 
tungsreihe durch den Ansatz (1) möglichst gut wiedergegeben wird. Da Wasserstände und 
Strömungen noch von anderen Größen als nur von den Gezeiten abhängen, muß die Anzahl der 
Beobachtungen größer sein als die der zu bestimmenden Konstanten. Damit wird die harmoni 
sche Analyse eine Aufgabe aus der Ausgleichsrechnung (z.B. Horn [1948, 1959], Dronkers 
[1964]). 
Schon für wenige Teiltiden erfordert dies umfangreiche Rechnungen, so daß in der Vergan 
genheit mehrere trickreiche Verfahren erfunden wurden, um die Rechnungen mit vertretbarem 
Aufwand durchführen zu können (siehe Literatur). Noch in der Anfangszeit der elektronischen 
Rechner im DHI wurden von Horn (Horn [1959, I960]) zwei Verfahren angeboten, die schon 
invertierte Matrizen enthielten, um die Rechenzeit in Grenzen zu halten. Diese Verfahren 
fordern drei Bedingungen: vorgegebener Satz von Partialtiden, vorgegebene Länge der Beob 
achtungsreihe und Beschränkung auf stündliche Beobachtungen. 
All diese Bedingungen und Einschränkungen sind heute, seit es die modernen, schnellen 
Großrechenanlagen gibt, nicht mehr notwendig. Die hier beschriebenen, im DHI benutzten 
Rechenprogramme sind so ausgelegt, daß die Partialtiden, die Längen der Beobachtungsreihen 
und der Abstand der äquidistanten Beobachtungen frei gewählt werden können. Auf die Glei- 
chabständigkeit kann jedoch nicht verzichtet werden, außerdem wird eine ungerade Anzahl N] 
von Beobachtungen benutzt. 
Die Länge der Beobachtungsreihe gibt die Grenze für die Trennung benachbarter Teiltiden 
an. Für die Differenz Act zweier Tiden muß gelten 
6' ta 
wenn sich die Beobachtungsreihe über den Zeitraum von t a bis t e erstreckt. 
In dieser Arbeit wird in Anlehnung an Horn (Horn [1959]) ein weiterer Ansatz beschrieben. 
Es wird angenommen, daß die Beobachtungen (Wasserstände oder Strömungen) an Stelle 
von (1) durch 
N K 
/(£) = r 0 + 2 r t cos (Oit + q>i) + 2 P* cos (kwt + y k ) + g KtI t (2) 
(-1 k- 1 
angenähert werden können. Der 3. und 4. Term dieses Ansatzes bezeichnen einen sich gegen 
über der Gezeitenbewegung langsam ändernden Gang. Bei Horn wird ein solcher Gang durch 
Polynome dargestellt, hier durch einen Fourieransatz mit einem linearen Glied. K ist so zu 
wählen, daß die dadurch gegebene Fourierkomponente mit der Winkelgeschwindigkeit K ■ io 
sich noch von der Teiltide mit der längsten Periode trennen läßt. 
Ansatz (2) kann zum Beispiel vorteilhaft benutzt werden bei Analysen, in denen der „Gezei 
tenstrom vom „Reststrom“ getrennt werden soll, oder bei Wasserstandsanalysen zum Trennen 
von meteorologischen Anteilen (Windstau) vom Gezeitenanteil. Man erhält in diesen Fällen für 
Reststrom und Windstau Formeldarstellungen, die jedoch nur für den Analysezeitraum gelten. 
Diese Methode ist den üblichen Filtermethoden zum Eliminieren der Gezeiten überlegen.
	        
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