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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Beiträge zur Hydrographie des Sibirischen Eismeeres, 
nicht unerhebliche Quelle zu den Strömungen in diesem Meere, und zumal auch 
eine Bewegung, deren Richtung nach Osten mit der Bewegung des eigentlichen 
hochnordischen Wassers gegen Westen eine vollkommene Cirkulationsströmung 
konstituirt. 
Ein interessantes Analogon zu der Wasserbewegung längs der sibirischen 
Nordküste haben wir in der Strömung an der Nordküste von /sland. Hier 
geht der Strom von West nach Ost, den herrschenden Winden entgegen. 
Aber die gröfsten Flüsse /slands haben ihre Mündung auf dieser Küste. . Weiter 
nördlich zieht der grönländische Polarstrom in der entgegengesetzten Richtung, 
gegen Westen oder Südwesten, 
Es mag nicht uninteressant sein, im Anschlufs hieran eine detaillirtere 
Schilderung der Eiszustände im Karischen Meere folgen zu lassen nach dem 
Berichte des Lieutenant Hovgaard, des Führers der „Diüjmphna“ während 
ihrer Expedition im genannten Meere, welcher Bericht auch in. dem Eingangs 
genannten Hefte von Petermann’s „Mittheilungen ete.“ zur Veröffentlichung 
gelangte. 
Während die „Vega“ im Sommer 1878 das Karische Meer verhältnils- 
mäßig eisfrei fand, wurde die „Dijmphna“ im September 1882 auf 69° 42‘ N-Br 
und 64° 45‘ O-Lg vom Eise vollkommen eingeschlossen und blieb ein ganzes 
Jahr lang in dieser Lage, während welcher Zeit sie willenlos den sie umgeben- 
den Eismassen folgen mufste. Die Route des Schiffes entspricht demnach den 
Bewegungen des KEises. Dieselbe ist auf Tafel 6 in Heft V der diesjährigen 
Annalen dargestellt. Aus derselben und der auf Seite 253 desselben Heftes 
gegebenen Zusammenstellung über Richtung und Stärke des Windes ist ersicht- 
lich, dafs die Bewegung des Schiffes resp. der Eismassen ziemlich genau mit 
der Windrichtung korrespondirt; man kann also hieraus von vorn herein die 
Abhängigkeit der Bewegung des Eises von der des Windes folgern. 
Vom September bis April wurde die „Dijmphna“ bei südwestlichen 
Winden in nördlicher Richtung längs der Jalmal-Küste gesetzt. Da diese Küste 
die freie Passage der Eismassen nach Nordosten hemmte, so war dies eine Ver- 
anlassung zu fortwährenden Zusammenpressungen der Eismassen, die mit der 
Annäherung an die Küste immer heftiger wurden und die Ursache der Zer- 
trümmerung des mit der „Dijmphna“ eingeschlossenen norwegischen Dampfers 
„Varna“, welcher die holländische Polar-Expedition nach der Jenissei-Mündung 
bringen sollte, bildeten. Wenn von Zeit zu Zeit die Eismassen sich vom Lande 
entfernten, bildeten sich freie Oeffnungen und in denselben neues Eis, welches 
bei dem nächsten Einsetzen der Südweststürme wieder zertrümmert wurde. 
Durch die öftere Wiederholung dieser Vorgänge vermehrten sich die Eismassen 
bis zum Frühjahr aufserordentlich. Im Mai erfolgte mit dem KEinsetzen des 
Nordostwindes eine Trift nach Südwesten, zuerst langsam, dann mit dem Vor- 
rücken des Sommers schneller. Die nun den südlichen Ausgängen des Karischen 
Meeres, der Karischen Pforte und der Jugor-Strafse zugetriebene Eismenge ver- 
Jäfst durch diese, und zwar hauptsächlich durch die Karische Pforte, als die 
breitere, geradere und genau in der Windrichtung liegende Strafse, zum Theil 
das Becken; der bei weitem überwiegende Theil verschwindet jedoch im 
Karischen Meere selbst, indem derselbe gegen die Küsten von Nowaja Semlja 
und Waigatsch geprefst wird. Die schwächeren Stellen sind schon geschmolzen, 
die rasche Trift zehrt gewaltig an der Unterfläche des von Regen, Nebel und 
Sonnenschein schon sehr mürbe gewordenen Eises. An den dünnen Stellen 
bersten die Schollen, die grofsen Eisstücke kommen dadurch in gegenseitige 
Bewegung, die Spitzen reiben sich gegen einander und zerbröckeln; durch die 
andauernden Pressungen wird das schwächere Stück über oder unter das stärkere 
geschoben, gröfsere über Wasser sich erhebende Theile des Eises werden da- 
durch dem direkten Einflusse der zerstörenden Kräfte, Regen, Nebel und Sonnen- 
schein, ausgesetzt, während die unteren Parthien durch das Meerwasser verzehrt 
werden. Durch die Wellen hin- und her und auf- und niederbewegt, werden 
die Eisstücke im Verlauf von ganz kurzer Zeit vollständig zermahlen, theils 
durch gegenseitiges Zerreiben, theils auch durch das Spülen der Wellen gegen 
ihre Seiten und über ihre Oberfläche. Je mehr die Zerstörung des Eises vor- 
wärts schreitet, je ausgedehnter die eisfreien Wasserflächen werden, desto un- 
ruhiger wird die See, desto größer die zerstörende Kraft der Wellen. Im 
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