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Full text: 26, 1898

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Jannar 1898. 
kunft über die Wassertiefen des’ Westgatts von Surabaja!) erhalten konnte, so 
ielegraphirte ich dieserhalb an den Lootsenkommandeur in Surabaja. Nachdem 
ich vergebens 24 Stunden auf Antwort gewartet hatte, trat ich die Weiterreise 
an. Erst in Surabaja wurde mir das gewünschte Telegramm eingehändigt. Das- 
selbe lautete: Segelschiffe mit 16!'/2 (5,0 m) und Dampfer mit 17! Fufßs (5,4 m) 
Tiefgang höchstens können das Westgatt einlaufen. Letzterer war der Tiefgang 
der „Loreley“ beim Abgange von Joanna. 
Wir verliefßsen Joanna am 4. April und erreichten die Mündung des West- 
gatts von Surabaja, woselbst bei der Aufsentonne der Lootsenschoner?) vor 
Anker lag, am Mittag des 7. April. Auf eine Anfrage, ob wir mit einem Tief- 
gange von 5,4 m (17'/2 Fufs) das Westgatt einsegeln könnten, erhielten wir von 
dem Schoner eine verneinende Antwort, mit der Erklärung, dafs dieses nur mit 
einem Tiefgange bis 5,0 m (16'/z Fufs) ausführbar sei. Wir mufsten also die 
Route um die Insel Madura nehmen. Auf derselben passirten wir am Nach- 
mittage des 12. April die Sapudi-Strafse bei einer leichten östlichen Briese, und 
erreichten darauf am 14. April um 2!/» Uhr morgens die Aufsenrhede von Surabaja. 
Hier erhielten wir einen Lootsen, bei dem ich mich erkundigte, ob das Schiff, 
nachdem es beladen sei, zu jeder Zeit von Surabaja ausgehen könne. Da ich 
arfuhr, dafs dieses bestimmt mit der Vorspringfluth schon möglich sei, segelten 
wir weiter ein und kamen am Mittage desselben Tages auf der Innenrhede von 
Surabaja zu Anker. Beim Einsegeln passirten wir das Bremer Schiff „Aldebaran“. 
Dasselbe kam von Rotterdam, hatte einen Tiefgang von 6,25 m (20'/a Fufß) und 
safs schon drei Tage auf der Barre fest: Erst mit der vollen Springfluth konnte 
es diese, ohne zu leichtern, passiren. 
Die Reise von Joanna nach Surabaja wurde bei leichten östlichen Winden, 
die von Mallungen und Stillen unterbrochen wurden, zurückgelegt. Das meistens 
schöne und klare Wetter erlitt nur durch einige Regenschauer gelegentliche 
Störungen. Wir hielten uns möglichst in der Nähe des Landes, wo wir häufig 
des Nachts den Vortheil der Landbriese zu geniefsen hatten. Es wurde nur 
wenig Gegenstrom beobachtet, und wir hatten daher nicht nöthig zu ankern. 
Surabaja. In der ersten Woche unserer Anwesenheit in Surabaja konnten 
wir der vielen Feiertage des Neujahrfestes der Javaner wegen keine Ladung 
bekommen. Kapt. Bruns von dem obengenannten Schiffe „Aldebaran“ theilte 
mir mit, dafs er während der fünf Tage des Festliegens auf der Barre mit Hoch- 
wasser stets 6,1 m (20 Fuß) Wasser gelothet habe. Der Lootsenkommissar rieth 
mir, das Schiff nicht tiefer als bis 5,6 m (18'/2 Fufs) zu beladen, da es durchaus 
nicht ausgeschlossen sei, selbst bei der vollen Springfluth zur Zeit des Hoch- 
wassers, mit einem Tiefgange von 5,8 m (19 Fufs) auf der Barre festzugerathen. 
Die meisten Lootsen waren freilich der Ansicht, dafs ein 6,0 m (19/2 Fufs) tief- 
gehendes Schiff zur Springzeit die Barre, ohne festzugerathen, passiren könne. 
Um ein besseres Steuern des Schiffes beim Passiren der Barre zu ermöglichen, 
wird empfohlen, dasselbe 0,08 m (3) ins Gatt zu laden. 
Nachdem die „Loreley“ ihre Ladung bis auf 200 Tonnen eingenommen 
and einen Tiefgang von 5,6 m (18' 6”) vorne und 5,7 m (18' 9”) hinten erlangt 
hatte, verliefsen wir am Nachmittage des 25. April mit eintretender Ebbe den 
Hafen, geriethen aber um 7 Uhr abends auf der Barre fest. Wir versuchten bei 
mehreren Hochwassern das Schiff vermittelst Wurfanker und Leine, sowie Segel 
wieder flott zu machen; aber vergeblich, trotzdem dabei immer eine leichte 
Landbriese herrschte. Einige Male wurde es vorne flott, blieb aber hinten fest- 
sitzen und schlug alsdann herum, gegen die backliegenden Segel im Vortopp, 
irotzdem nach der anderen Seite ein Wurfanker mit Leine aus war, In dem 
weichen Mudd konnte der Anker nicht halten. Erst am 30. glückte es uns bei 
Hochwasser mit der höchsten Springfluth wieder flott zu werden, über die Barre 
zu kommen und die Aufsenrhede zu erreichen. 
Die gröfste Schwierigkeit beim Aussegeln von Surabaja erwächst einem 
heladenen Schiff durch den Strom, der noch zwei Stunden nach Hochwasser ein- 
läuft. Es wäre auch wohl besser gewesen, das Schiff anstatt es 0,08 m (3) ins 
Gatt, 0,08 m (3) auf den Kopf zu laden: alsdann würde es nicht so leicht vorne 
1) Vgl. diese Annalen, Jahrgang 1897, 5.493 #, Eastern Archipelago, Part I, S. 144 #f. D.R. 
N Val. 8. a. O0. S.503. D. RR.
	        
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