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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1914.
den Fischschwärmen besucht und später wieder verlassen werden, Die Fischer
müssen diesen Bewegungen folgen, aber aufs Geratewohl, da die Naturverhält-
nisse, welche die Wanderungen der Fische veranlassen, bisher unbekannt ge-
blieben sind. Als die »Michael Sars«-Expedition von Süden her über die
Große Bank dampfte, war die Fischerei dort in vollem Gang. Nicht so weiter
nördlich, in der Nähe von St. Johns. Dr. Hjort setzt dies mit den hydro-
graphischen Verhältnissen in Verbindung, welche durch den obenstehenden Quer-
schnitt verständlich werden. Im nördlichen Teil der Bank fand man kaltes
arktisches Wasser unter 0° am Boden, worin die Fische nicht leben und laichen
können; am südlichen Abhang gegen die atlantische Tiefmulde fand man boreales
Wasser von + 4° bis 5° Temperatur, also von derselben Temperatur, in welcher
das Laichen an den Lofotenbänken und südöstlich von Island 6 Monate früher
im Jahr stattfindet. Man sollte glauben, daß es im Interesse derjenigen Länder
liegen würde, die ihre Fischerflotten nach Neufundiand aussenden, solche wissen-
schaftlichen Befunde „weiter auszubauen und zu verwerten. 6. Das nordameri-
kanische Küstenmeer vom St. Lorenz-Golf südwärts über Kap Hatteras bis nach
Florida hin wäre als sehr wichtig ebenfalls durch Schnitte zu untersuchen, wie
dies ja neuerdings dank der Initiative von Dr. Smith-Washington von den Ver-
einigten Staaten aus in Angriff genommen worden ist, zum Teil durch Ausdehnung
der Fahrten bis zu den Bermudas. Im südlichsten Teile käme man an die Wurzel
des Golfstromes in den Engen von Bemini!), 7, Die portugiesische Küste und
das Azorenplateau würden auch berücksichtigt werden können, besonders im
Hinblick auf das tatkräftige Interesse, das der Direktor des meteorologischen
Institutes der Azoren, Herr Chaves auf Ponta Delgada, seit langem den meeres-
kundlichen Verhältnissen dieser Gegenden widmet; er hat auch bereits die Voll-
macht der portugiesischen Regierung, gegebenenfalls die entsprechenden Unter-
suchungen in beiden Regionen an Bord zweier Kreuzer zu organisieren. Dazu
ist diese Gegend seit Jahren ein vom Fürsten Albert von Monaco bevor-
zugtes Arbeitsgebiet.
Um die Arbeiten in den das Nordatlantische Becken umrandenden Neben-
meeren noch weiter zu vervollständigen, würden auch die an den Küsten selbst
befindlichen vielfachen wissenschaftlichen Stationen mit ihren sachlichen und
personellen Hilfsmitteln aufzubieten sein, Kurzum, in Hinsicht der Küsten-
meere dürfte auf ein reiches und vollkommen genügendes Beobachtungsmaterial
ohne gar zu große Schwierigkeit gerechnet werden können. Anders steht es mit
dem zweiten Teil des Planes.
IX. Synoptische Untersuchung des offenen Ozeans. (Transatlantische Unter-
suchungslinien.) Dies Unternehmen wäre ohne ein direktes Eingreifen der Re-
gierungen nicht in Gang zu bringen. Um aber eine solche Hilfe zu erreichen,
dazu gehört der Nachweis erstens eines exakten Programmes, zweitens einer
günstigen Gelegenheit, Was das Programm betrifft, so wird hier nach der
Denkschrift nur die örtliche Lage der gewünschten Schnitte kurz gestreift; über
Art und Umfang der Arbeiten auf den Schnitten mag der Bericht über die Be-
schlüsse der Kopenhagener Konferenz (S. 149) Auskunft geben. Da der Nord-
atlantische Ozean durch den zentralen Rücken in zwei große Tiefbecken geteilt
wird, in ein östliches und ein westliches, treten auch Unterschiede in der Wasser-
beschaffenheit beider Hälften auf, besonders des Bodenwassers, Es erscheint
daher wünschenswert, daß mindestens ein großer Querschnitt die östliche Mulde
bevorzugt, dies könnte sehr gut bei einer Reise geschehen, die vom Mittelmeer
ausgeht und nach Trinidad (und weiter nach Panama) gerichtet wäre; während
ein anderer transversaler Schnitt in der westlichen Mulde von NO nach SW ent-
lang ziehen sollte, vom Englischen Kanal aus zunächst westwärts etwa nach
45° N-Br. und 45° W-Lg. und von dort südwestlich nach Westindien (Haiti—Panama).
Ferner wäre ein hoch nördlich zu verlegender Querschnitt durchaus erforderlich,
etwa von den Shetlands-Inseln hinüber nach Neufundland; dieser Schnitt würde
das sogenannte Telegraphenplateau berücksichtigen und alle »Golfstromzweige«
sowie die Labradorstromgewässer überqueren,
‘. Vgl. G. Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans. Hamhurg 1912. 8.167 bis 170