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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

352 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916, 
und 25. über Pommern und Preußen, sowie am 26. an der ganzen Ostsee. 
Gewitter traten auf am 5. an der ostpreußischen Küste, am 18. über der west- 
lichen Ostsee, sowie am 21. und 22. von der Weser bis zur Oder. Steife und 
vereinzelt stürmische Winde stellten sich über größerem Gebiete ein am 7. 
aus dem Südostviertel an der schleswig-holsteinschen Küste, am 10. aus dem 
Nordwestviertel zwischen Weser und Oder, sowie aus südlichen Richtungen am 
17. von der Weser bis zur Trave. 
Während der angeführten, den Monat beginnenden wesentlich trockenen 
Periode stand die Küste zunächst unter dem Einfluß eines von Südosteuropa bis 
Großbritannien reichenden Hochdruckgebiets, das sich alsbald über ganz Mittel- 
auropa ausdehnte und dann nach Rußland zurückwich; in seinem Bereiche wehten 
am 2. bis 5. und im Osten noch am 6. schwache südöstliche Winde, die im ganzen 
ziemlich warmes Wetter und an der Ostsee die höchsten Temperaturen des 
Monats herbeiführten. Ein vom 4. bis 6. langsam. Norddeutschland ostwärts 
durchquerender flacher Tiefdruckausläufer brachte vorübergehend vielenorts 
leichte Niederschläge und auf seiner Rückseite bei nordwestlichen Winden Ab- 
kühlung, welche am 5, in Ostpreußen die Gewitter hervorrief, In seinem Rücken 
folgte dem Tiefausläufer ein am 6. bis 8. über Skandinavien nach Rußland fort- 
schreitendes Hochdruckgebiet nach, das auf seiner Vorderseite unserer Küste 
Winde aus hohen Breiten zuführte, die in den Tagen vom 6, bis 9. meist die 
niedrigsten Temperaturen des Monats und an der Ostsee am 8. sowie noch teil- 
weise am 9. den einzigen Frost mit sich brachten. Ein zweiter, am 10. südost- 
wärts über die Ostsee hinwegziehender Tiefdruckausiäufer brachte im Osten 
Regenfälle, und zwischen Weser und Oder in großer Verbreitung steife Nordwest- 
winde, die an der Ostküste Schleswig-Holsteins bis Stärke 8 und 9 anschwollen, 
Die anschließende allgemeine lange Regenzeit war durch verhältnismäßig 
geringe Wandlungen ihrer Wetterlage charakterisiert. Zwischen Hochdruck- 
gebieten über Nordosteuropa und Südwesteuropa erstreckte sich cin Tiefausläufer 
über die Nordsee südostwärts in wechselnder Ausdehnung über Deutschland und 
teilweise über Frankreich und bis an die Alpen; ein anderes Tiefdruckgebiet 
arhielt sich dauernd über Südrußland und breitete sich zeitweise bis Ostdeutschland 
aus. Neben den verbreiteten täglichen Niederschlägen kennzeichneten sich diese 
Tage dadurch, daß die Temperaturen nur geringe Änderungen erfuhren und zur 
Zeit der Morgenbeobachtung den vieljährigen Werten meist innerhalb eines 
Grades entsprachen, abgesehen vom 16. bis 18, an der ostdeutschen Küste, wo 
diese Abweichungen vielfach 2° bis 3° und am 23. 5° bis 9° betrugen. 
Der 23. April bildete den Übergang zu der nunmehr bis Monatsschluß 
währenden zweiten Trockenzeit des Monats. Der über die Nordsee südostwärts 
hinwegreichende Tiefdruckausläufer verlagerte sich nordostwärts auf der Vorder- 
seite des von Südwesteuropa vordringenden Hochdruckgebiets; dieses breitete 
sich bald über ganz Mitteleuropa aus und beherrschte die Küste bis Monatsende; 
entsprechend war das Wetter seit dem 24, fast durchweg heiter und, wie an- 
gegeben, im Osten teilweise neblig; bei schwachen, seit dem 25. meist aus Öst- 
lichen Richtungen wehenden Winden waren die Temperaturen fast durchweg hoch 
und erreichten am 28. und 29. teilweise ihre höchsten Monatswerte. 
Druck und Verlag von E, S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei, 
Berlin SW, Kochstraße 68—71,
	        
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