Zustand und Entwicklungen: 2008-201 1
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Interessanterweise fiel der Winter 2010 in die Endphase des ungewöhnlich dauerhaften und
extremen solaren Aktivitätsminimums des Zyklus 23/24 (BARRIOPEDRO et al. 2008, RÜS
SEL 2010). Der letzte, sehr kalte Winter trat 1996 ebenfalls in einer Phase minimaler Akti
vität ein (LOEWE und KOSLOWSKI 1998). Meerwasser- und Lufttemperaturen waren zwar
seit 1996 niemals kälter, fielen jedoch 2010 lediglich auf das klimatologische Niveau zurück.
Zwar lag in beiden Wintern (hier u. i. E: DJF) eine mittlere Anströmung aus SE vor (SCHMEL
ZER et al. 2015). Eine Auswertung der täglichen Wetterlagen ergab jedoch, dass Kälte be
günstigende antizyklonale Rotationslagen (29) und östliche Richtungslagen (44) jeweils und
zusammengenommen im Winter 1996 4-mal so häufig auftraten wie die komplementären
C- (7) und W-Wetterlagen (11). Demgegenüber herrschten im Winter 2010 weit ungünstigere
(A:C = 13:23« 4/7, E: W=34:20«7/4), insgesamt ausgewogene Verhältnisse (47:43«1). Die
relativ niedrigen Wintertemperaturen waren nicht auf die Nordseeregion beschränkt, son
dern erstreckten sich insbesondere über weite Teile der nordhemisphärischen Landmasse in
mittleren Breiten. Dennoch erwies sich 2010 für die nördliche Hemisphäre als das bis dahin
wärmste Jahr (LOEWE 2013).