accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 54: Nordseezustand 2008-2011

38 
Atmosphärische Zirkulation 
nachfolgende - fast ausschließlich aus wechselnden SW- und NW-Lagen zusammensetzte 
(Tabelle 2-16). Letztere setzte unvermittelt mit der Ballung aller Novemberstürme (6) ein (Ta 
belle 2-8) und bewahrte diesen Sturmcharakter (89 %, ~ 15 m/s) bis über das Jahresende 
hinaus. Offensichtlich können die monatlichen Luftdruckverteilungen die räumlichen Muster 
der 3 Anströmungsphasen nur verschmiert wiedergeben (Abbildung 2-14). Die Meeresoberflä 
chentemperatur der DB lag mit 10.7 °C um 1.8 StdAbw über dem OND-Mittel und war damit 
die fünfthöchste im Zeitraum 1971-2013. Die saisonale Abkühlung vollzog sich auf einem 
gegenüber der Klimatologie gleichmäßig um 1.2 K erhöhten Niveau (Abbildung 2-23). Die sai 
sonale Lufttemperatur auf Norderney (7.8 °C, 0.9 K) war im gleichen Zeitraum die 8-höchste, 
wobei die monatlichen Abweichungen von der Klimatologie starken Schwankungen (0.8, -0.2, 
2.2 K) unterlagen. Der für Norderney drittwärmste Dezember (5.9 °C) war Konsequenz auf 
Novemberniveau stagnierender Temperaturen. Während der Temperaturrückgang von Juli auf 
Dezember im Vorjahr die Rekordhöhe von -21 K erreichte, ergab sich hierfür im Jahr 2011 mit 
-10 K die zweitkleinste Amplitude (Abbildung 2-22). 
2.2.6 Zusammenschau 
Die vom Weltklimarat bereits 1990 im 1. Sachstandsbericht angekündigte Zunahme extremer 
Anomalien in der sich erwärmenden Welt (WMO 2011) zeichnet sich seit der Jahrtausend 
wende weltweit immer deutlicher ab (IPCC 2012, WMO 2013). Nicht nur die Häufigkeit solcher 
Anomalien, auch deren Stärke, Ausdehnung und Andauer nehmen bislang ungekannte Aus 
maße an. Sie ereignen sich zwar vor dem Hintergrund intrinsischer Schwankungen (etwa im 
Rahmen dekadischer und multidekadischer Oszillationen) und externer Antriebsänderungen 
(z. B. Sonnenaktivität: FEULNER und RAHMSTORF 2010, INESON et al. 2011), sind aber 
ohne den anthropogenen Treibhauseffekt in dieser Qualität kaum mehr zu erklären. 
Der beschleunigte Rückgang der arktischen Meereisbedeckung in der vergangenen Dekade 
hat die Debatte zur „Arctic Amplification” (AA: verstärkte Erwärmung gegenüber gemäßigten 
Breiten) als möglicher Ursache extremer Wetterereignisse und Witterungsbedingungen in 
mittleren Breiten befeuert (FRANCIS und VAVRUS 2012, BARNES 2013, SCREEN und SIM- 
MONDS 2013, KINTISCH 2014). Aufgrund der Rossby-Haurwitz Theorie bedingt nämlich ein 
reduziertes meridionales Temperaturgefälle einen schwächeren zonalen Grundstrom, ein ver 
stärktes Mäandrieren und eine verlangsamte Ostwanderung der planetaren Wellen, was zu 
sammengenommen langlebige Stagnationsperioden mit festsitzenden Wellenzügen und folg 
lich persistente Hitze- und Kältewellen, Dürre- und Überschwemmungsepisoden begünstigen 
würde. 
Stationäre atmosphärische Zirkulationszustände wurden in der Nordseeregion im Zeitraum 
2008-2011 immer wieder und in allen Jahreszeiten beobachtet. So kam es im Frühjahr jedes 
dieser Jahre zu dauerhaften Blockierungsphasen mit rekordbrechenden oder rekordnahen 
Globalstrahlungsüberschüssen und Temperaturen. Kennzeichnend für die Sommer waren 
hingegen über Wochen andauernde Troglagen, die sich in extremen Häufungen zyklonaler 
Wetterlagen, einer unbeständigen Witterung und Einbrüchen im jahreszeitlichen Gang von 
Luft- und Meerestemperaturen zeigten. 
Winter 2008 und Herbst 2011 ausgenommen, herrschte eine deutlich abgeschwächte Zonal 
zirkulation in diesen Jahreszeiten. In den Herbst/Winter-Halbjahren des Berichtszeitraums war 
der für die Region repräsentative Nordseewind - sowohl vektoriell, als auch skalar - erheblich 
schwächer als in den Randquartalen. Im Einklang damit war das Sturmaufkommen von Ok 
tober bis März in den Saisons 2009/10 sowie 2010/11 äußerst gering. Gleichzeitig erreichte 
und brach der Index der Nordatlantischen Oszillation in diesen Zeiten negative Rekordstände.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.