Zustand und Entwicklungen: 2008-201 1
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(AMJ) Die Luftdruckverteilung im April stellte eine Überlagerung zweier Muster dar, die je
weils den positiven Zustand der Nordatlantischen Oszillation im Winter bzw. Sommer cha
rakterisieren (Abbildung 2-14). Mit 2.32 ergab sich für den NAO-Index der zweithöchste April-
wert im Zeitraum 1899-2013 (HURREL et al. 2013). Entgegen der landläufigen Vorstellung
einer intensiven Zonalströmung über der Nordsee - wie beispielsweise im Dezember 2011
für einen NAOI von 2.65 (/\bbildung 2-14) - verlief das Sturmband NW-lich der Linie Aber
deen-Bergen infolge der Blockierung durch den weit in den europäischen Kontinent sich
erstreckenden Azorenhochkeil. Mit dem Abkalben des Azorenhochs über Skandinavien ge
gen Ende der 2. Aprildekade drehte die schwache W-liche Anströmung für die Dauer von
3 Wochen auf SSE (Tabelle 2-8). Anschließend stellte sich eine lebhafte SW- bis W-liche An
strömung ein, deren Intensität im Juni deutlich nachließ (Abbildung 2-18). Die saisonale Luft
druckverteilung entsprach hinsichtlich des Musters (AW) der Klimatologie, wies aber stärkere
Druckgegensätze auf (Abbildung 2-10). Die starke Übereinstimmung der Druckkonstellation
im April mit den Verteilungen im Juli 2006 und 2013, die mit Hitzewellen einhergingen, macht
die frühsommerlichen Temperaturverhältnisse begreiflich. Die Lufttemperatur auf Norderney
stieg von März auf April um 6.2 K auf den nach 2007 (11.0 °C) höchsten Stand (10.6 °C)
und lag damit um 3.3 K (bzw. StdAbw) über dem Klimanormal. Maßgeblichen Anteil an die
sem Temperatursprung hatte ein Strahlungsüberschuss von 38 Wirr 2 (1.9 StdAbw, Abbildung
2-21). Obwohl der weitere Anstieg flacher als der klimatologische verlief (Abbildung 2-22), war
auch die saisonale Mitteltemperatur (AMJ) die zweithöchste (13.1 °C) nach 2007 (13.5 °C).
Die Meeresoberflächentemperatur der DB vollzog von März auf April einen Rekordsprung
von 4.1 K (2.2 StdAbw) auf 7.6 °C (Abbildung 2-23). Dieses Temperaturniveau lag jedoch wie
das des AMJ-Mittels (11.4 °C) lediglich 1.2 StdAbw über dem Normal der Referenzperiode
1971-2000.
(JAS) Die Verbundhäufigkeit von A-Wetterlagen in den Hochsommermonaten Juli und August
fiel auf den Rekordtiefststand von 6 Tagen, während C-Wetterlagen an 19 Tagen herrschten
und damit das erstmals 2002 erzielte Maximum des Zeitraums 1971-2013 erreichten (Ta
belle 2.17). Den Luftdruckanomalieverteilungen beider Monate ist nicht nur deren wechselhaft
zyklonaler Witterungscharakter zu entnehmen (Abbildung 2-14). Sie zeigen darüber hinaus die
Dipolstruktur des negativen Phasenzustands der Nordatlantischen Oszillation im Sommer, die
aus anomalen Luftdruckgegensätzen über Nordseeraum (-) und Nordmeer (+) resultiert (FOL-
LAND etal. 2009). Der NAO-Index lag im JJA-Quartal mit -2.06 auf dem vierttiefsten Niveau
des Zeitraums 1899-2013 (HURREL et al. 2013). Die starke Tiefdruckanomalie, die sich im
September polwärts der Linie Kap Race - Lands End - Petersburg erstreckte, verursachte
im Nordseeraum eine sehr kräftige, richtungsstabile WSW-Anströmung (Tabelle 2-22; Abbil
dung 2-18), in der Dieter (6.) und der Ex-Tropensturm Katia (12./13.) eingebettet waren (Tabelle
2-8). Für die Globalstrahlung auf Norderney (Abbildung 2-22) ergab sich im Juli bei 175 Witt 2
das zweithöchste Defizit (-41 Witt 2 ), im September das vierthöchste Surplus (20 Witt 2 ). Die
saisonale Lufttemperatur (JAS) entsprach hier dem Klimamittel (16.2 °C), während die Meeres
oberflächentemperatur der DB (16.7 °C) dieses um nur 0.2 K übertraf (Abbildung 2-23).
(OND) Zu den Extremen im Herbstquartal zählten das saisonale Rekordminimum (3) von
C-Wetterlagen (Abbildung 2-4), der trockenste November auf Helgoland (und in Deutschland)
seit Beginn der Messungen (1893), das im Kontrast zum Negativrekord (-3.56) im Vorjahres
dezember stehende Rekordmaximum (2.65) des NAO-Zustands (HURREL et al. 2013) so
wie die damit verbundene beispiellose Häufung (6) schwerer Dezemberstürme (Tabelle 2-23).
Die infolge hohen Drucks über Kontinentaleuropa antizyklonale Prägung der ersten Oktober
wochen (Tabelle 2-8) wuchs sich zu einer langlebigen (22.10.-23.11.) und massiven Blockie
rung aus, die sich im vereinfachten Kalender (Tabelle 2-16) als von SE- (14) und A-Lagen (11)
dominierte Sequenz und in der Trajektorie des Nordseewindes (Abbildung 2-18) als von mar
kanten Windsprüngen begrenzte, richtungsstabile (82%) S-Anströmung abbildete. Ebenso
stabil (79%) und kräftig (« 10 m/s) war die vorausgehende W-Phase, die sich - wie die