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Atmosphärische Zirkulation
nicht nur in der extremen Häufung von C-Lagen (11, Abbildung 2-5), sondern auch in der
Endlosschleife von (Selbst-)Übergängen zwischen C-, NW- und SW-Zuständen (Tabelle 2-14;
Abbildung 2-8) und dem fast vollständigen Fehlen von A-Wetterlagen (1). Die unbeständige
Witterung dauerte im September bei instabiler WSW-Anströmung an (Tabelle 2-22). Die Luft
temperatur auf Norderney stieg im Juli bei unverändert hohem Strahlungsüberschuss (Abbil
dung 2-21) um 5.0 K (1.7 StdAbw) auf 19.4 °C. Vom dritthöchsten Niveau im Zeitraum 1971-
2013 fiel sie im August mit der drittstärksten Abkühlungsrate auf das Klimanormal von 17.2 °C
zurück (Abbildung 2-22), so dass die Lufttemperatur im JAS-Mittel (16.2 °C, 0.7 K) nur Rang
12 erreichte. Dennoch ergab sich für die Amplitude des Temperaturgangs von Januar über Juli
auf Dezember 2010 eine Rekordhöhe von ±21 K. Die Meeresoberflächentemperatur der DB
unterlag im Juli einem ähnlich extremen Anstieg auf 18.4 °C; der anschließende gedämpfte
Rückgang auf annähernd normales Niveau war jedoch erst im September abgeschlossen
(Abbildung 2-23).
(OND) Die atmosphärische Zirkulation im 4. Quartal glich in vielerlei Hinsicht derjenigen des
vorausgegangenen Winters (Abbildung 2-10). Ausschlaggebend hierfür war die im Herbst
verlauf zunehmend negative Auslenkung der Nordatlantischen Oszillation, deren Index im
Dezember auf -3.56 abfiel und den Rekord von Dez. 2009 (-2.95) unterbot (HURREL et al.
2013). Die damit einhergehende S-Verlagerung der Polarfront ist aus Abbildung 2-13 ersicht
lich, zeigt sich aber insbesondere auch in extremen Häufungen von SE- und NE-Lagen auf
Kosten von SW-Lagen (Tabelle 2-18\ Abbildung 2-4). Die übliche (wahrscheinlichste) Über
gangsabfolge für ein (mit geeigneter Geschwindigkeit bzw. Beobachtungsfrequenz) in E-
Richtung über die zentrale Nordsee ziehendes Tief, nämlich SW-C/W-NW (Abbildung 2-6),
änderte sich aufgrund der S-licheren Zugbahn zu SE-C/E-NE, wie sich anhand von Luft
druckverteilung und Übergängen im November nachvollziehen lässt (Tabelle 2-6, Tabelle 2-14).
Auf Norderney waren die Herbsttemperaturen von 2010 und 1993 mit 5.1 °C die niedrigsten
des Zeitraums 1971-2013. Die Lufttemperatur im Dezember (-1.2 °C) war nur 1995 (-1.4 °C)
geringer. Der Abfall der Meeresoberflächentemperatur der DB von November auf Dezember
(Abbildung 2-23) erreichte mit -5.0 K fast den Rekordwert von 1978 (-5.1 K). Das Dezember
mittel von 4.5 °C fiel nur 1981 (3.9 °C) geringer aus.
2.2.5 2011
(JFM) Vom Rekordminimum im Dezember 2010 (-3.56) stieg der NAO-Index im Januar auf
ein moderateres Niveau (-1.36), wechselte im Februar erstmals nach 16 Monaten in eine ent
schieden positive Phase (1.22) und verblieb in diesem Zustand (1.04) auch im März (HURREL
et al. 2013). Mit dieser Entwicklung ging eine Abfolge spontan wechselnder Anströmungse
pisoden einher, aus denen insgesamt ein gewöhnlicher WSW-Wind resultierte (Tabelle 2-21).
Besonders hervorhebenswert erscheinen die beiden vom 18. bis 30. Januar und 12. bis
24. Februar andauernden Phasen (Tabelle 2-8), in denen arktische bzw. kontinentale Kaltluft
einbrüche aus NNW bzw. SSE die Zufuhr milder Atlantikluft unterbanden (Abbildung 2-18).
Die Anzahl der Sturmtage (9) lag im JFM-Quartal auf dem Niveau des 10% Quantils, für die
Herbst-Winter Saison (02M: 15) und das Sturmjahr 2010/11 (J2J: 18) auf dem niedrigsten
Stand seit 1970/71 (Tabelle 2-24\ Abbildung 2-20). Die Lufttemperatur auf Norderney ent
sprach im Winterquartal (3.0 °C) und den zugehörigen Monaten den Klimanormalwerten (Ab
bildung 2-22). Der beispiellos hohe Anstieg um 3.3 K von Dez. auf Jan. lief dem regulären
Temperaturgang zuwider, der in dieser Zeit zu einem gegenüber Dezember um 1.5 K kälteren
jahreszeitlichen Minimum führt. Mit 3.2 °C blieb die Meeresoberflächentemperatur der DB um
0.5 StdAbw unter dem saisonalen klimatologischen Mittel (Abbildung 2-23). Ihre intrasaiso
nale Entwicklung war konsistent mit der des Meerwassertransports durch den W-Rand der
DB (Abbildung 3-10).