Zustand und Entwicklungen: 2008-201 1
35
Abbildung 2-18), dessen Resultierende übers Jahr (und in den kalten Jahreszeiten) kaum
1 m/s übertraf (Abbildung 2-16), der mit Abstand (1963: 14 Sturmtage) geringsten Sturmfre
quenz (8) seit 1948 (Tabelle 2-24), dem stark erhöhtem Vorkommen von E-Wetterlagen (NE &
SE) zu Lasten von SW-Lagen (Abbildung 2-8; Abbildung 2-6) oder dem für Norderney (8.5 °C),
die DB (9.8 °C) und die Nordsee (9.9 °C) kältesten Jahr seit 1996 (7.8, 8.6 resp. 9.3 °C).
(JFM) Die Nordatlantische Oszillation war bereits im Dezember 2009 in eine extrem nega
tive Phase eingetreten und ging erst im März in einen moderaten, aber weiterhin negativen
Zustand über. Dabei setzte Hurrels NAO-Index sowohl im DJF-Quartal (-2.93), als auch im
DJFM-Tertial (-2.54) neue Rekordtiefststände für den Zeitraum 1899-2013 (HURREL et al.
2013). Den Luftdruckanomaliefeldern für Januar und Februar entsprechen kräftige anomale
E-Windkomponenten (Abbildung 2-13), so dass (durch additive Überlagerung mit klimato-
logischem SW-Wind) in beiden Monaten eine schwache SE-liche Anströmung vorherrschte
(Tabelle 2-22), die schließlich im März auf eine ebenso schwache W-Anströmung umstellte.
Auch die beispiellos niedrige Sturmfrequenz (2) im JFM-Quartal (Abbildung 2-20, Abbildung
2-1) ist Konsequenz des weit nach Süden verlagerten Tiefdruckbandes, das sich von der
amerikanischen Ostküste bis in den östlichen Mittelmeerraum erstreckte und erst in der 2.
Februarhälfte auch den Nordseeraum erfasste (Abbildung 2-13; Tabelle 2-14, Tabelle 2-15).
Die Lufttemperatur auf Norderney fiel im Januar auf-1.6 °C ab und stieg über-0.4 °C im Fe
bruar auf den fast normalen Wert von 4.9 °C im März an (Abbildung 2-22). Die J-, F- und JFM-
Temperatur (1.0 °C) waren jeweils die fünftkältesten im Zeitraum 1971-2013. Dabei fiel das
Quartalsmittel gegenüber dem letzten kälteren und insgesamt kältesten Winter 1996 (JFM:
-0.9 °C) um fast 2 К wärmer aus. Dies trifft gleichermaßen für die Meeresoberflächentempe
ratur der DB zu (JFM: 2.8 °C vs. 0.9 °C) und scheint CATTIAUX et al. (2010) zu stützen, die
den Winter 2010 in Europa als „cold event mitigated by long-term climate warming“ sehen.
(AMJ) Mit 10.8 °C und nur geringfügiger Abweichung (-0.2 K) vom Klimamittel war die Luft
temperatur auf Norderney auch im Frühjahr 2010 die bis dahin kälteste seit 1996 (10.1 °C).
Trotz eines Strahlungsüberschusses von 25 Wirr 2 (1.7 StdAbw; Abbildung 2-21) erreichte der
saisonale Temperaturanstieg um 9.5 К von März auf Juni nur Durchschnittshöhe (Abbildung
2-2). Dabei war der Anstieg von April auf Mai mit 1.2 К (-2.0 StdAbw) der geringste nach
1987 (0.6 K), derjenige von Mai auf Juni mit 4.8 К (1.9 StdAbw) der höchste im Zeitraum
1971-2013. Dieser Sachverhalt ergibt sich einerseits aus der hohen Frequenz von NE- (9) und
NW-Lagen (10) im Mai (Tabelle 2-15) und folglich einem richtungsstabilen Kaltlufttransport
über die Nordsee aus N (Tabelle 2-22); andererseits aus hohen Strahlungsüberschüssen, die
durch das gehäufte Auftreten antizyklonaler Wetterlagen im April (12) und Juni (15) zustande
kamen (Abbildung 2-4, Abbildung 2-5). Das Luftdruckanomaliefeld war im Frühjahr durch ein
AN-Muster charakterisiert (Abbildung 2-10) und deckte sich wie gewöhnlich - für diese Jah
reszeit und die zugehörigen Monate (Abbildung 2-13) - mit dem Luftdruckfeld (ANW). Auch
die Meeresoberflächentemperatur der DB war nach 1996 (7.6 °C) stets wärmer als im Frühjahr
2010 (9.9 °C, -0.3 K) und verhielt sich intrasaisonal ähnlich wie die Lufttemperatur auf Nor
derney (Abbildung 2-23).
(JAS) Die Rahmenbedingungen für die atmosphärische Zirkulation über Europa waren im
Hochsommer durch einen extrem langlebigen Omegablock mit Zentrum über Westrussland
vorgegeben (BARRIOPEDRO et al. 2011). Dessen direkter Einfluss beschränkte sich wie der
des zur Brückenbildung neigenden Azorenhochkeils auf die südöstliche Peripherie der Nord
see, die im Juli im Bereich des Vorzeichenwechsels des Luftdruckanomaliefeldes lag (Abbil
dung 2-13). Für die eigentliche Nordsee ergab sich dabei eine normale Anzahl von A-Lagen (8),
während die Häufigkeit von SW-Lagen (11) das 90 % Quantil überschritt (Abbildung 2-5) und
die Anströmung dominierte. Mit der SE-Verlagerung des Blocks kam der Nordseeraum ab
der 3. Julidekade unter dem nachrückenden Höhentrog zu liegen, der sich im Meeresniveau
als CW-Muster zeigt (Abbildung 2-13). Die starke Tiefdruckaktivität im August spiegelt sich