Radioaktive Stoffe
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Die Aktivitätsverhältnisse geben Aufschluss über die Herkunft dieser Nuklide. Während für
den globalen Fallout der atmosphärischen Kernwaffentests 238 Pu/ (239+240) Pu-Aktivitätsverhält-
nisse von 0,03 bis 0,08 charakteristisch sind, liegen diese für die Einleitungen aus den Wie
deraufbereitungsanlagen mit 0,15 bis 0,20 (Sellafield) und 0,4 bis 0,5 (La Hague) deutlich
darüber. Die aktuellen Aktivitätsverhältnisse in der Deutschen Bucht, die im Mittel bei 0,2
lagen, zeigen, dass die Quelle nicht im Fallout, sondern in den Wiederaufarbeitungsanlagen
zu suchen ist. Gleiches gilt für das Aktivitätsverhältnis 241 Am/ (239+240) Pu, welches im Fallout bei
0,4 liegt. Dieses Verhältnis lag im Berichtzeitraum in der Deutschen Bucht im Mittel bei 0,53,
also signifikant von Falloutverhältnissen verschieden.
Für die Nordsee lag das 238 Pu/ (239+240) Pu-Aktivitätsverhältnis in den Jahren 2009 bis 2011 im
Mittel bei 0,2, also auch deutlich geprägt von den Einleitungen der Wiederaufbereitungsan
lagen, wobei das 241 Am/ (239+240) Pu-Aktivitätsverhältnis im Mittel bei 0,4 lag und sich somit dem
Falloutverhältnis angenähert hat.
Im Jahr 2009 konnte eine Anomalie des Pu-Aktivitätsverhältnisses in der zentralen Nord
see detektiert werden. Die Abbildung 4-94 zeigt die Pu-Verhältnisse im Jahr 2009, die Ab
bildung 4-95 die für das Jahr 2010. In Abbildung 4-94 sind deutlich die ungewöhnlich hohen
Aktivitätsverhältnisse in der zentralen Nordsee mit bis zu 0,87 zu erkennen. Diese zeitweilig
erhöhten Pu-Verhältnisse stehen im Zusammenhang mit einer Reinigungsaktion in der Nähe
der schottischen Anlage Dounreay (LEONARD 2010, RIFE 2010).
10°W 5°W 0 5“E 10°E
0.2 0.4 0.6 0.8
Abbildung 4-94: Verteilung der Plutoniumverhält
nisse ( 238 Pu zu (239 + 24o )Pu ) ¡ m Oberflächenwasser
der Nordsee im Jahr 2009.
Figure 4-94 Distribution of the Plutonium ratios
( 238 Pu to f239+240 >Pu) in surface seawater of the North
Sea in 2009.
10°W 5°W 0 5°E 10°E
0.2 0.4 0.6 0.8
Abbildung 4-95: Verteilung der Plutoniumverhält
nisse ( 238 Pu zu (239 + 24o )Pu ) ¡ m Oberflächenwasser
der Nordsee im Jahr 2010.
Figure 4-95: Distribution of the Plutonium ratios
( 2338 Pu to l239+240 >Pu) in surface seawater of the North
Sea in 2010.
Da die Einleitungen der Wiederaufarbeitungsanlagen an Transuranen in den letzten Jahren
glücklicherweise sehr gering geworden sind, lassen sich die hier gefundenen Aktivitätskon
zentrationen nur mit Resuspension aus dem Sediment der Irischen See, aber auch der euro
päischen Kontinentalküste erklären.