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Volltext : 54: Nordseezustand 2008-2011

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Chemie

Versenkungen  radioaktiver  Abfälle  durch  die  ehemalige  UdSSR  in  der  Barents-  und  Karasee,
oder  das  1989  gesunkene  russische  Atom-U-Boot  ,Komsomolets‘  in  etwa  1  700  m  Tiefe  in
der  Norwegensee  führten  zu  keiner  erhöhten  Belastung  dieser  Meeresgebiete  oder  gar  der
Nordsee.
Am  11.  März  2011  kam  es  infolge  eines  Tsunamis  zu  Freisetzungen  künstlicher  Radionuklide
aus  den  Reaktoren  des  japanischen  Kernkraftwerks  Fukushima  Daiichi  auch  in  den  Nordwestpazifik. ­
  Ein  Stromausfall  sorgte  dafür,  dass  das  Kühlwasser  im  Reaktor  nicht  mehr  ausgetauscht ­
  wurde,  was  zur  Überhitzung  der  Brennstäbe  und  einem  Ansteigen  der  Temperatur  im
Reaktordruckbehälter  führte.  Dabei  kam  es  zur  Kernschmelze  und  zu  Wasserstoffexplosionen,
so  dass  künstliche  Radionuklide  in  die  Umwelt  gelangten.  Nach  einem  GAU  geht  die  größte
Gefährdung  zunächst  von  den  flüchtigeren  Elementen  wie  lod  und  Cäsium  aus.  Dabei  sind
die  Isotope 131 1  (Flalbwertszeit  acht  Tage),  133 l  (Flalbwertszeit  20  Stunden),  134 Cs  (Flalbwertszeit
zwei  Jahre)  und  137 Cs  (Flalbwertszeit  30  Jahre)  dosisrelevant.  Das  hohe  Gefährdungspotenzial
dieser  Radionuklide  resultiert  aus  deren  Bedeutung  bei  physiologischen  Prozessen  im  Organismus. ­
  Cäsium  verhält  sich  analog  zu  Kalium,  was  als  wichtigstes  intrazelluläres  Element  an
physiologischen  Prozessen  in  jeder  Zelle  beteiligt  ist  und  lod  reichert  sich  in  der  Schilddrüse
an.  Zur  Freisetzung  und  Verteilung  der  schwer  flüchtigen  Isotope  des  Strontiums,  Urans  und
Plutoniums  bedarf  es  großer  Energiemengen  um  diese  in  die  Troposphäre  zu  transportieren,
wo  der  entscheidende  Teil  des  globalen  Schadstofftransports  stattfindet.  Die  Freisetzungen
aus  dem  Kernkraftwerk  Fukushima  erfolgten  eher  langsam  und  in  niedrigere  Flöhen,  was  für
eine  vielmehr  lokale  Verteilung  der  Radionuklide  sorgte.
Aufgrund  der  zurzeit  der  Reaktorkatastrophe  hauptsächlich  vorherrschenden  westlichen
Winde  wurde  die  Kontamination  vorwiegend  auf  See  transportiert.  Bis  Meerwasser  und  damit
mögliche  Kontaminationen  über  das  globale  „Conveyor  Belt”  den  Atlantik  und  dessen  Randmeere ­
  erreicht,  vergehen  Jahrzehnte  bis  Jahrhunderte.  Durch  diese  weiträumige  Verteilung,
der  daraus  resultierenden  Verdünnung  und  den  Zerfall  der  kurzlebigen  radioaktiven  Stoffe
ist  allenfalls  mit  radiologischen  Auswirkungen  zu  rechnen,  die  nur  Bruchteile  der  hierzulande
herrschenden  natürlichen  Strahlenexposition  ausmachen,  sofern  man  sie  überhaupt  im  Meerwasser ­
  nachweisen  kann  (BUESSELER  et  al.  2012,  GRS  2013).

4.5.3  Caesium-137  und  Strontium-90
137 Cs  und  90 Sr  werden  seit  den  atmosphärischen  Kernwaffenversuchen  in  den  50er-und  60er-Jahren
  des  vorigen  Jahrhunderts  als  die  künstlichen  Radionuklide  angesehen,  deren  Überwachung ­
  aufgrund  der  auftretenden  Umweltkonzentrationen,  ihrer  Radiotoxizität  und  ihrer
chemischen  Eigenschaften  dringend  notwendig  ist.  Messungen  ihrer  Aktivitätskonzentration
im  Meerwasser  wurden  daher  schon  sehr  frühzeitig  begonnen  und  bis  heute  lückenlos  fortgeführt. ­

Die  zeitliche  Entwicklung  der  Aktivitätskonzentration  von  137 Cs  und  90 Sr  seit  1961  ist  in  Abbildung ­
  4-73  für  die  Positionen  der  früheren  Feuerschiffe  ,Elbe  1‘  und  ,Borkumriff 1  dargestellt.
Deutlich  treten  die  hohen  Konzentrationen  von  137 Cs  aus  dem  Fallout  nach  dem  Tschernobyl-Unfall ­
  hervor,  der  sich  im  April  1986  ereignete.  An  der  Position  ,Elbe  1‘  in  der  inneren
Deutschen  Bucht  wurden  längere  Zeit  höhere  Konzentrationen  gemessen  als  an  der  Position
,Borkumriff 1 ,  was  sich  aus  den  höheren  Konzentrationen  des  Abflusswassers  der  Elbe  erklärt.
Fleute  ist  der  Tschernobyl-Fallout  in  der  Deutschen  Bucht  nicht  mehr  nachweisbar.  Lediglich
im  Skagerrak  entlang  der  norwegischen  Küste  lassen  sich  noch  geringe  Spuren  aus  dieser
Quelle  im  Ausstromwasser  der  Ostsee  feststellen.
            
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