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Chemie
4.4
Metalle
Stefan Schmolke
4.4.1
Einführung
Metalle kommen natürlich in der Umwelt vor. Durch Verwitterung, Vulkanismus und Ausga
sungen werden sie im geochemischen Kreislauf mobilisiert. Die natürlichen Elementgehalte
in den verschiedenen Umweltkompartimenten werden als Hintergrundwerte bezeichnet. Der
Nachweis von Metallen in der Umwelt ist somit auf keinen Fall zwangsläufig als Verschmut
zung zu werten. Es gibt zahlreiche essenzielle Elemente wie Eisen oder Zink. Ihre Bioverfüg
barkeit ist innerhalb gewisser Konzentrationsgrenzen Voraussetzung für biologisches Wachs
tum. Organismen sind in der Lage, sich in einer bestimmten Bandbreite an veränderliche
Elementkonzentrationen anzupassen. Wird diese Bandbreite zu höheren Konzentrationen
verlassen, tritt eine toxische Wirkung ein. Andere Elemente wie Quecksilber, Cadmium oder
Blei haben keine bekannte vitale Funktion.
Durch menschliche Aktivitäten gelangen z. T. erhebliche zusätzliche Mengen einzelner Ele
mente in die Umwelt, wodurch die natürlichen Hintergrundkonzentrationen regional deutlich
überschritten werden können. Maßnahmen zur Emissionsminderung führten in den vergan
genen Jahrzehnten jedoch zur kontinuierlichen Abnahme vieler Schadstoffe in Luft, Wasser,
Sediment und Biota (OSPAR 1998).
Generell werden die Metallgehalte des Meerwassers durch die Struktur, Dynamik und Stärke
der Quellen, die großräumige Zirkulation der marinen Wassermassen und die Effizienz ihrer
Senkenprozesse bestimmt. Wesentliche Quellen für das anthropogen verursachte Metall
signal in marinen Ökosystemen sind die Abflüsse kontaminierter Süßwassermassen über die
kontinentalen Flusssysteme, der Schadstofftransport über die Atmosphäre sowie die Wech
selwirkung mit dem Sediment. Weitere Einträge werden durch Offshore-Aktivitäten wie Roh
stofferkundung und Förderung sowie Verklappung von Baggergut verursacht. Dem stehen die
Sedimentation mit ihren komplexen vorgelagerten Gleichgewichten zwischen Schwebstoff,
Biota und Wasserphase und in Ausnahmefällen die Wechselwirkung mit der Atmosphäre als
Schlüsselprozesse zur Entfernung der Metalle aus dem Meer gegenüber.
Im Detail unterscheidet sich das Verhalten der verschiedenen Metalle erheblich. Schon die
Quellmuster und damit die Bedeutung der unterschiedlichen Eintragspfade variieren stark.
Während z. B. menschlich verursachte Bleiemissionen großenteils über die Atmosphäre in
die Nordsee gelangen, wird Kupfer überwiegend über die Flüsse transportiert. Im Wasser
und Sediment wirken sich die unterschiedlichen chemischen Eigenschaften der Elemente auf
deren Wechselwirkung mit dem Schwebstoff, der Biota und dem Sediment aus. Dem zufolge
variiert auch die Bedeutung der unterschiedlichen Senkenprozesse von Element zu Element.
Ein einfacher, konservativer Zusammenhang zwischen Metallkonzentration im Wasserkörper
und dem Transport und der Mischung von Wassermassen unterschiedlicher Herkunft und
Zusammensetzung existiert somit nur in Ausnahmefällen.
Im BSH wurde mit der Überwachung der Metallgehalte im Meerwasser, Schwebstoff und Se
diment in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnen. Sie ist national in
die Überwachungsprogramme des Bund-Länder-Messprogramms (BLMP) und international
in die Monitoringprogramme der Meeresschutzkonventionen für Nordsee (OSPAR) und Ost
see (HELCOM) eingebettet und trägt in Zukunft zur Bewertung des angestrebten „guten Um
weltzustandes“ im Rahmen der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie bei.
Hauptuntersuchungsgebiet ist die Deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ). Das
aktuelle Messprogramm umfasst drei bis vier über das Jahr verteilte Überwachungsfahrten in