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Full text: 54: Nordseezustand 2008-2011

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Chemie 
4.3.6 Neue Schadstoffe 
Tafel 4-7: Perfluorierte Chemikalien 
Perfluorierte organische Säuren (PFC, PFT) werden für zahlreiche Anwendungen in der Industrie und im Konsumentenbereich 
genutzt und in großen Mengen seit den 1950er Jahren hergestellt. Sie werden z. B. für die Oberflächenbehandlung von Texti 
lien, Teppichen und Papier eingesetzt und finden ferner Verwendung in Schmiermitteln, Farben, Polituren, Nahrungsmittelver 
packungen sowie in Feuerbekämpfungsschäumen. Aufgrund ihrer sehr stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindung sind diese Stoffe 
chemisch nahezu inert und zeigen eine große Beständigkeit in der Umwelt. Verwendung finden Carbon- und Sulfonsäuren 
mit Kohlenstoff-Kettenlängen von C 4 bis C 10 . Da die Säuren sowohl eine ionische Gruppe als auch einen lipophilen Rest 
enthalten, besitzen sie Tensid-Eigenschaften (daher auch die Abkürzung: PFT). Die wichtigsten Vertreter der PFC sind die 
Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS). PFOS zeigt eine gewisse Bioakkumulationsfähigkeit und 
weist toxische Eigenschaften auf und wird daher von der OSPAR und der OECD als PBT-Stoff (persistent, bioakkumulierbar 
und toxisch) eingruppiert. 
Seit einer freiwilligen Beschränkung des Hauptproduzenten bzgl. der C 8 -Säuren im Jahre 2002 gewinnen die C 4 -Säuren Per 
fluoroctansäure (PFBA) und Perfluoroctysulfonsäure (PFBS) zunehmend an Bedeutung. 
Strukturformeln der untersuchten PFC: 
F—C—C—C—C—C—C—OH 
I I I I I 
F F F F F 
PFHxA Perfluorhexansäure 
F—C—C—C—C—S—OH 
I I I I II 
F F F F О 
PFBS Perfluorbutansulfonsäure 
PFHpA Perfluorheptansäure 
FFFFFFF о 
I I I I I I I // 
F—С—С—С—С—С—С—С—C 
FFFFFFF OH 
PFOA Perfluoroctansäure 
PFNoA Perfluornonansäure 
FFFFFFFFFO 
I I I I I I I I I II 
F—C—C—C—C—C—C—C—C—C—C—OH 
I I I I I I I I I 
FFFFFFFFF 
PFDeA Perfluordecansäure 
F F F F F F О 
I I I I I I II 
F—C—C—C—C—C—C—S—OH 
I I I I I I II 
F F F F F F О 
PFHxS Perfluorhexansulfonsäure 
FFFFFFFFO 
I I I I I I I I II 
F—C—C—C—C—C—C—C—C—S—OH 
I I I I I I I I II 
FFFFFFFFO 
PFOS Perfluoroctansulfonsäure 
FFFFFFFFO 
I I I I I I I I II 
F—C—C—C—C—C—C—C—C—S—NH 2 
I I I I I I I I II 
FFFFFFFFO 
PFOSA Perfluoroctansulfonamid 
4.3.6.1 PFC-Gehalte des Meerwassers 
Perfluorierte Substanzen (PFC) wurden 2005 in das Routine-Monitoringprogramm des BSH 
aufgenommen. In der Deutschen Bucht konnten alle neun untersuchten PFC nachgewiesen 
werden. Die Konzentrationen der Plauptkomponenten PFOA und PFOS variierten in der Nord 
see im Bereich von 30 pg/L und 8,1 ng/L, wobei ein starker Gradient von den Küsten zur 
offenen See zu beobachten war. Elbe und Rhein/Schelde konnten in der südlichen Nord 
see als deutliche Quellen identifiziert werden. In der Elbe wurden für PFOA und PFOS Werte 
zwischen 0,5 und 9,5 ng/L beobachtet. Als regionale Besonderheit fiel auf, dass die Konzen 
trationen von PFOS aus den Fluss-Ästuaren zur offenen See hin stärker abnahmen als die von 
PFOA. Vor der Rhein/Schelde-Mündung wurden ferner als Besonderheit relativ hohe PFBS- 
Konzentrationen (1,6 ng/L) beobachtet (Abbildung 4-60; Abbildung 4-61).
	        
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