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Volltext : 54: Nordseezustand 2008-2011

Organische  Stoffe

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Mit  Hilfe  dieser  Darstellung  lassen  sich  stoffspezifische  Besonderheiten  relativ  leicht  erkennen. ­
  Abbildung  4-56  macht  aber  auch  deutlich,  dass  für  eine  genaue  Interpretation  prinzipiell
eine  individuelle  Betrachtung  jedes  Einzelstoffes  notwendig  wäre  -  für  eine  solche  Betrachtung ­
  fehlt  hier  jedoch  der  Raum.

4.3.5.2  Zeitliche  Variabilität  und  Trends  der  Herbizidgehalte
Jahreszeitliche  Variabilitä  t
Pestizide  werden  meist  sehr  gezielt  eingesetzt,  sodass  die  Eintragsmengen  und  demzufolge
die  Konzentrationen  des  Wassers  starken  saisonalen  Schwankungen  unterliegen.  Wie  anderswo ­
  gezeigt  (THEOBALD  2013),  weisen  die  verschiedenen  Pestizide  sehr  heterogene  Jahresgänge ­
  und  kein  gemeinsames  Grundmuster  auf,  sondern  resultieren  offenbar  aus  uneinheitlichen ­
  Anwendungszeiten  und  verschieden  hohen  Anwendungsmengen.
Die  raumzeitliche  Variabilität  der  Substanzkonzentrationen  ist  sehr  komplex  und  Konzentrationsänderungen ­
  in  der  Elbe  sind  in  ihrer  Wirkung  auf  die  Stoffverteilung  in  der  Deutschen
Bucht  selten  einfach  nachvollziehbar.
In  Abbildung  4-57  werden  die  jahreszeitlichen  Schwankungen  der  Konzentrationen  der  am
häufigsten  nachgewiesenen  Herbizide  dargestellt.  Diese  werden  für  die  Elbe  und  für  küstennahe ­
  Stationen  (Salzgehalt  <  32)  sowie  für  Stationen  der  offenen  See  (Salzgehalt  >  34)  betrachtet. ­
  Die  Fahrten  wurden  jeweils  in  drei  Quartile  (Q2:  Mai/Jun;  Q3:  Aug./Sep.  und  Q4:  Okt./
Nov.)  zusammengefasst.  In  der  offenen  See  wurden  die  geringsten  Schwankungen  und  die
gleichmäßigste  Verteilung  beobachtet,  was  wegen  der  größeren  Trägheit  dieses  Wasserkörpers ­
  gut  erklärbar  ist.  In  der  Elbe  (STADE)  variierten  dagegen  die  Konzentrationen  sehr  stark
und  die  einzelnen  Herbizide  zeigten  zu  unterschiedlichen  Zeiten  Maximalkonzentrationen.  Für
Bentazon,  Diuron  und  Terbutylazin  wurden  die  höchsten  Konzentrationen  in  Q3  beobachtet,
während  Atrazin,  Metolaclor  und  MCPA  in  Q2  zu  höheren  Werten  tendierten.  Das  Auftreten
dieser  Substanzabhängigen  Maxima  ist  durch  Quellennähe  und  anwendungsspezifische  Einträge ­
  plausibel.  Auf  den  küstennahen  Stationen  scheinen  die  Signale  wesentlich  gedämpfter
und  z.  T.  verzögert.
Langzeittrends
Nach  einer  nun  10-jährigen  Beobachtungsphase  werden  erstmals  langfristige  Trendabschätzungen ­
  durchgeführt.  In  Abbildung  4-58  sind  die  zeitlichen  Verläufe  der  beiden  Triazin-Herbizide ­
  Atrazin  und  Terbutylazin  an  drei  exemplarischen  Stationen  der  Deutschen  Bucht  und  der
Elbe  bei  Stade  aufgeführt.  Während  die  Anwendung  von  Atrazin  seit  ca.  1995  in  Deutschland
und  vielen  EU-Staaten  verboten  ist,  wird  Terbutylazin  noch  weiterhin  verwendet.  In  der  Elbe
ist  seit  Beginn  der  Messungen  ein  deutlicher  Abfall  der  Atrazin-Konzentrationen  zu  beobachten. ­
  In  dem  Zeitraum  von  2001  bis  2007  sind  die  Konzentrationen  von  ca.  80  ng/L  auf  ca.
4  ng/L  gesunken  (Reduktion  95%).  Seit  etwa  2007  stagnieren  die  Werte  im  Bereich  von  3
bis  10  ng/L.  Auf  der  in  der  Elb-Fahne  liegenden  Station  EIDER  ist  ein  ähnlich  abfallender
Trend  zu  beobachten,  hier  sind  die  Konzentrationen  von  7  ng/L  (2001)  auf  1  ng/L  (2011)  gesunken ­
  (Reduktion  86  %).  Ganz  anders  sieht  der  Trend  in  der  äußeren  Deutschen  Bucht  auf
der  Station  ENTE3  aus;  hier  ist  nur  ein  sehr  geringer  Konzentrationsabfall  von  0,7  ng/L  auf
0,55  ng/L  feststellbar  (Reduktion  21  %).  Der  deutliche  Rückgang  der  Atrazin-Konzentrationen
zeigt  einerseits  sehr  gut,  dass  Beschränkungsmaßnahmen  Erfolge  aufweisen;  auf  der  anderen ­
  Seite  zeigen  die  immer  noch  relativ  hohen  Konzentrationen,  dass  persistente  Stoffe  sehr
lang  noch  in  der  Umwelt  zirkulieren  können  und  das  vollständige  Verschwinden  aus  dem
Ökosystem  mehr  als  ein  Jahrzehnt  erfordern  kann.  Im  Gegensatz  zu  Atrazin  ist  bei  Terbutylazin ­
  weder  in  der  Elbe  noch  in  der  Deutschen  Bucht  ein  Rückgang  der  Konzentrationen  zu
beobachten.
            
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