Organische Stoffe
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Mit Hilfe dieser Darstellung lassen sich stoffspezifische Besonderheiten relativ leicht erkennen.
Abbildung 4-56 macht aber auch deutlich, dass für eine genaue Interpretation prinzipiell
eine individuelle Betrachtung jedes Einzelstoffes notwendig wäre - für eine solche Betrachtung
fehlt hier jedoch der Raum.
4.3.5.2 Zeitliche Variabilität und Trends der Herbizidgehalte
Jahreszeitliche Variabilitä t
Pestizide werden meist sehr gezielt eingesetzt, sodass die Eintragsmengen und demzufolge
die Konzentrationen des Wassers starken saisonalen Schwankungen unterliegen. Wie anderswo
gezeigt (THEOBALD 2013), weisen die verschiedenen Pestizide sehr heterogene Jahresgänge
und kein gemeinsames Grundmuster auf, sondern resultieren offenbar aus uneinheitlichen
Anwendungszeiten und verschieden hohen Anwendungsmengen.
Die raumzeitliche Variabilität der Substanzkonzentrationen ist sehr komplex und Konzentrationsänderungen
in der Elbe sind in ihrer Wirkung auf die Stoffverteilung in der Deutschen
Bucht selten einfach nachvollziehbar.
In Abbildung 4-57 werden die jahreszeitlichen Schwankungen der Konzentrationen der am
häufigsten nachgewiesenen Herbizide dargestellt. Diese werden für die Elbe und für küstennahe
Stationen (Salzgehalt < 32) sowie für Stationen der offenen See (Salzgehalt > 34) betrachtet.
Die Fahrten wurden jeweils in drei Quartile (Q2: Mai/Jun; Q3: Aug./Sep. und Q4: Okt./
Nov.) zusammengefasst. In der offenen See wurden die geringsten Schwankungen und die
gleichmäßigste Verteilung beobachtet, was wegen der größeren Trägheit dieses Wasserkörpers
gut erklärbar ist. In der Elbe (STADE) variierten dagegen die Konzentrationen sehr stark
und die einzelnen Herbizide zeigten zu unterschiedlichen Zeiten Maximalkonzentrationen. Für
Bentazon, Diuron und Terbutylazin wurden die höchsten Konzentrationen in Q3 beobachtet,
während Atrazin, Metolaclor und MCPA in Q2 zu höheren Werten tendierten. Das Auftreten
dieser Substanzabhängigen Maxima ist durch Quellennähe und anwendungsspezifische Einträge
plausibel. Auf den küstennahen Stationen scheinen die Signale wesentlich gedämpfter
und z. T. verzögert.
Langzeittrends
Nach einer nun 10-jährigen Beobachtungsphase werden erstmals langfristige Trendabschätzungen
durchgeführt. In Abbildung 4-58 sind die zeitlichen Verläufe der beiden Triazin-Herbizide
Atrazin und Terbutylazin an drei exemplarischen Stationen der Deutschen Bucht und der
Elbe bei Stade aufgeführt. Während die Anwendung von Atrazin seit ca. 1995 in Deutschland
und vielen EU-Staaten verboten ist, wird Terbutylazin noch weiterhin verwendet. In der Elbe
ist seit Beginn der Messungen ein deutlicher Abfall der Atrazin-Konzentrationen zu beobachten.
In dem Zeitraum von 2001 bis 2007 sind die Konzentrationen von ca. 80 ng/L auf ca.
4 ng/L gesunken (Reduktion 95%). Seit etwa 2007 stagnieren die Werte im Bereich von 3
bis 10 ng/L. Auf der in der Elb-Fahne liegenden Station EIDER ist ein ähnlich abfallender
Trend zu beobachten, hier sind die Konzentrationen von 7 ng/L (2001) auf 1 ng/L (2011) gesunken
(Reduktion 86 %). Ganz anders sieht der Trend in der äußeren Deutschen Bucht auf
der Station ENTE3 aus; hier ist nur ein sehr geringer Konzentrationsabfall von 0,7 ng/L auf
0,55 ng/L feststellbar (Reduktion 21 %). Der deutliche Rückgang der Atrazin-Konzentrationen
zeigt einerseits sehr gut, dass Beschränkungsmaßnahmen Erfolge aufweisen; auf der anderen
Seite zeigen die immer noch relativ hohen Konzentrationen, dass persistente Stoffe sehr
lang noch in der Umwelt zirkulieren können und das vollständige Verschwinden aus dem
Ökosystem mehr als ein Jahrzehnt erfordern kann. Im Gegensatz zu Atrazin ist bei Terbutylazin
weder in der Elbe noch in der Deutschen Bucht ein Rückgang der Konzentrationen zu
beobachten.