Ueber Strömungen in den chinesischen Gewässern.
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Ueber Strömungen in den chinesischen Gewässern.
Nach Aufzeichnungen des Kapt. P. A. Polack zusammengestellt. 1 )
Die beiden durch die herrschenden Monsune erzeugten Hauptströmungen
der chinesischen Gewässer, ein Südwest-Strom während des Nordost-Monsuns,
und ein Nordost-Strom während des Südwest-Monsuns, sind in Richtung und
Stärke in erster Reihe natürlich von diesen Winden abhängig, werden jedoch
durch den Verlauf der Küste, durch Inseln und Untiefen vielfach nicht un
bedeutend beeinflufst.
So läuft der Südwest-Strom während des Nordost-Monsuns an der chine
sischen Küste entlang, setzt von Swatau durch das ganze chinesische Meer
bis Pulo Sapata und den Natunas mit ungefähr südwestlichem Kurs, während
er an der Südküste von China nach WSW, an der Ostküste von Cochinchina
nach Süd und SSW und von Kap Padaran an der Saf^ow-Küste entlang bis
Pulo Obi w’ieder nach WSW fliefst, um sich dann quer über den Golf von Siam
zu wenden, während der innere Theil des Golfes von diesem Strome ziemlich
unberührt bleibt. An den Paracels wird der Strom gebrochen, fliefst zum Theil
zwischen denselben hindurch, prallt zum Theil zurück, und bildet einen förm
lichen Wirbelstrom um dieselben.
Bin ähnlicher aber ausgebildeterer und gröfserer Wirbelstrom entsteht
bei dem Kap Padaran, wo ein Theil der anprallenden Wassermassen nach
Süden abgelenkt wird, die eingeleitete Drehung fortsetzt und einen vollständigen
Kreislauf beschreibt.
Dieser Stromwirbel hat in der Richtung nach Süden ungefähr einen
Durchmesser von 180 Sm. Er läuft bis ca 8° N-Br und 109° 20' O-Lg nach
Süd und SSE, kurvt dann nach Osten zwischen 7 bis 8° N-Br und 109° 20'
und 110° O-Lg, nimmt darauf allmählich eine nordöstliche Richtung bis 9° N-Br
und 110° 40'O-Lg an, wird NNE und in 10° 30'N-Br und 111° 20'O-Lg NNW.
Die Geschwindigkeit dieses Stromes beträgt in seinem ENE- und NElichem
Laufe 20 bis 50 Sm per Tag, je nachdem der originale Strom flau oder stark
ist, und je nachdem man sich an der inneren oder äufseren Seite befindet; beim
Umbiegen nach Nord und NW nimmt die Geschwindigkeit ab und beträgt an
der äufseren Seite nur noch ca 15 Sm pro Tag. Bei schwachem Nordost-
Monsun hört auch dieser Gegenstrom oft ganz auf oder läuft in so verschiedenen
Richtungen, dafs er seine Wirbelform ganz verliert.
Der Haupttheil des ursprünglichen Stromes geht jedoch von Kap Padaran
an der Küste entlang weiter nach Pulo Obi, sodann in mehr südlicher Richtung
hinüber nach Singapore, den Natunas und an die Küste von Borneo, wo er
abermals eine Unterbrechung erleidet, infolge deren sich eine rücklaufende
Bewegung und ein schwacher an der Küste von Borneo nach ENE setzender
Strom zeigen. Derselbe zieht sich, vielleicht verstärkt von einem Theil des
Padara» - Wi r bels t r om es in nordöstlicher Richtung bei Palawan vorbei, in NNE-
und Nord-Richtung mit 15 bis 25 Sm Geschwindigkeit pro Tag an der West
küste von Luzon entlang, bis er nördlich dieser Insel mit dem hier von Osten
einsetzenden Strom sich nach Nordwesten wendet und wieder in den ursprüng
lichen Südwest-Strom einbiegt, um den Kreislauf von Neuem zu beginnen.
Der erwähnte zwischen Luzon und Formosa von Osten einsetzende Strom
ist ein Zweig des grofsen Aequatorialstromes, welcher sich nördlich wendend
an der Ostseite der Philippinen und von Fo't'mosa entlang und weiter als japa
nischer Strom oder Kurosiwo nach Japan fliefst, und sich durch seine hohe
Wassertemperatur auszeichnet.
Durch die Strafse von Formosa setzt dagegen der kalte Monsun-Strom
in südwestlicher Richtung und erreicht hier oft eine Geschwindigkeit von 60 Sm
pro Tag. An der Westküste von Formosa äufsert sich jedoch oft ein Gegen
strom nach Nord oder NNE, welcher südlich von den Pescadores beginnt,
!) Siehe Annalen 1889, Seite 332.
Ann. d. Hydr. etc., 1890, Heft I.
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