accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Ueber Strömungen in den chinesischen Gewässern. 
33 
Ueber Strömungen in den chinesischen Gewässern. 
Nach Aufzeichnungen des Kapt. P. A. Polack zusammengestellt. 1 ) 
Die beiden durch die herrschenden Monsune erzeugten Hauptströmungen 
der chinesischen Gewässer, ein Südwest-Strom während des Nordost-Monsuns, 
und ein Nordost-Strom während des Südwest-Monsuns, sind in Richtung und 
Stärke in erster Reihe natürlich von diesen Winden abhängig, werden jedoch 
durch den Verlauf der Küste, durch Inseln und Untiefen vielfach nicht un 
bedeutend beeinflufst. 
So läuft der Südwest-Strom während des Nordost-Monsuns an der chine 
sischen Küste entlang, setzt von Swatau durch das ganze chinesische Meer 
bis Pulo Sapata und den Natunas mit ungefähr südwestlichem Kurs, während 
er an der Südküste von China nach WSW, an der Ostküste von Cochinchina 
nach Süd und SSW und von Kap Padaran an der Saf^ow-Küste entlang bis 
Pulo Obi w’ieder nach WSW fliefst, um sich dann quer über den Golf von Siam 
zu wenden, während der innere Theil des Golfes von diesem Strome ziemlich 
unberührt bleibt. An den Paracels wird der Strom gebrochen, fliefst zum Theil 
zwischen denselben hindurch, prallt zum Theil zurück, und bildet einen förm 
lichen Wirbelstrom um dieselben. 
Bin ähnlicher aber ausgebildeterer und gröfserer Wirbelstrom entsteht 
bei dem Kap Padaran, wo ein Theil der anprallenden Wassermassen nach 
Süden abgelenkt wird, die eingeleitete Drehung fortsetzt und einen vollständigen 
Kreislauf beschreibt. 
Dieser Stromwirbel hat in der Richtung nach Süden ungefähr einen 
Durchmesser von 180 Sm. Er läuft bis ca 8° N-Br und 109° 20' O-Lg nach 
Süd und SSE, kurvt dann nach Osten zwischen 7 bis 8° N-Br und 109° 20' 
und 110° O-Lg, nimmt darauf allmählich eine nordöstliche Richtung bis 9° N-Br 
und 110° 40'O-Lg an, wird NNE und in 10° 30'N-Br und 111° 20'O-Lg NNW. 
Die Geschwindigkeit dieses Stromes beträgt in seinem ENE- und NElichem 
Laufe 20 bis 50 Sm per Tag, je nachdem der originale Strom flau oder stark 
ist, und je nachdem man sich an der inneren oder äufseren Seite befindet; beim 
Umbiegen nach Nord und NW nimmt die Geschwindigkeit ab und beträgt an 
der äufseren Seite nur noch ca 15 Sm pro Tag. Bei schwachem Nordost- 
Monsun hört auch dieser Gegenstrom oft ganz auf oder läuft in so verschiedenen 
Richtungen, dafs er seine Wirbelform ganz verliert. 
Der Haupttheil des ursprünglichen Stromes geht jedoch von Kap Padaran 
an der Küste entlang weiter nach Pulo Obi, sodann in mehr südlicher Richtung 
hinüber nach Singapore, den Natunas und an die Küste von Borneo, wo er 
abermals eine Unterbrechung erleidet, infolge deren sich eine rücklaufende 
Bewegung und ein schwacher an der Küste von Borneo nach ENE setzender 
Strom zeigen. Derselbe zieht sich, vielleicht verstärkt von einem Theil des 
Padara» - Wi r bels t r om es in nordöstlicher Richtung bei Palawan vorbei, in NNE- 
und Nord-Richtung mit 15 bis 25 Sm Geschwindigkeit pro Tag an der West 
küste von Luzon entlang, bis er nördlich dieser Insel mit dem hier von Osten 
einsetzenden Strom sich nach Nordwesten wendet und wieder in den ursprüng 
lichen Südwest-Strom einbiegt, um den Kreislauf von Neuem zu beginnen. 
Der erwähnte zwischen Luzon und Formosa von Osten einsetzende Strom 
ist ein Zweig des grofsen Aequatorialstromes, welcher sich nördlich wendend 
an der Ostseite der Philippinen und von Fo't'mosa entlang und weiter als japa 
nischer Strom oder Kurosiwo nach Japan fliefst, und sich durch seine hohe 
Wassertemperatur auszeichnet. 
Durch die Strafse von Formosa setzt dagegen der kalte Monsun-Strom 
in südwestlicher Richtung und erreicht hier oft eine Geschwindigkeit von 60 Sm 
pro Tag. An der Westküste von Formosa äufsert sich jedoch oft ein Gegen 
strom nach Nord oder NNE, welcher südlich von den Pescadores beginnt, 
!) Siehe Annalen 1889, Seite 332. 
Ann. d. Hydr. etc., 1890, Heft I. 
5
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.