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Full text: 54: Nordseezustand 2008-2011

Organische Stoffe 
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Die räumliche Verteilung der beobachteten Verschmutzungen ist in Abbildung 4-43 dargestellt. 
Die zahlreichen Ölverschmutzungen nördlich der ostfriesischen Inseln sowie im Nordwesten 
der AWZ fallen mit den Hauptfahrwassern zusammen. 
Im Rahmen laufender Strafverfahren wurden im BSH in den Jahren 2008 bis 2011 in insge 
samt 53 Fällen vergleichende Analysen zwischen Proben aus Ölfilmen und von verdächtigten 
Schiffen durchgeführt. Insgesamt wurden dazu 235 Proben untersucht. 
4.3.4.2 Aliphatische Kohlenwasserstoffe - Alkane 
Der Konzentrationsbereich der Summe der Alkane (020 bis 030) lag in den Jahren 2008 
bis 2011 zwischen 6 ng/L in der zentralen Nordsee und 270 ng/L in der Elbe (Stade). In der 
Deutschen Bucht und der Nordsee wurden Werte bis max. 67 ng/L beobachtet, während der 
Medianwert bei nur 10 ng/L lag. Nur bei wenigen Proben oberhalb von 20 ng/L wurden Alkan- 
Muster gefunden, die auf eine Ölverschmutzung zurückzuführen waren. Die Mediankonzen 
trationen einzelner n-Alkane (im Bereich C20 bis C30) lagen in der Deutschen Bucht zwischen 
0,4 und 1,6 ng/L. Die relativ homogene Konzentrationsverteilung und ein mittlerer Carbon 
Preference Index von 2,2 deuten auf eine gewisse Grundbelastung der Nordsee durch Erd 
ölkohlenwasserstoffe hin. Die Summe (C20 bis C30) der Mediankonzentrationen von 10 ng/L 
weist diese chronische Belastung jedoch als relativ gering aus. 
In der Elbe wurde ein alternierendes Verteilungsmuster der Konzentrationsbeiträge der 
n-Alkane mit einer Kettenlänge größer als C20 beobachtet. Die Bevorzugung ungeradzahliger 
Kettenlängen (Maximum bei C29) deutet auf Landpflanzen als Hauptquelle hin; ein zusätz 
licher (petrogener) Öl-Anteil ist jedoch auch hier vorhanden. 
In den Monaten mit starker Primärproduktion (Mai bis August) übertrafen auf einigen Stati 
onen die Konzentrationen von C17 (bis 126 ng/L), C19 (bis 40 ng/L) und vereinzelt auch C15 
(bis 12 ng/L) diejenigen aller anderen Alkane. Diese drei Alkane sind bekannte Stoffwechsel 
produkte von Algen. Die hohen Konzentrationen von C17 und C19 waren dabei vor allem in 
den Küstengewässern der südlichen und östlichen Nordsee zu beobachten. Eine gute Korre 
lation zum Schwebstoffgehalt besteht nicht. 
Aufgrund der hohen Variabilität waren bisher keine zeitlichen Tendenzen in den Konzentra 
tionsverteilungen der Alkane erkennbar. 
Das Überwachungsprogramm des BSH sieht gegenwärtig keine Bestimmung von Alkankon 
zentrationen im Sediment vor, sodass zur Sedimentbelastung durch Ölreste keine Aussagen 
möglich sind. 
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in der Deutschen Bucht eine Grundbelastung 
durch Reste von Erdölkohlenwasserstoffen nachweisbar war. Nur auf wenigen Stationen wur 
den deutlich erhöhte Konzentrationen gemessen (Summe G20 bis G30 >20 ng/L) und ein 
Muster gefunden, das eindeutig auf akute Verschmutzung durch Öl hinweist (GPI <1,2). Alle 
anderen Fälle höherer Alkangehalte waren von Algen verursacht. Von Land wurden zusätz 
lich über die Flüsse weitere biogene Kohlenwasserstoffe eingetragen. Außerhalb von akuten 
Ölverschmutzungen können somit biogene Ouellen einen markanten Beitrag zur Gesamtkon 
zentration aliphatischer Kohlenwasserstoffe leisten. 
Die beobachteten Konzentrationen stellen keine toxikologisch relevante Belastung dar. Die in 
der Öffentlichkeit mit dem Begriff „Ölverschmutzung“ verknüpfte Umweltgefährdung resultiert 
vor allem aus geschlossenen Ölfilmen und den damit verbundenen Folgen; solche Ölfilme 
bilden sich bei den beobachteten Konzentrationen jedoch nicht aus.
	        
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