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Chemie
Die unterschiedlichen Hintergrundbelastungen für die einzelnen Isomere in der Nordsee und
Deutschen Bucht ermöglichen über die Bestimmung der Isomerenverhältnisse Aussagen zu
Quellen und Wassermassen.
Alle drei Isomere werden durch die Elbe eingetragen; diese ist damit eine deutliche Be
lastungsquelle für die Deutsche Bucht. In Abbildung 4-31 sind die Konzentrationsbereiche
der HCH-Isomere im Elbewasser an der Süßwassergrenze (STADE) und im Ästuarbereich bei
Cuxhaven (MEDEM) dargestellt. Der Vergleich mit anderen chlorierten Kohlenwasserstoffen
(CKW) zeigt, dass die HCH in deutlich höheren Konzentrationen vorliegen als die anderen,
mehr lipophilen CKW (s. Kapitel 4.3.3). Durch die Abnahme der a- und -y-HCH Konzentra
tionen in den letzten Jahren haben sich die Isomeren-Verhältnisse in der Elbe deutlich ver
schoben: Inzwischen liegen dort das 7- und das 8-HCH auf einem ähnlichen Niveau; bisher
war das 8-HCH nur von untergeordneter Bedeutung gewesen. Das heißt, das eigentliche In
sektizid Lindan (7-HCH) weist nur noch einen Anteil von 10 bis 15% der Gesamt-HCH Menge
auf, obwohl es das einzige in Europa noch zugelassene Isomer ist. Die technischen Neben
bestandteile a- und ß-HCH liegen auf deutlich höherem Level (ca. Faktor 3). Der Grund hierfür
liegt in noch immer stattfindenden Einträgen aus Altlasten, die vor allem aus dem Mittellauf
der Elbe (Region Saale, Mulde) stammen.
4.3.2.1 HCH-Gehalte des Meerwassers
Räumliche Verteilung der HCH-Isomeren
Die Konzentrationsverteilungen von a-, ß- und -y-HCH (Lindan) in der Deutschen Bucht wie
sen für die 11 Beprobungen des Untersuchungszeitraums eine recht hohe Variabilität auf;
die Variationskoeffizienten lagen in Küstengewässern (Salzgehalt <32) mit einem Bereich von
26 % 7-HCH) bis 76 % (ß-HCH) etwas höher als in der offenen See (33 % bis 43 %). In Ab
bildung 4-32 sind die Mediane und Schwankungsbreiten auf den einzelnen Stationen zusam
menfassend dargestellt. Die Median-Konzentrationen in der inneren Deutschen Bucht lagen
im Untersuchungszeitraum für a-HCH bei 50 pg/L, für ß-HCH bei 67 pg/L, für -y-HCH bei
77 pg/L und für 8-HCH bei 15 pg/L. Zwischen den einzelnen Stationen variieren die Konzen
trationen erheblich.
2008-2011 STADE
2008-2011 MEDEM
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Abbildung 4-31: Konzentrationsverteilung der chlorierten Kohlenwasserstoffe (CKW) in der Elbe bei
Stade und Cuxhaven für den Zeitraum 2008 bis 2011; (Box Plot: der Kasten (Box) umfasst die mittleren
50% der Daten, der Medianwert ist als horizontale Linie dargestellt, die vertikalen Spitzen repräsentie
ren den 1,5 Interquartil-Bereich der unteren bzw. oberen Quartile).
Figure 4-31: Concentration of chlorinated hydrocarbons (CKW) in the river Elbe at Stade and Cuxhaven
from 2008 to 2011; (Box plot: the box represents the middle 50 % of the data; the horizontal line shows
the median; the vertical lines represent the 1.5 interquartil ranges of the lower and upper quartils).