Nährstoffe
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Gesamt-Stickstoff (S = 30) wird bei einer Konzentration von 47,6 pmol/L der Orientierungswert
um mehr als das Doppelte überschritten. Erst in der offenen See (S=34) wird mit 12,8 pmol/L
der Orientierungswert erreicht.
Die im Winter 2011 im küstennahen Bereich (S = 30) ermittelte Phosphatkonzentration
(0,70 pmol/L) weicht nur noch geringfügig von dem angestrebten Orientierungswert ab. Trotz
abnehmender Phosphateinträge über die Flüsse sinken die Phosphatkonzentrationen im See
wasser jedoch nicht weiter sondern liegen seit mindestens 13 Jahren auf einem ähnlichen
Niveau. Anders verhält sich die Konzentration für Gesamtphosphor. Mit 1,86 pmol/L im Winter
2011 liegt der Wert noch 50 % über dem angestrebten guten Zustand.
Die vorliegenden Ergebnisse aus Langzeitbeobachtungen zeigen,
• dass die Maßnahmen zur Reduktion der Nährstofffrachten gegriffen haben. Signifikante
Rückgänge der Nährstofffrachten über die Flüsse in die Deutsche Bucht und der Nährstoff
konzentrationen im Nordseewasser werden beobachtet.
• In Küstennähe liegen die Konzentrationen der Stickstoffverbindungen noch deutlich über
dem angestrebten Orientierungswert.
• Für das lösliche Phosphat wird zwar die angestrebte Konzentration im Küstenbereich er
reicht nicht jedoch für Gesamtphosphor, das auch die unlöslichen partikulären und orga
nischen Bestandteile umfasst.
4.2.5.3 Gesamtbewertung
Eine Gesamtbewertung der Eutrophierungssituation in der Nordsee wird auf nationaler und
internationaler Ebene im Rahmen der von OSPAR entwickelten Common Procedure (OSPAR
Commission; Reference Number 2005-3) durchgeführt. In dieses Bewertungssystem fließen
nicht nur Nährstoffeinträge über die Flüsse und Nährstoffkonzentrationen im Seewasser und
daraus berechnete Redfieldverhältnisse ein, sondern es werden auch direkte (Chlorophyllge
halt, Planktonvorkommen) und indirekte Effekte (Sauerstoffmangelsituationen, Zoobenthos)
berücksichtigt. Die letzte im Jahr 2008 durchgeführte Klassifizierung (OSPAR Commission,
2008) stufte sowohl die deutschen Küstengewässer als auch die mittlere Deutsche Bucht als
„problem area“ ein (siehe Abbildung 4-6). In der äußeren Deutschen Bucht, die als „potential
problem area“ (PPA) eingestuft wurde, liegen zwar die Nährstoffkonzentrationen im Bereich
der Orientierungswerte, es werden aber immer noch Sauerstoffmangelsituationen bzw. er
höhte Chlorophyllgehalte gemessen.
Der gute Zustand für Deskriptor 5 („Eutrophierung“) wird im Rahmen der MSRL (Umsetzung
der MSRL, Artikel 9; 2012) wie folgt formuliert:
„Die vom Menschen verursachte Eutrophierung ist auf ein Minimum reduziert; das be
trifft insbesondere deren negativen Auswirkungen wie Verlust der biologischen Vielfalt,
Verschlechterung des Zustands der Ökosysteme, schädliche Algenblüten sowie Sauer
stoffmangel in den Wasserschichten nahe dem Meeresgrund.“
Zum Erreichen und Erhaltung des guten Umweltzustands gilt daher, die Nährstoffeinträge
über die Flüsse weiter zu reduzieren, ebenso die Nährstoffe über Ferneinträge aus anderen
Meeresgebieten und die N ährstoffeinträge aus der Atmosphäre. Das Problem der sogenann
ten Punktquellen (wie kommunale Abwässer) ist in Deutschland weitestgehend gelöst. Eine
weitere Reduktion der Nährstoffeinträge über diffuse Quellen (Landwirtschaft, Energiewirt
schaft, Verkehr einschließlich Schiffsverkehr) ist jedoch erforderlich (Umsetzung der MSRL,
Artikel 10; 2012).