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Chemie
4.2.4.2 Langzeitliche Nährstoff-Entwicklung in der Deutschen Bucht
Zur Diskussion der langzeitlichen Entwicklung werden für definierte Salzgehalte (S) aus ent
sprechenden Regressionsgeraden Nährstoffkonzentrationen (WEIGELT-KRENZ2013) berech
net, welche charakteristisch für das Küstenwasser (S=30), die eigentliche Deutsche Bucht
(S=33) und die äußere Deutsche Bucht (S=34) sind.
Die Abbildungen 4-20ff. zeigen die langzeitliche Entwicklung der winterlichen Nährstoffkon
zentrationen von 1978/85 bis 2011. Für Phosphat und Silikat sind darüber hinaus Messwerte
aus dem Jahr 1936 angegeben. Zu dieser Zeit war die Bevölkerungsdichte noch geringer und
die Landwirtschaft wurde extensiv betrieben (kaum Einsatz von künstlichem Dünger, keine
intensive Viehhaltung), es gab jedoch keine Klärwerke in den Städten.
Die Konzentration der löslichen anorganischen Stickstoffverbindungen (DIN) im Küstenwasser
unterliegt starken zwischenjährigen Schwankungen, wobei ein leichter Rückgang zu verzeich
nen ist. Seit 2002 werden immer wieder Werte unter 40 pmol/L erreicht. Die Konzentration der
Gesamt-Stickstoffverbindungen (TN), die ca. 30 % über den Werten von DIN liegt, zeigt einen
ähnlichen Verlauf. Im Winter 2011 beträgt die aktuelle DIN-Konzentration 34,6 pmol/L, die Ge
samt-Stickstoffkonzentration erreicht einen Wert von 47,6 pmol/L. Beide Werte liegen noch weit
oberhalb des im Rahmen von OSPAR angestrebten Orientierungswertes (Salzgehalt 28-34,5)
von 11-12 pmol/L (TN = 17-18 pmol/L) (BROCKMANN et al. 2007). Die Nährstoffeinträge über
die Flüsse sind zwar rückläufig, der atmosphärische Eintrag durch Industrie, Offshoreanlagen,
Seeschifffahrt und die ,transboundary effects 1 (grenzüberschreitende Effekte) nehmen jedoch
immer noch zu und beeinflussen die Stickstoffkonzentrationen in der Wassersäule negativ.
Auch in der mittleren Deutschen Bucht (S-33) werden mit DIN=13,7 pmol/L (Orientierungs
wert: 11-12 pmol/L) bzw. TN=21,5 pmol/L (Orientierungswert: 17-18 pmol/L) die Zielwerte
noch nicht erreicht. Im offenen Seebereich (S=34) liegen im Winter 2011 die DIN- bzw. TN-
Konzentrationen bei 6,8 bzw. 12,8 pmol/L und unterschreiten den Orientierungswert für Stick
stoffverbindungen, der den guten Zustand widerspiegelt.
Die lösliche anorganische Phosphatkonzentration (DIP), die zu Beginn der 1990er-Jahre im
Küstenwasser aufgrund der durchgeführten Maßnahmen deutlich zurückging, hat sich in den
vergangenen 13 Jahren im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite kaum verändert. Im
Winter 2011 wird für S=30 ein Wert von 0,70 pmol/L berechnet (Orientierungswert: 0,6 pmol/L;
S=28-34,5), in der mittleren Deutschen Bucht 0,52 pmol/L und in der offenen See 0,45 pmol/L.
Der angestrebte Orientierungswert ist in Küstennähe fast erreicht. In den offenen Seegebieten
liegt für die Phosphorverbindungen der gute Zustand vor.
Die Gesamt-Phosphor-Konzentrationen (TP) schwanken zwischenjährlich sehr stark und er
reichen in den Jahren 2006-2008 vergleichbar hohe Werte zu den Jahren 1989-1993. Das
Verbot phosphathaltiger Waschmittel spiegelt sich zwar deutlich in der langzeitlichen Ab
nahme der DIP-Konzentrationen wider (WEIGELT-KRENZ 2013), nicht jedoch in den Gesamt-
Phosphorkonzentrationen. Die TP-Konzentration im Winter 2011, die vergleichbar ist mit den
Werten von 1995/96, erreicht mit 1,86 pmol/L den im Rahmen von OSPAR angestrebten Ori
entierungswert (1-1,1 pmol/L) nicht. In der mittleren Deutschen Bucht liegen die gemessenen
Konzentrationen mit TP=0,95 pmol/L und in der offenen See mit TP = 0,65 mol/L unter dem
anzustrebenden Orientierungswert.
Der zeitliche Verlauf der Gesamtphosphor- (TP) und Phosphat-Konzentrationen (DIP) verdeut
licht das unterschiedliche Verhalten von TP und löslichem Phosphat im Seewasser. Der Anteil
an löslichem anorganischem Phosphat vom Gesamtphosphor-Gehalt liegt zwischen 40-50 %
mit einer hohen Schwankungsbreite. Der partikuläre und organische Phosphor-Anteil erreicht
entsprechend 50-60% und liegt somit um den Faktor 2 über dem Anteil an partikulären