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Chemie
Die höchsten küstennahen DIN-Konzentrationen werden Anfang Februar 2008 bzw. Januar
2011 vor der nordfriesischen Küste mit 65,4 pmol/L bzw. 68,1 pmol/L gemessen. Diese
Monate waren geprägt durch überdurchschnittlich hohe Oberflächenabflüsse über die Elbe,
mit denen hohe Stickstofffrachten in die Deutsche Bucht transportiert wurden. In der mittleren
Deutschen Bucht werden Werte zwischen 3,2 und 10,7 pmol/L erreicht, während im Enten
schnabel die Konzentrationen bis auf 2,8 pmol/L absinken können.
Die höchsten Gesamt-Stickstoffkonzentrationen liegen im Januar 2011 bei 90,6 pmol/L vor
der schleswig-holsteinischen Küste. Hauptsächlich durch Verdünnungseffekte sind die Kon
zentrationen im Entenschnabel bis auf 8,2 pmol/L abgesunken.
Abbildung 4-13 gibt die Verteilungsstrukturen von DIP (anorganisches lösliches Phosphat) und
TP (Gesamt-Phosphor) wieder. Die höchsten Phosphatkonzentrationen sind ebenfalls in den
nord- und ostfriesischen Küstenbereichen zu beobachten. Im Gegensatz zu DIN wird Phos
phat jedoch kaum noch über die Flüsse eingetragen. Aufgrund des Verbots phosphathaltiger
Waschmittel und des Ausbaus von Kläranlagen sind die Phosphateinträge um ca. 80% ge
sunken (siehe Kapitel 4.2.2). Da sich jedoch Phosphat in den Sommermonaten als Eisen(lll)-
komplex im Wattenbereich anreichert und bei Sauerstoffmangel als lösliches Eisen(ll)phos-
phat wieder in das Meerwasser freigesetzt wird, führt dies im Herbst und Winter zu erhöhten
Konzentrationen im küstennahen Bereich.
Die höchsten Phosphatkonzentrationen werden im Winter 2009 vor Amrum mit 1,38 pmol/L
gemessen, während die Phosphat-Konzentrationen in den Jahren 2008, 2010 und 2011 zwi
schen 0,70 und 1,10 pmol/L liegen. Auch die pH-Werte, die im Winter 2009 mit 7,96-8,01
niedriger als in den Vergleichsjahren sind, deuten auf eine ungewöhnliche Situation hin (siehe
Abbildung 4-11). Niedrigere pH-Werte beeinflussen die Löslichkeit der Phosphorkomplexe
und führen somit zu höheren Phosphatkonzentrationen in der Wassersäule.
Die Verteilung der Gesamt-Phosphor-Konzentrationen ist nicht grundsätzlich mit DIP zu ver
gleichen. Gesamt-Phosphor setzt sich aus anorganischen, organischen, gelösten und par
tikulären Bestandteilen zusammen, wobei der partikuläre Phosphatanteil stark variiert. Bei
Sturmereignissen ist der Schwebstoffanteil und somit auch der partikuläre Phosphoranteil in
der Wassersäule höher und wird bei der Bestimmung von Gesamt-Phosphor mit erfasst. Lie
gen ruhigere Wetterverhältnisse vor, lagert sich ein Teil der partikulären Bestandteile am Mee
resboden ab und führt zu einem Rückgang des Gesamt-Phosphoranteils in der Wassersäule.
Ungewöhnlich hohe Gesamt-Phosphorkonzentrationen werden im Februar 2008 an der Sta
tion HELGO gemessen. Auch die Stationen URST5 und NEFB weisen mit 6,3 bzw. 4,3 pmol/L
in diesen Bereichen vergleichsweise hohe Werte auf.