Einführung
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4.1 Einführung
Sieglinde Weigelt-Krenz, Norbert Theobald
Der Stoffhaushalt im Meer wird einerseits durch natürliche Prozesse und Gleichgewichte
bestimmt, wird aber auch durch menschliche Aktivitäten wie Landwirtschaft, Industrie und
Verkehr belastet. Eine zunehmende Nutzung der Meere durch steigenden Schiffsverkehr
und neue marine Industrien wie Offshore-Windenergie und Öl-/Gasförderung führen zu einer
zusätzlichen Belastung des marinen Ökosystems.
Viele der freigesetzten und in die Nordsee gelangenden Elemente und Verbindungen werden
nur schwer abgebaut. Sie lagern sich am Sediment an oder werden nur langsam aus der
marinen Umwelt entfernt. Diese Stoffe können aber auch in marinen Lebewesen angereichert
werden und potenzieren sich durch Akkumulationsprozesse in der marinen Nahrungskette.
In der 2008 verabschiedeten EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) wird ein erstre
benswerter guter Umweltzustand formuliert, der durch die Entwicklung geeigneter Strate
gien und Maßnahmen erreicht werden soll. Wesentliche Grundlage und Voraussetzung für
die Definition und Überprüfung dieser Ziele sind langzeitlich erhobene hydrographische und
chemische Daten, die vom BSH routinemäßig im Rahmen der Meeresumweltüberwachung
erhoben werden. Die Beprobung des Meerwassers und des Meeresbodens (Sediment) erfolgt
dabei an festen geographischen Positionen eines Stationsnetzes, welches 2004 erweitert und
vereinheitlicht wurde (Abbildung 4-1). Die in den Jahren 2008 bis 2011 durchgeführten Über
wachungsfahrten und dabei erhobenen Datensätze zur Charakterisierung und Bewertung des
chemischen Zustands sind in Tabelle 4-1 zusammengestellt.