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Meeresphysik
3.6 Salzgehalt
H. Klein, A. Frohse & A. Schulz
3.6.1 Einführung
Der Salzgehalt der Nordsee ist abhängig vom Einstrom salzreichen Atlantischen Wassers
(AW) mit Salzgehalten über 35 (Practical Salinity Units) aus Nordwest, sowie von salzarmen
Wassermassen im Osten. Salzgehalte unter 34 markieren den Einflussbereich des Baltischen
Ausstroms über der Norwegischen Rinne und im Skagerrak, sowie den der kontinentalen
Festlandsabflüsse, dieses Wasser wird im Folgenden als Küstenwasser (KW) bezeichnet. Der
Süßwassereintrag durch Niederschlag über der Nordsee wird weitgehend durch Verdunstung
kompensiert.
Ausgeprägte Salzgehaltsschichtungen treten in der Nordsee in den Mündungsgebieten der
großen Flüsse und in den vom Brackwassereintrag des baltischen Ausstroms beeinflussten
Bereichen auf. Im Sommer ist die Bodenwasserschicht durch die saisonale Thermokline von
der Deckschicht entkoppelt, sodass nicht nur die winterlichen Bodenwassertemperaturen
sondern auch die bodennahen Salzgehaltsbedingungen bis in den Sommer nur geringen Än
derungen unterworfen sind. Im Winter dokumentieren nahezu identische Verteilungen in der
boden- und oberflächennahen Schicht die vertikale Durchmischung der Nordsee.
Diskutiert werden die beobachteten geographischen Salzgehaltsverteilungen für den Sommer
und Winter der Jahre 2008-2011 und die Jahresgänge der Süßwasserabflüsse der Elbe und
des Salzgehalts bei Flelgoland Reede. Zur Beschreibung der Methoden und Datengrundlage
siehe LOEWE et al. (2013).
3.6.2 Salzgehaltsverteilungen
2008 (Abbildung 3-35 und 3-36): Im Winter 2008 drang das AW (S > 35) in der Boden- und
Oberflächenschicht bis 56° N nach Süden vor, wobei das Band des salzärmeren KW (S < 34)
im Vergleich zur Sommerverteilung relativ dich an der norwegischen Küste lag. Für den Be
reich der südwestlichen Nordsee liegen keine Winterdaten vor.
Im Sommer erstreckte sich die 35er-lsohaline am Boden etwa parallel zum 57. Breitengrad
von der britischen bis zur norwegischen Küste. Wasser mit S > 35.35 drang am Boden auf
breiter Front bis 58° N vor nahm ein deutlich größeres Volumen ein als im Vorjahr. An der
Oberfläche deckte der Bereich mit AW nur das Gebiet nördlich von 57° N und westlich des
Nullmeridians ab. Insgesamt stiegen in der nördlichen Nordsee die Salzgehalte in der Ober
flächen- und Bodenschicht im Vergleich zum Vorjahr leicht an, während der südliche Teil der
Nordsee eine leichte Abnahme des Salzgehaltes verzeichnete. Der Gesamt-Salzinhalt der
Nordsee lag mit 1.146 x 10 12 1 leicht über dem des Vorjahres und 0.6 Standardabweichungen
über dem Mittelwert der Referenzperiode 2000-2010 (siehe Tabelle 3-6 und Abbildung 3-43).
Die Salzgehaltsschnitte nördlich von 57° N (Abbildung 3-43) zeigen eine deutliche Schichtung
zwischen dem sich bis nach 2° E nach Westen erstreckenden KW und dem Nordseewasser.
Auf dem 57° N-Schnitt liegt das KW sehr dicht an der Dänischen Küste mit einigen kleinen
Einschüben von Wassermassen < 34 zwischen 3.5° und 5° E.
2009 (Abbildung 3-37 und 3-38): Im Winter 2009 drang das AW in der gesamten Wassersäule
bis 55° N nach Süden vor, gleichzeitig lag auch im Einstrombereich des Englischen Kanals
eine große Linse atlantischen Wassers.