Temperatur
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Komplementäre Anomalien im Winter und Sommer führten zu einer erheblichen Verstärkung
des Jahresgangs (Abbildung 3-79); die Amplitude der Nordseetemperatur (Aug. minus Feb.)
war mit 10.9 K die dritthöchste nach 1997 (11.8 K) und 2003 (11.4 K). Mit 10.1 °C (0.3 K,
0.6 StdDev, Rang 24) war 2010 das kälteste Jahr seit 1996 (9.4 °C). Der Temperatursturz
gegenüber dem extremen Temperaturplateau der 1. Dekade des neuen Jahrtausends stellt
sich als Rücksprung auf das moderate Warmregime der 1990er Jahre dar (Abbildung 3-24),
welches 2013 noch andauerte.
3.5.2.5 2011
Die Nordseetemperatur hatte bereits zum Jahreswechsel ihren saisonalen Tiefststand erreicht
(Abbildung 3-19), auf dem sie im Winter (5.6 °C, -0.4 K, Rang 31 (-11)) stagnierte. Auf diesem
Niveau war der Januar (-0.9 K) der viertkälteste, während Februar und März dem Klimanormal
entsprachen. Die Seitwärtsentwicklung der Temperatur ging mit einer insgesamt gewöhn
lichen WSW-Anströmung einher, die allerdings nur selten Sturmstärke erreichte (Kapitel 2.2.5).
Die Luftdruckverteilung im April reflektierte das Sommermuster eines stark positiven NAO-
Zustands (2.32). Bei anomal hohem Druck über der Nordsee und saisonal fortgeschrittenem
Sonnenstand bildete sich eine beckenweite, kräftige Warmanomalie aus (Abbildung 3-23),
die den April mit 7.6 °C (1.0 K) zum viertwärmsten machte. Der Anstieg der Nordseetempe
ratur gegenüber der des Vormonats fiel mit 2.0 К nicht nur doppelt so hoch wie normal aus,
sondern überbot den Rekordsprung (1.5 K) von 2009 und 2010 nochmals deutlich. Nach
moderater Verstärkung im Mai kam es in wechselhafter Juniwitterung zu einem spürbaren
Rückbau der Warmanomalie (Abbildung 3-23), so dass das Klimanormal nur noch um 0.5 К
überschritten wurde. Insgesamt war das Frühjahr erheblich zu warm (10.2 °C, 0.9 K, Rang 7).
Die NAO befand sich im JJA-Quartal in einem äußerst negativen Phasenzustand (-2.06). Der
damit verbundene zyklonale Witterungscharakter, der im Juni eingesetzt hatte, dauerte in
den Flochsommermonaten weiter an. Die saisonale Entwicklung der Nordseetemperatur voll
zog sich dabei auf einem gegenüber der Klimatologie um etwa 0.5 К höheren Niveau (Ab
bildung 3-19). Die gleiche Abweichung ergibt sich für die Sommertemperatur (JAS), die mit
14.9 °C einen unauffälligen 18. Rang belegte.
Die kräftige WSW-Anströmung im Herbst gliederte sich in drei sehr richtungsstabile Phasen,
die etwa 3 (W), 4 (S) und 5 (W) Wochen andauerten und deren Übergänge sich durch mar
kante Windsprünge von W auf S und zurück auf W auszeichneten. Das W-Windregime, das
Ende November mit einer Sturmballung einsetzte, behielt seinen stürmischen Charakter im
Dezember bei, als der positive Mode der NAO die Rekordhöhe von 2.65 erreichte. Bereits im
Oktober erfasste die Warmanomalie wieder das gesamte Nordseebecken (Abbildung 3-23). In
der anschließenden S-Anströmung fielen die Abkühlungsraten weiter zu gering aus, so dass
sich die Anomalie im November nochmals verstärkte und die Nordseetemperatur um 1.4 К
(2.8 StdAbw, Rang 3) über dem Mittel zu liegen kam (Abbildung 3-19). Obgleich sich dieses
hohe Niveau im Dezember nicht halten ließ, erwies sich das Herbstquartal mit 10.9 °C (1.1 K,
2.7 StdAbw) als das drittwärmste im Zeitraum 1969-2013.
Die Jahresmitteltemperatur nahm mit 10.2 °C (0.4 K) Rang 21 ein. Sie lag damit gleichauf mit
denen von 1973 und 1988 und marginal über der des Vorjahres (Abbildung 3-24).