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Full text: 54: Nordseezustand 2008-2011

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Meeresphysik 
Die seit April andauernde Warmanomalie verstärkte sich in den wechselhaften Sommermo 
naten nur geringfügig und fluktuierte ebenso wenig um ein mittleres Niveau von 1.1 K (Abbil 
dung 3-19). Mittlere Höhe (15.4 °C) und Rang (9) der Nordseetemperatur stimmten im Som 
mer mit denen des Vorjahres überein. 
Im Oktober kam es unter Hochdruckeinfluss zu einer Abschwächung der Warmanomalie, die 
jedoch bereits im November durch unterdurchschnittliche Abkühlungsraten bei massiver SW- 
Anströmung rückgängig gemacht wurde (Abbildung 3-21). Wie 1999 und 2003 belegte die 
Nordseetemperatur im Herbst mit 10.8 °C (1.0 K) den 5. Rang. 
Mit 10.6 °C (0.7 K) lag die Jahresmitteltemperatur auf Rang 9, gleichauf mit denen von 1989 
und 1995 (Abbildung 3-24). 
3.5.2.4 2010 
Die Nordatlantische Oszillation befand sich im DJFM-Tertial im negativsten Zustand seit 1899, 
welcher sich über der Nordsee in einer beispiellos geringen Sturmfrequenz (4) und einem 
schwachen SE-lichen Zustrom kontinentaler Kaltluft manifestierte (Kapitel 2.2.4). Im Einklang 
damit traten die stärksten Temperaturanomalien von -1 К bis -1.5 К in der südlichen und 
östlichen Nordsee auf; entlang der dänischen Küste und im Skagerrak war das Oberflächen 
wasser sogar um mehr als -2 К zu kalt (Abbildung 3-22). Die Wintertemperatur (JFM) der 
Nordsee war zwar mit 5.5 °C die kälteste seit 1996 (5.1 °C), lag jedoch deutlich über dem 
Rekordminimum von 1979 (4.5 °C) und lediglich - 0.5 К (-0.6 StdAbw, Rang 36 resp. -8) unter 
dem Klimamittel. 
Das WE-Gefälle des geographischen Anomalieverteilungsmusters schwächte sich im April 
unter Hochdruckeinfluss ab, verschärfte sich jedoch anschließend in einem nördlichen An 
strömungsfeld, das auch im Juni noch fortbestand (Abbildung 3-22). Diese räumlichen Ge 
gensätze kompensierten sich im Mittel in jedem der Frühjahrsmonate (Abbildung 3-19). Die 
Nordseetemperatur des AMJ-Quartals betrug 9.3 °C (0.1 K, Rang 22) und entsprach damit 
(fast) dem Klimanormal. 
Im Juli stand die SE-liche Nordseeperipherie unter dem Einfluss eines russischen Omega 
blocks, der hier eine Inversion der Temperaturanomalien herbeiführte (Abbildung 3-22). Der 
nachrückende Höhentrog und die an die starke Tiefdruckaktivität gekoppelte unbeständige 
Witterung führten im weiteren Verlauf des Sommers gleichzeitig zu einer Abschwächung der 
Temperaturanomalien im Süden und zu einer verstärkten Erwärmung der nördlichen See 
gebiete. Die Nordseetemperatur lag im JAS-Quartal mit 15.2 °C (Rang 15) um 0.8 К über dem 
Klimamittel. Die entsprechenden Monatsanomalien schwankten nur geringfügig um dieses 
Niveau. 
Das im Oktober noch schwach ausgeprägte E-Muster des Luftdruckanomaliefeldes verstär 
kte sich bis Dezember drastisch, als die Nordatlantische Oszillation mit -3.56 ihren Nega 
tivrekord vom Vorjahresdezember unterbot. Parallel dazu beschleunigte sich der Abbau des 
Wärmeüberschusses der Nordsee so weit, dass die mittlere Abkühlungsrate von Novem 
ber auf Dezember einen neuen Rekordstand von -2.9 К erreichte und zur Ausbildung einer 
großräumigen Kaltanomalie führte (Abbildung 3-22). Die Nordseetemperatur fiel dabei auf 
den zweittiefsten Stand vom Dez. 1973 (7.0 °C, -0.9 K, Rang 43 (-2)), der nur 1981 (6.5 °C) 
unterschritten wurde. Für das Herbstquartal ergibt sich die Normaltemperatur 9.8 °C und 
Rang 31 (-12).
	        
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