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Meeresphysik
Die seit April andauernde Warmanomalie verstärkte sich in den wechselhaften Sommermo
naten nur geringfügig und fluktuierte ebenso wenig um ein mittleres Niveau von 1.1 K (Abbil
dung 3-19). Mittlere Höhe (15.4 °C) und Rang (9) der Nordseetemperatur stimmten im Som
mer mit denen des Vorjahres überein.
Im Oktober kam es unter Hochdruckeinfluss zu einer Abschwächung der Warmanomalie, die
jedoch bereits im November durch unterdurchschnittliche Abkühlungsraten bei massiver SW-
Anströmung rückgängig gemacht wurde (Abbildung 3-21). Wie 1999 und 2003 belegte die
Nordseetemperatur im Herbst mit 10.8 °C (1.0 K) den 5. Rang.
Mit 10.6 °C (0.7 K) lag die Jahresmitteltemperatur auf Rang 9, gleichauf mit denen von 1989
und 1995 (Abbildung 3-24).
3.5.2.4 2010
Die Nordatlantische Oszillation befand sich im DJFM-Tertial im negativsten Zustand seit 1899,
welcher sich über der Nordsee in einer beispiellos geringen Sturmfrequenz (4) und einem
schwachen SE-lichen Zustrom kontinentaler Kaltluft manifestierte (Kapitel 2.2.4). Im Einklang
damit traten die stärksten Temperaturanomalien von -1 К bis -1.5 К in der südlichen und
östlichen Nordsee auf; entlang der dänischen Küste und im Skagerrak war das Oberflächen
wasser sogar um mehr als -2 К zu kalt (Abbildung 3-22). Die Wintertemperatur (JFM) der
Nordsee war zwar mit 5.5 °C die kälteste seit 1996 (5.1 °C), lag jedoch deutlich über dem
Rekordminimum von 1979 (4.5 °C) und lediglich - 0.5 К (-0.6 StdAbw, Rang 36 resp. -8) unter
dem Klimamittel.
Das WE-Gefälle des geographischen Anomalieverteilungsmusters schwächte sich im April
unter Hochdruckeinfluss ab, verschärfte sich jedoch anschließend in einem nördlichen An
strömungsfeld, das auch im Juni noch fortbestand (Abbildung 3-22). Diese räumlichen Ge
gensätze kompensierten sich im Mittel in jedem der Frühjahrsmonate (Abbildung 3-19). Die
Nordseetemperatur des AMJ-Quartals betrug 9.3 °C (0.1 K, Rang 22) und entsprach damit
(fast) dem Klimanormal.
Im Juli stand die SE-liche Nordseeperipherie unter dem Einfluss eines russischen Omega
blocks, der hier eine Inversion der Temperaturanomalien herbeiführte (Abbildung 3-22). Der
nachrückende Höhentrog und die an die starke Tiefdruckaktivität gekoppelte unbeständige
Witterung führten im weiteren Verlauf des Sommers gleichzeitig zu einer Abschwächung der
Temperaturanomalien im Süden und zu einer verstärkten Erwärmung der nördlichen See
gebiete. Die Nordseetemperatur lag im JAS-Quartal mit 15.2 °C (Rang 15) um 0.8 К über dem
Klimamittel. Die entsprechenden Monatsanomalien schwankten nur geringfügig um dieses
Niveau.
Das im Oktober noch schwach ausgeprägte E-Muster des Luftdruckanomaliefeldes verstär
kte sich bis Dezember drastisch, als die Nordatlantische Oszillation mit -3.56 ihren Nega
tivrekord vom Vorjahresdezember unterbot. Parallel dazu beschleunigte sich der Abbau des
Wärmeüberschusses der Nordsee so weit, dass die mittlere Abkühlungsrate von Novem
ber auf Dezember einen neuen Rekordstand von -2.9 К erreichte und zur Ausbildung einer
großräumigen Kaltanomalie führte (Abbildung 3-22). Die Nordseetemperatur fiel dabei auf
den zweittiefsten Stand vom Dez. 1973 (7.0 °C, -0.9 K, Rang 43 (-2)), der nur 1981 (6.5 °C)
unterschritten wurde. Für das Herbstquartal ergibt sich die Normaltemperatur 9.8 °C und
Rang 31 (-12).