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Meeresphysik
Aus stündlichen Pegelständen lassen sich aussagekräftige Monatsmittelwerte berechnen.
Sie enthalten nur noch sehr kleine Gezeitenanteile und die Variabilität des Wetters tritt deut
lich hervor (Abbildung 3-18). Monate mit ausgeprägter Westwindlage sind ebenso auszuma
chen wie langanhaltende Hochdruckwetterlagen. Um aus diesen Schwankungen langjährige
Trends abzuleiten, wurde zur Sichtbarmachung des Einflusses einer dekadischen Variabilität
des Klimas auf die Wasserstände ein Filterverfahren verwendet, wie es für Pegeldaten im Rah
men der Wasserstandsvorhersage angewendet wird (MÜLLER-NAVARRA 2009b). Danach ist
der relative mittlere Meeresspiegel in Cuxhaven von Anfang 1918 bis Ende 2013 um ca. 20 cm
angestiegen (0,017 cm/Monat). Fünf Jahre weitergerechnet, um ein ganzes Jahrhundert zu
bekommen, wären es dann 20,4 cm. Davon entfallen etwa 40% auf lokale isostatische Effekte
(BUNGENSTOCK & SCHÄFER 2009). Betrachtet man willkürlich kürzere Zeiträume - z. B. von
1961 bis 1990 - so ergeben sich zeitweise größere Anstiegsraten. Wie die hellblaue Kurve der
finiten zweiten Differenzen der Monatsmittelwerte in Abbildung 3-18 deutlich zeigt, wechseln
kurze Zeiten eines beschleunigten Anstiegs mit Zeiten eines gebremsten Anstiegs ab. Insge
samt ergeben sich keine Anzeichen eines länger anhaltenden beschleunigten Meeresspiegel
anstiegs am Pegel Cuxhaven, auch nicht in den letzten Dekaden.
3.4.5 Windstaustatistiken und Häufigkeit von Sturmfluten
Durch Windeinfluss können Wasserstandsänderungen von der gleichen Größenordnung wie
des Gezeitenhubes erzeugt werden (MÜLLER-NAVARRA & GIESE 1999). Als Windstau wird
die Differenz zwischen der astronomisch vorausberechneten Hoch- bzw. Niedrigwasserhöhe
und den zugehörigen Scheitelwerten der gemessenen Wasserstandskurve definiert.
Windstaustatistiken bieten die Möglichkeit, einen Zusammenhang zu den vorherrschenden
Wetterverhältnissen der einzelnen Jahre herzustellen. Ruhige oder windreiche Jahre bilden
sich ohne weiteres auch in den Windstaumittelwerten ab (MÜLLER-NAVARRA et al. 2013b).
Überwiegend weichen die Wasserstände im Betrage um weniger als 50 cm von den astro
nomisch vorausberechneten HW- und NW-Höhen ab (Tabelle 3-3). Nur sehr selten tritt ein
Windstaubetrag von mehr als 1,5 m auf.
Frequency distribution of wind set-up for 2008 to 2011 at tide gauge Cuxhaven
Cuxhaven
2008
2009
2010
2011
Wind Set-up [cm]
HW
LW
HW
LW
HW
LW
HW
LW
ДН <
-200
0
0
0
0
0
0
0
0
- 200 < ДН <
- 150
0
0
0
0
0
0
0
0
- 150 < ДН <
- 100
7
5
6
0
8
4
3
2
- 100 < ДН <
-50
19
17
26
18
39
43
27
29
- 50 < ДН <
50
622
594
643
626
622
608
615
591
50 < ДН <
100
45
66
26
49
32
45
46
69
100 < ДН <
150
13
20
2
11
4
3
8
8
150 < ДН <
200
0
4
2
0
0
1
6
6
200 < ДН
1
2
0
1
1
1
0
0
Total
707
708
705
705
706
705
705
705
Tabelle 3-3: Häufigkeitsverteilungen des Windstaus 2008 bis 2011 am Pegel Cuxhaven.
Table 3-3: Frequency distribution of wind set-up for 2008 to 2011 at tide gauge Cuxhaven.