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Meeresphysik
Im Sommerhalbjahr kommt es bei allgemein schwächerem Wind und Seegang häufiger zu
variablen, regional unterschiedlichen Richtungsmustern, wie z. B. in Sommer 2008 (Abbil
dung 3-13) und Frühjahr 2009 (Abbildung 3-14) mit verbreitet südöstlichen Komponenten.
Die mittlere Wellenhöhe betreffend ist das Jahr 2009 als durchschnittlich und 2010 als be
sonders ruhig zu bezeichnen. Ein Grund dafür ist sicher die im Mittel meist geringere Intensi
tät der südlichen bis östlichen Windlagen. Außerdem wächst dadurch die Seegangsenergie
ausgehend von den südöstlichen Küsten von Null an, es „fehlt“ die im Norden vom Atlantik
einlaufende Energie. Im Winter 2008 und im Herbst 2008 und 2011 dagegen war der See
gang deutlich höher als gewöhnlich. In den Abbildungen 3-13 bis 3-76 sind zum Vergleich die
Abweichungen der mittleren Wellenhöhe von langjährigen Mittelwerten des entsprechenden
Quartals durch Isohypsen verdeutlicht (Beschriftung in dm). Der Mittelungszeitraum beträgt
12 Jahre von 2000-2011, die hier betrachteten Jahre eingeschlossen. Die Abweichungen
betragen +3 bis +5 dm in der nördlichen Nordsee, nördlich und westlich der Shetland Inseln
im Atlantik sogar bis +7 dm (OND 2011). Im Gegensatz dazu war die mittlere Wellenhöhe im
Winter 2010 etwa 3 bis 5 dm niedriger als im Mittel. In den Sommerhalbjahren sind die Ab
weichungen vom Mittelwert wesentlich geringer, meist nur zwischen -1 und +1 dm, wegen
generell niedrigerer Windintensität und Seegangshöhen.
3.3.2 Langzeitstatistik von einzelnen Positionen
Die statistische Variabilität, langfristige Veränderungen und Trends werden erst in möglichst
langen, homogenen Zeitreihen deutlich.
Der mit dem Seegangsmodell des DWD erzeugte Datensatz beginnt mit dem Jahr 2000 und
ist lückenlos und homogen, d. h. es gab keine gravierenden Modelländerungen und damit
keine künstlichen, unphysikalischen Einflüsse auf die Ergebnisse. Für den zwölfjährigen Zeit
raum von 2000 bis 2011 wurden für vier Positionen in der Nordsee die jährlichen Mittelwerte,
P 90 -Zentile und die Maxima der signifikanten Wellenhöhe zusammen gestellt (Abbildung 3-17).
Zur geographischen Lage der ausgewählten Stationen in der südlichen, zentralen und nörd
lichen Nordsee vgl. Abbildung 3-13.
Die Jahre 2009 und besonders 2010 weisen in dieser Zeitreihe relativ niedrige statistische
Maßzahlen auf. An der Station Brent in der nördlichen Nordsee, die stärker als die südlicher
gelegenen vom Seegang des Atlantik beeinflusst ist, sind die Werte nur für 2010 deutlich ver
mindert. An allen Positionen zeigen die zwischenjährlichen Änderungen der Mittelwerte und
P 90 -Zentile einen ähnlichen zeitlichen Verlauf, während das Niveau dieser Parameter bei den
nördlichen Stationen fast doppelt so hoch liegt wie bei den südlichen. Dies entspricht dem
charakteristischen Muster der Seegangsverteilung in der Nordsee bei gleichzeitig hoher zwi
schenjährlicher Variabilität. Diese ist im P 90 -Zentil naturgemäß größer als im Mittelwert, da es
ein Maß für hohen Seegang darstellt und damit die Sturmintensität wiederspiegelt.
Die statistischen Kennzahlen Mittelwert und P 90 -Zentil zeigen keinen signifikanten Trend. Der
Zeitraum von 2000-2011 ist jedoch zu kurz, um auf mögliche langfristige Änderungen des
Seegangsklimas zu schließen. Bei den jährlichen Maxima, die Einzelereignisse sind, treten
von Jahr zu Jahr besonders große Schwankungen auf. Die Werte sind naturgemäß wieder in
der nördlichen Nordsee höher, eine Ähnlichkeit der zeitlichen Abfolge ist aber nicht erkennbar.
Stürme, die extreme Wellenhöhen erzeugen, erfassen meist nicht die ganze Nordsee und
wirken sich regional unterschiedlich aus. In dem betrachteten Zeitraum scheint eine Tendenz
zu abnehmenden Extremwerten zu bestehen, mit Ausnahme für die Station Brent, die reprä
sentativ für die nördliche Nordsee ist. Dort traten die größten signifikanten Wellenhöhen der
letzten vier Jahre auf in einem SE-Sturm vom 04.-05.01.2008 mit Windstärken von 25 m/s