Seegang
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3.3 Seegang
D. Schräder
Seegang ist der durch Windenergie erzeugte Schwingungszustand der Meeresoberfläche. Er
setzt sich aus Windsee und Dünung zusammen.
Die Wellenhöhen der Windsee sind abhängig von der Windstärke, der Wirkdauer des Windes
und der Windstreichlänge (Strecke, über die der Wind auf die Meeresoberfläche wirkt; engl.
„Fetch“). Dünung ist „alter“ Seegang aus entfernten Sturmgebieten, der sich über große
Distanzen unabhängig vom lokalen Wind ausbreitet. Dünungswellen sind im Gegensatz zur
Windsee abgerundet und können im Atlantik Wellenlängen von mehr als 200 m erreichen. Als
Maß für die Stärke des Seegangs wird die signifikante oder auch kennzeichnende Wellenhöhe
(SWH) verwendet, die als mittlere Wellenhöhe des oberen Drittels der Wellenhöhenverteilung
definiert ist. Im Unterschied zu Strömungsrichtungen bezeichnen Richtungsangaben für Wind
und Seegang deren Herkunft.
Die Datenbasis für die in diesem Abschnitt dargestellten Ergebnisse bilden Seegangsdaten,
die mit dem operationeilen Wellenvorhersagemodell „WAM“ (WAMDI Group 1988) des Deut
schen Wetterdienstes (DWD) generiert wurden. Die Güte dieser Daten wurde im Zustands
bericht des Jahres 2005 (LOEWE et al. 2005) durch einen statistischen Vergleich mit Mes
sungen belegt. Es ist danach gerechtfertigt, klimatologische Aussagen über den Seegang aus
Modellberechnungen abzuleiten, die im Gegensatz zu Messungen lückenlos und flächende
ckend verfügbar sind.
3.3.1 Saisonale Seegangsverteilungen in der Nordsee
Das saisonale Seegangsklima der Jahre 2008-2011 wird durch die mittlere signifikante Wel
lenhöhe und die Hauptrichtung von Windsee und Dünung charakterisiert (Abbildung 3-13 bis
3-16).
Die prinzipiellen saisonalen Unterschiede mit maximalen Wellenhöhen im Winterhalbjahr und
geringsten Wellenhöhen im Frühjahr und Sommer erklären sich aus entsprechenden Intensi
tätsänderungen im Windantrieb (vgl. Kap. 2.3: Abbildung 2-9, Abbildung 2-10, Tabelle 2-21).
Die in allen Jahreszeiten ähnlichen Verteilungsmuster zeigen dabei von Norden nach Süden
und zu den Küsten hin abnehmende Wellenhöhen. In dieser typischen Struktur des Wellen
höhenfeldes prägt sich die geographisch-bathymetrische Konfiguration der Nordsee aus, die
nach Norden hin durch zunehmende Wassertiefen und eine weite Öffnung zum Nordatlantik
wesentlich bestimmt ist.
Die Dünung hatte in allen Jahreszeiten NW-liche Richtung, denn sie läuft zumeist aus dem
Nordostatlantik heran. Im flacheren Wasser schwenkt sie infolge Refraktion auf die britische
und dänische Küste zu. Die Richtung der Windsee stimmt generell mit der Windrichtung über
ein. Sie kommt überwiegend aus dem Westsektor (SW - NW), im Sommerhalbjahr (April-Sep.)
dominieren die west- bis nordwestlichen Richtungen, im Winterhalbjahr dagegen Südwest bis
West.
Davon abweichende Windseerichtungen zeichnen den Winter 2009/2010 aus (Abbildung 3-14
bis 3-15). Im nördlichen Teil war der Seegang im Mittel nordwestlich gerichtet, im Süden kam
er im Herbst 2009 noch aus der meist vorherrschenden Richtung SW, im folgenden Quartal
JFM 2010 jedoch entgegengesetzt aus Nordost. Auch im Herbst 2010 (Abbildung 3-15) über
wog im südlichen Teil der Nordsee Seegang aus nördlichen bis nordöstlichen Richtungen bei
insgesamt niedriger mittlerer Wellenhöhe. Grund waren jeweils ungewöhnlich häufige Winde
aus östlichen Richtungen (vgl. Kap. 2.3: Abbildung 2-16, Abbildung 2-18).