Dr. Karl-Heinrich Wagner: Die unechten Zylinderprojektionen.
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26. Meridian, die beide gezeichnet sind. Die kleine Strecke zwischen den beiden Meridianen teilt man nach Augen
maß in 2 gleiche Teile. Der Teilpunkt gibt an, wo der 25. Meridian verlaufen würde. In dem Intervall vom 25.
bis 26. Meridian bestimmt man den Punkt 25,581, also rund 25,6, dasselbe geschieht auf der anderen Seite unseres
Nullmeridians. Dasselbe Verfahren wendet man mm auch für den Punkt £ = 73,820°, also rund 73,8 an. Sym
metrisch zu | = 90° (d. i. nun aber nicht mehr der zuerst bei der Konstruktion unseres Hilfsnetzes als 90. Me
ridian ermittelte Längenkreis. Durch die Verschiebung unseres Nullmeridians zum 20. Meridian hin sind die
ursprünglichen Meridiane £ = 70° links vom Nullmeridian und £ = 110° rechts vom Nullmeridian nunmehr
die beiden 90. Meridiane geworden.) liegt der Punkt <p = 50°; /. — 110°. Ich trage die Entfernung des Punktes
t] = 37,159; £ = 73,820 (d. i. in Abb. 23 der Punkt P') vom Meridian £ = 90° nach außen hin ab. Der Endpunkt
dieser Strecke ist dann der Punkt (p = 50°; X — 110°.
Auf Grund dieser Symmetrie kann man ein solches transversales Netz beliebig nach Norden und Süden über
die Pole hinaus erweitern. Streng genommen brauchte man überhaupt nur einen Quadranten in der oben be
schriebenen Weise zu konstruieren. Alle Punkte der anderen Quadranten liegen im Hilfsnetz zum Äquator und
zu dem jeweiligen Nullmeridian symmetrisch. An Hand der Abb. 23 wird der Gang der Konstruktion ohne wei
teres klar werden. Abb. 24 zeigt die fertige Konstruktion für das ganze Netz und das Netz selber. In der Praxis
wird die Konstruktion natürlich nur mit Bleistift ausgeführt. Ein geübter Zeichner wird nach kurzer Zeit mit
der erforderlichen Schnelligkeit und Genauigkeit konstruieren können.
Etwas schneller ist der Hergang bei der Eckertschen Projektion VI ohne Hilfswinkel. Die graphische Integra
tion ist wesentlich schneller auszuführen als die umfangreiche Hilfskonstruktion bei den Netzen mit Hilfswinkel.
Die Netzkonstruktion selbst bleibt dieselbe. Die Meridiane des Hilfsnetzes sind in diesem Fall i/ = n£cos
Wir berechnen uns also genau wie im vorigen Falle den Meridian y — n arc 90° cos
R
M
für einzelne rj von
10° zu 10°. Für n hatten wir gefunden 0,8921. . . Die x zu diesem ^-Werten von 10° zu 10° entnehmen wir aus der
Hilfskonstruktion, die in diesem Fall eine graphische Integration war. Das Hilfsnetz wird mit einer Untereintei-
hmg gezeichnet wie im vorigen Falle, auch mit der Erweiterung zu beiden Seiten der 90. Meridiane. Dieses Netz
zeigt die Kartenbeilage Tafel I.
Es erübrigt sich nun noch für irgendeines der anderen Netze Näheres mitzuteilen. Die Konstruktion ist stets
einem der beiden hier vorgeführten Fälle völlig analog. Abb. 25 zeigt ein schief ach siges Netz für den Atlantischen
Ozean, das ebenfalls auf graphischem Wege gewonnen wurde. Ein schiefachsiges Netz hält natürlich länger auf als
ein transversales, denn bei einem solchen Netz ist keine Symmetrie vorhanden. Die Dauer einer solchen Netz
konstruktion wird in erster Linie von der Vertrautheit des betreffenden Zeichners mit der Materie abhängen.
Auch der Maßstab spielt eine gewisse Rolle. Bei sehr großem Maßstab und damit auch sehr großem Maßstab der
Hilfskonstruktion wird die Arbeitszeit länger sein als bei demselben Netz in kleinerem Maß,stab. Von einem ge
wissen Maßstab ab wird man auch nicht mehr mit den üblichen handlichen Instrumenten auskommen, sondern
seine Zuflucht zu Stangenzirkel und großer Reißbrettschiene nehmen müssen. Die Handhabung dieser großen
Instrumente erfordert auch wieder mehr Zeit. Alles in allem dürfte aber außer Frage stehen, daß durch die gra
phische Netzgewinnung gegenüber der Berechnung viel Zeit gewonnen werden kann. Die zu erzielende Genauig
keit wird in den meisten Fällen völlig ausreichend sein. Ich habe an den betreffenden Stellen gezeigt, mit welcher
Größenordnung von Fehlern man rechnen muß, und wir hatten gefunden, daß bei genügend sorgfältiger Konstruk
tion das zulässige Maß von Ungenauigkeiten nicht überschritten wird. Es ist in dieser Beziehung früher oft mit
Kanonenkugeln nach Spatzen geschossen worden. Wenn man ein Gradnetz für eine Schulatlaskarte mit 7 stelligen
Logarithmen berechnet, so ist das reichlich übertrieben. Man muß in der Kartographie stets überlegen, ob bei
einer Arbeit die aufgewendete Mühe im richtigen Verhältnis zu dem zu erwartenden Ergebnis steht und ob der
Zweck, dem die Arbeit dienen soll, die dafür in Aussicht genommene Herstellungsweise lohnt.
Auf eine weitere Verwendungsmöglichkeit der graphischen Netzgewinnung will ich noch hinweisen. Es ist sehr
wohl möglich, daß für besonders wertvolle Karten das Netz lieber durch Berechnung gewonnen werden soll.
Man würde z. B. bei einer Handatlaskarte, wo auf allergrößte Genauigkeit Wert gelegt wird, das Netz lieber be
rechnen, zumal die Herstellung des Netzes auch bei Berechnung bei einer solchen Karte nur einen geringen Teil
der Gesamtherstellung ausmacht. Nun ist es schwierig, die richtige Darstellungsweise gleich auf den ersten Griff
zu finden. Bei einem Fehlgriff ist dann der Zeitverlust ziemlich erheblich. In vielen Fällen ist sogar die Herstellung
eines zweiten Entwurfs aus Rücksicht auf die Kalkulation oder den Termin der endgültigen Fertigstellung der
Karte nicht mehr möglich, und der erste nicht ganz einwandfreie Entwurf muß genommen werden. Namentlich
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