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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Tiofseeloduiugen des „Faraday“ im Nordatlantic. 
interessante Theile der genannten Karten stark verkleinert wiedergegcbeu, wobei 
die im Original eingeschriebenen Faden in Meter umgewandelt worden sind. 1 ) 
Die betreffenden Lokalitäten sind für die Neulegung oder Instandhaltung 
von Telegraphenkabeln besonders wichtige. 8 ) Einmal die im Osten der Großen 
Neufundland Bank gelegene Flämische Kappe, deren Abfall in die anstofsonde 
Tiefsee ungewöhnlich steile Böschungen zeigt und durch die massenhaft über 
den Bodon verstreuten grofsen Steine nicht nur das Legen der Kabel erschwert, 
sondern auch versenkte Kabel dadurch gefährdet, dafs diese bei der relativ 
geringen Meerestiefe durch die bis zum Boden fortgepflanzte Dünung gescheuert 
werden. Bekanntlich konnten die experimentellen Versuche der Gebrüder 
Weber eine Wirkung der Wellen noch in einer Tiefe deutlich sichtbar nach- 
weisen, welche das 350fache der Wellenhöhc an der Oberfläche betrug, bei 
einer Wellen höhe von 4 m also mindestens noch in 1400 m Tiefe, von 10 m, d. h. 
bei sehr heftigen Stürmen, noch in 3500m Tiefe (Welleulohre S. 126). Dabei 
ist noch die ebenfalls von den Gebrüdern Weber für die Wellenbewegung 
konstatirte Thatsache zu erwägen, dafs zwar an der Oberfläche die Bahn der 
(in einer vertikalen Ebene) kreisenden Wassertheilchen elliptisch ist, je weiter 
nach unten aber desto mehr die vertikale (kleine) Axe der Ellipse abuimmt, 
dagegen die horizontale Axe fast unverändert bleibt, bis schliefslich in grofsen 
Tiefen und am Boden nur eine pendelnde Oscillation in horizontaler gerad 
liniger Bahn übrig bleibt. Es wäre sehr wohl denkbar, dafs die von dieser 
Bewegung hin und her geschobenen scharfkantigen Steine allmählich die Hüllen 
der Kabel durchscheuern und somit Störungen verursachen könnten. 
Die zweite Lokalität ist mitten im offenen Ocean gelegen, in der Nähe 
von 29° W-Lg und in 49°—50° N-Br. Hier, an der südöstlichen Verlängerung 
des sogenannten „Kabel-Plateau’s“, ist durch die Lothungen des „Faraday“ ein 
Terrain aufgedeckt und erforscht worden, das auch die Geologen lebhaft 
interessiren dürfte. Der Boden ist daselbst felsig und hart oder steinig, dabei 
schroff abfallend; es fehlt meist die sonst die Umgegend auszeichnende Decke 
von Tiefseeschlamm, überdies nähert sich der Meeresboden stellenweise bis 
nicht ganz 1200m der Oberfläche. Es sind das Eigenschaften, welche die Ver- 
rauthung nahe legen, dafs wir cs hier mit einem in der Neuzeit erst von 
vulkanischen Eruptionen mit Laven bedeckten Meeresboden zu thun haben, wie 
ja solche auch sonst, und zwar mit ganz moderner Thätigkeit, aus dem Bereich 
der Oceanc bekannt sind. 3 ) 
Man wird beim ersten Anblick der Siemens’schen Karten einige Zweifel 
nicht unterdrücken können, ob die stellenweise in Abständen von einer halben 
oder kaum einer ganzen Seemeile von einander niedergebrachten Lothungen 
wirklich auf der Karte in der gehörigen Position eingetragen sind, da os hier 
im offenen Ocean an Landmarken oder andern Peilobjekten ja völlig fehlt. 
Doch läfst sich aus einer Notiz, die der Karte eingeschrieben ist, entnehmen, 
dafs thatsächlich in den flacheren Theilen der durclilothcten Region Bojen ver 
ankert worden sind, deren Position, wie ausdrücklich bemerkt ist, durch wochen 
lang fortgesetzte Observationen bestimmt wurde, und die alsdann zu Peilungen 
benutzt werden konnten. Aufscrdem kann man nicht leugnen, dafs auch in den 
tieferen Stellen die Einzellothungeu unter einander vortrefflich übcreinstiiumeu, 
sobald man ihre Lage zu deu submarinen Isohypsen in Betracht zieht. Mau 
vergleiche beispielsweise auf der Hauptkarte vom Nordostabfall der Flämischen 
Kappe die zwischen 3000 und 4000m schwankenden Lothungsgruppen unmittelbar 
südlich von 49° N-Br. Selbst wenn man glauben sollte, dafs die fünf Lothungen 
3345, 3300, 3315, 3335, 3340 auf genau derselben Position ausgeführt worden 
sind, so würde doch ein Vergleich (lorseiben unter einander und namentlich mit 
ihrem arithmetischen Mittel (3327) Abweichungen ergeben, die 30m nicht über 
schreiten: eine Genauigkeit, welche der bei barometrischen Höhenmessungen 
meist erreichten gleichkommen dürfte, ln ähnlicher Weise ergeben die weiter 
östlich eingeschriebenen Lothungen zwischen 3715 und 3845 ein Bild von grofser 
] ) Da 1 Faden = 1,829 m, würde eine genaue Kcdnktion bis auf die Einer offenbar der ge 
wonnenen Meterzahl einen Charakter der Genauigkeit (bis fast auf einen halben Faden!) verleihen, 
der ihr von Natur aus nicht zukoimnt. Darum sind in den Karten alle Meterzahlen bis auf die 
nächste 5 oder 10 abgerundet. 
*) Die vorhandenen Kabel sind eingetragen auf Berghaus’ Chart of tlre World oder noch 
deutlicher in Stieler’s Handatlas, Taf. 12. 
3) „Ami. d. Hydr. etc.«, 1878, S. 370 f., 1879. S. 54 f.
	        
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