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Metadata: 62, 1934

Zorell, F.: Ein neuer Atlas für Temperatur und Salzgehalt im Oberflächenwasser der Nordsee, 1083 
nur so wirklich exakte Grundlagen für jede Weiterarbeit geschaffen sind, aber 
auch nur so die Grenzen deutlich umrissen werden, innerhalb derer Mittel- 
bildungen aus einem Gebiet großer unperiodischer Schwankungen von Wert sind 
und wo die Forderung nach synoptischer Erfassung des hydrographischen Zu- 
standes und der Ableitung bestimmter Typen daraus sich noch bestimmter als 
bisher erhebt. Diese Forderung ist nicht neu; bereits bei Böhnecke sind An- 
zätze dazu da und noch mehr in der bekannten Untersuchung von Lumby und 
Carruthers!). Es besteht m. E. immer die Gefahr, daß Benutzer eines solchen 
Atlasses, die den modernen hydrographischen Vorstellungen ferner stehen, diese 
Temperatur- und Salzgehaltsmittelwerte nicht als abstracta, die sie doch sind, 
nehmen, sondern als „Normal“werte, denen beträchtliche reale Bedeutung zu- 
kommt. Und das sind diese Linien namentlich in den breiten Grenzzonen ver- 
schiedener Wasserarten ganz bestimmt nicht. 
In Erläuterung des eben Ausgeführten sei auf Tafel 11 verwiesen, auf der 
die Temperaturverhältnisse für August wiedergegeben sind. Die ausgezogenen 
Linien sind Isothermen nach dem neuen Atlas (von 0.5 zu 0.5°%, die Zehntelgrade 
sind weggelassen), die gestrichelten Linien sind die Isothermen des Seewarten- 
atlasses. In bestimmten Zügen haben wir weitgehende Übereinstimmung, so in 
der Tatsache, daß vor der englischen Ostküste das Wasser kälter ist als in 
gleicher Breite vor der jütländischen. Die relativ starke sommerliche Erwärmung 
dicht unter der Küste läßt der neue Atlas unberücksichtigt; der Seewartenatlas 
bringt diese Erscheinung dagegen zur Darstellung (vgl. den Verlauf der 13°- 
[sotherme dicht unter der schottischen und nordenglischen Küste; die 17°-Iso- 
therme an der nord- und ostfriesischen Küste; die 18°-Isotherme im Gebiet 
Terschelling—Norderney und südlich der Rhein-Maas-Mündung). Bezeichnend für 
die Leitgedanken bei der Zeichnung des Seewartenatlasses ist die „Insel“ warmen 
Wassers über der Doggerbank. Fraglos findet sich sehr häufig in diesem Gebiet 
gine lokale Erwärmung auf über 16°C; bei strenger Mittelbildung der beob- 
achteten Werte wird diese Erscheinung jedoch nicht gesondert zum Ausdruck 
kommen und so läuft auf dem neuen Atlas die 15°-Isotherme quer durch diese 
Insel hindurch. Ahnliche Beispiele mögen sich leicht noch mehr finden lassen. 
Die Brauchbarkeit der funkentelegraphischen Seeobsmeldungen 
zur Bestimmung von Wassertemperaturen. 
Von H. Wörner, Königsberg i. Pr, 
(Hierzu Tabellentafel 12.) 
In den letzten Jahren ist die Frage der Langfristprognosen von verschiedenen 
Seiten erneut in Angriff genommen worden, In mehreren Aufsätzen hat u. a. 
auch Sandström durch seine Arbeiten über den Einfluß des Golfstroms auf das 
Wetter in Europa Hinweise auf eine Vorhersage des Charakters des nächsten 
halben Jahres gegeben (1) *). Auch die in den letzten Jahren erschienenen Arbeiten 
über die Verlagerung der Aktionszentren über dem Nordatlantik (2) lassen die 
Wichtigkeit der Wassertemperaturbestimmungen in diesem Meeresteil erkennen. 
Eine recht eingehende Bearbeitung der Temperaturschwankungen des Nord- 
atlantischen Ozeans und speziell des Golfstroms führte schon vor dem Kriege 
Petersen durch (3). Daß er damals kein eindeutiges Resultat im Sinne der 
Sandströmschen Gedankengänge erhielt, ist vor allem darauf zurückzuführen, 
daß die von ihm verwendeten Schiffe in damaliger Zeit (er benutzte die Jahre 
1883 bis 1903) zu den verschiedenen Jahreszeiten ganz verschiedene Kurse 
steuerten. Es war also nicht möglich, mit Hilfe dieser Beobachtungen bestimmte 
Stellen des Atlantik ein ganzes Jahr hindurch auf ihre Temperatur hin zu über- 
wachen. Er benutzte als Unterlagen die in den meteorologischen Schiffstage- 
N J. R. Lumby and J. N. Carruthers, An Experiment dealing with the Interpretation of Salinity 
Distribution Charts, J. du Conseil, IIX, S. 176. 
*) Diese und die folgenden Ziffern beziehen sich auf das Schrifttum am Schluß dieses Artikels, 
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