Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1923.
eine noch größere Amplitude wäre natürlich leicht erreichbar, ohne daß der
Apparat sein Aussehen merklich änderte,
Die bisher aufgestellten Apparate vom beschriebenen Typus haben vor-
züglich gearbeitet. Das Ablesen der Mareogramme hat sich als eine sehr leichte,
auch von ungeschulter Hand zu bewerkstelligende Aufgabe erwiesen.
Für die Kontrollmessungen ist eine mit Durchgangsspalte versehene
Messingkonsole an der Brunnenwand einzementiert. — Diese Konsole wird all-
jährlich durch Nivellement mit außerhalb gelegenen Festmarken verglichen. —
Ein vertikales Rad auf einem Gestell oberhalb der Konsole trägt ein Bronze-
band mit Halbdezimetereinteilung und Löcher bei jedem fünften Zentimeter. Der
Abstand vom Wasserspiegel im Brunnen bis zur oberen horizontalen Fläche der
Konsole wird nun mit genügender Schärfe auf folgende Weise gemessen: An
einem am unteren Ende des Bronzebandes angehängten Messinggewicht wird
ein in Eisenchlorid eingetauchter und nach Trocknen mit Tannin eingeriebener
Papierstreifen angebracht. Das Band wird vom Rade ausgerollt, an geeignetem
Platze, was sich aus der Stellung des Gegengewichtes des Mareographenschwimmers
ergibt, wird jetzt ein Zwischenstück aus‘ Messing über das Band zusammen-
geklappt und das Band weiter niedergerollt, bis die untere horizontale Fläche
des Zwischenstückes an die Konsole anstoßt. Dann ist der Papierstreifen unten
teilweise im Wasser eingetaucht. Die vollen 5 cm des zu bestimmenden Abstandes
von Konsole zur Wasseroberfläche sind am Bande abzulesen, das in Millimetern
ausgedrückte Restglied erhält man aus dem Papierstreifen, dessen in Wasser ein-
getauchter Teil sich gleich schwarz färbt und somit eine scharfe Bestimmung
der Wasserlinie zuläßt. Der Zeitpunkt der Kontrollmessung wird am Mareo-
graphen durch einen Querstrich der Kurven markiert.
Das hier angedeutete Kontrolimeßverfahren hat sich als sehr geeignet bewährt.
Der neue Mareograph sowie die Anordnung für Kontrollmessung sind das
Ergebnis einer Zusammenarbeit von Prof. Rolf Witting und dem Verfasser,
Der Apparat ist nach unseren Entwürfen und Anweisungen in Helsingfors von
den Mechanikern Sv. Rindell und K, V.Söderblom gebaut. Die Uhrwerke
sind aus Deutschland bezogen, von der Turmuhrenfabrik C. F. Rochlitz, Berlin.
Über vertikale Temperaturgradienten in der Atmosphäre.
Von A, Friedmann.
1. Die a@rologischen Beobachtungen ermöglichen es festzustellen, daß der
vertikale Temperaturgradient y in den meisten Fällen den sogenannten Grenz-
wert desselben y7ı, = 3.4 X 10-2 ausgedrückt in geophysikalischen Einheiten
(Meter, Tonne, Sekunde), nicht überschreitet. Dieser äußerste Gradient bezeichnet
diejenige Grenze der vertikalen Temperaturgradienten, von der an nicht mehr
eine Abnahme, sondern eine Zunahme der Dichtigkeit der Luft mit der Höhe
stattfindet.
In einigen Fällen kann aber der vertikale Temperaturgradient yı über-
schreiten, ohne das Gleichgewicht der Atmosphäre aufzuheben. Der Zweck dieser
Abhandlung ist, zu zeigen, daß auch theoretisch ein Gleichgewicht der Atmosphäre
bei einem, den Grenzwert überschreitenden Temperaturgradienten möglich ist,
Selbstverständlich ist die gewöhnliche Annahme, daß eine schwerere obere Luft-
masse notwendigerweise in die untere leichtere herabsinken muß, falsch, da eine
solche Voraussetzung das Vorhandensein eines Druckes oder, anders ausgedrückt,
von inneren in einem flüssigen (gasförmigen) Mittel wirksamen Kräften nicht in
Betracht zieht!).
2, Legen wir die z-Achse eines orthogonalen geradlinigen Koordinaten-
1) Den_in dieser Arbeit genannten Fall des Gleichgewichts der Atmosphäre habe ich in der
Abhandlung „Über vertikale Strömungen in der Atmosphäre“ untersucht, die im Mai 1919 beendet
war und in russischer Sprache im „Bulletin der Phys. Math. Gesellsch, bei der Universität von Perm‘“
m Jahre 1920 erschien.