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Volltext: Die Entwicklung der maritimen und allgemeinen Meteorologie im Bereich der 1868 gegründeten Norddeutschen und später Deutschen Seewarte

Meteorologie in der Deutschen Seewarte 1900 bis 1914 
Aerologie 
Um die Jahrhundertwende richtete sich das Interesse der Meteorologen 
in aller Welt auf die hohe Atmosphäre, den Schichten bis zu etwa 5 km 
Höhe. Auch die Seewarte beteiligt sich an der Forschung auf diesem 
Gebiet. Schon im Jahre 1895 beginnt innerhalb der Deutschen Seewarte 
dieser neue Gedanke Platz zu greifen. KOPPEN hatte schon oft seit 
1875 bei seinen Gängen über das M Heilige-Geist-Feld" den Kindern beim 
Drachensteigen zugesehen und zusammen mit SPRUNG an die Möglichkeit 
von Messungen der vertikalen Verteilung von Temperatur und Luftfeuchte 
mit Hilfe möglichst hochsteigender Drachen gedacht. Er vermochte 1895 
die ersten Versuche in dieser Beziehung auf einem Platz am Isebek-Kanal 
vorzunehmen. Zunächst fehlten allerdings stabile Drachen. Aber durch 
Hinweise auf die vom Australier Hargrave erfundenen Kastendrachen mit 
Stahldraht als Leine und nach Erhalt eines großen Marvin-Drachens aus 
Washington glückten derartige Aufstiege allmählich zur Zufriedenheit. 
Ein bis zwei Arbeiter halfen ihm dabei. W.BETGHE, G.SCHWITZER später 
L.KUBICK und H.BUTENSCHÖN. Mit den Meteorologen TEISSERENC de Bort 
(Paris) und MARVIN in Washington kam KOPPEN in Verbindung. Später kon 
struierte er den "^reppenkasten-Drachen" und den "Bri11iant-Drachen", 
Die Regelmäßigkeit und technische Sicherheit der Drachenaufstiege 
nahm erheblich zu, so daß am 1.April 1903 die Einrichtung einer 
"Drachenstation der Deutschen Seewarte" in Groß-Borstel erfolgte. 
8000.- Mark standen als Jahresetat zur Verfügung. Bei dieser Entwick 
lung erwies sich KOPPEN als "eminenter Praktiker". Er schuf die ers 
ten praktischen Handwinden. Auch die Technik der Motorwinden förderte 
er vielfach. Wer damals eine Expedition ausrüstete, wandte sich an ihn 
als dem Klassiker der Drachentechnik. Ähnliche Bestrebungen zur Fest 
stellung der meteorologischen Werte in den verschiedenen Höhen der 
freien Atmosphäre verfolgten fortschrittliche Meteorologen der damali 
gen Zeit auch an einigen anderen Orten Europas. KOPPEN schlug 1906 
auf der Tagung der internationalen Kommission für wissenschaftliche 
Luftfahrt in Mailand das Wort "Aerologie" vor, um dem neuen Wissens 
zweig einen geeigneten Namen zu geben. Ohne Zweifel ging von der 
Deutschen Seewarte durch die Drachenstation Groß-Borstel ein gewalti 
ger Impuls aus für die spätere Durchforschung der hohen und höchsten 
Atmosphäre in einem weltumspannenden Netz aerologischer Stationen.
	        
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