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Full text: Fukushima Daiichi

<Magazin) Radiochemie 
Nachrichten aus der Chemie| 63 | Mai 2015 | www.gdch.de/nachrichten 
über die Situation in der Umwelt 
und an den Reaktoren. 21 
Radionuklide im Meer 
♦ Für das Meer sind nur die Ra 
dionuklide 13+ Cs und 13 'Cs auf 
grund ihrer längeren Halbwertszeit 
von zirka 2 bzw. 30 Jahren und frei 
gesetzten Aktivitätsmenge von Be 
deutung. In den ersten Wochen 
spielte auch 131 I eine große Rolle, 
da dieses in vielen Algenarten, etwa 
Braunalgen stark akkumuliert. In 
den ersten Wochen und Monaten 
nach dem Unfall waren die Kon 
zentrationen der drei Isotope im 
Meerwasser in der Umgebung der 
Anlage Daiichi sehr hoch und be 
trugen bis 10 J Bq-IU 1 . Aufgrund der 
• hl» 
■ CH 34 
■ 0-117 
Abb. 2. Zeitlicher Verlauf der Konzentration von 134 Cs, 137 Cs und 131 l an der Einleitungsstelle des Reaktors Nr. 2 
(Probennahmeort siehe Abbildung 3) in Bq-L 1 ab 2. April bis Ende Mai 2011. 2> 
Monitoring point:T-l 
t .OE+06 — 
1 .OE+05 
1.0E+04 
1.0E+03 
1 .OE+02 
1.0E+01 
1.0E+00 
1.0E-01 
1 .OE-02 
1.0E-03 
2011/3/11 2011/9/27 2012/4/14 
2012/10/31 2013/5/19 
—1-131 
— Cs-134 
Cs-137 
Abb. 3. Zeitlicher Verlauf der Aktivitätskonzentration von 137 Cs, 134 Cs und 131 l an der nördli 
chen Probennahmestelle T-l am Kühlwasserausfluss (2 m unter dem Meeresspiegel) über 
den Zeitraum Ende März 2011 bis Mai 2013. Deutlich sind die hohen aquatischen Ableitun 
gen und die daraus folgenden hohen Konzentrationen dieser drei Radioisotope in den ers 
ten Monaten nach dem Unfall zu erkennen. Die Konzentration umfasst auf der logarithmi- 
schen Skala fünf Größenordnungen mit bis zu 10 s Bq-L 1 für 134 Cs und 137 Cs im April/Mai 
2011 bis um 1 Bq-L- 1 ab Mitte 2012. 21 > 
abnehmenden Eintragsraten und 
der starken Verdünnung im Ozean 
gingen die Werte in den folgenden 
Monaten stark zurück (Abbildun 
gen 2 und 3). 
Erstaunlich war, dass das mit ei 
ner Halbwertszeit von acht Tagen 
relativ kurzlebige 131 I selbst noch 
im Juli 2011 freigesetzt und im 
Meer nachzuweisen war. Erwartet 
wurde, dass nach Freisetzung der 
leichter flüchtigen Nuklide das Ak 
tivitätsverhältnis von 131 I zu 134 Cs 
und 137 Cs innerhalb kurzer Zeit 
stark abnehmen sollte. Dies war je 
doch nicht der Fall. Dies könnte 
auf eine eventuell damals noch ak 
tuelle Spaltaktivität in den oder ei 
nem der Reaktoren hinweisen. 
Neben diesen drei flüchtigen Ra 
dionukliden wurden zahlreiche 
weitere Radionuklide nachgewie 
sen, allerdings spielte deren Beitrag 
für eine mögliche Strahlenexpositi 
on kaum eine Rolle. Zu erwähnen 
sind insbesondere Tritium und 90 Sr. 
In geringen Konzentrationen nach 
weisbar waren weitere Spalt- und 
Aktivierungsprodukte wie die Plu 
toniumisotope 238, 239, 240 und 
241, flüchtige Elemente wie 136 Cs, 
die Te-Isotope 129m, 129, 132, 
oder gering volatile Isotope wie 
99 Mo/" m Tc, 89 Sr, 95 Nb/Zr, 110m Ag, 
125 Sb, 1+0 Ba/Ta und 1+1 Ce und 
144 Ce. 3 ~ 51 Diese Nuklide sind je 
doch für eine Risikoabschätzung 
zur Strahlenexposition über den 
Meerespfad unbedeutend. Tedig- 
lich das Isotop 110m Ag wurde in ei 
nigen Proben an Meeresfischen 
nachgewiesen, in allen Fällen je 
doch in deutlich geringerer Kon 
zentration als die Cs-Isotope. 61 
Buesseler et al. verglichen einige 
Zeitreihen der Messungen an meh 
reren Probennahmestellen nahe 
Fukushima Daiichi im Meerwasser 
mit Zeitreihen aus der Ostsee und 
dem Schwarzen Meer seit 1960, wo 
nach dem Unfall in Tschernobyl 
1986 die höchsten Konzentratio 
nen an 137 Cs nachzuweisen waren 
(Abbildung 4, S. 528). 71 
Mehrere Autoren versuchten 
den Eintrag von 134 Cs, 137 Cs und 
131 I aus der Atmosphäre abzuschät 
zen und daraus die Deposition in
	        
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