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Full text: Das Eis in der Nord- und Ostsee

5.5 Natalija Schmelzer & Jürgen Holfort 
216 
7“E 8 V E 9 V E 10 V E 7°E 8°E 9°E 10°E 
Abb. 5.5-2b: Häufigkeit des Eisauftretens in den 30-jährigen Zeiträumen 1961-1990, 1971-2000 und 1981-2010 in der 
Nordsee. 
20 % 
30% 
40% 
50% 
60% 
70% 
80% 
90% 
J 2-10% 
11-20% 
| 21-30% 
] 31-40% 
41-50% 
51-60% 
61-70% 
71-80% 
57°N 
56°N 
55°N 
54°N 
Häufigkeit des 
Frequency of ice occ 
7°E 8°E 9°E 10°E 
54°N 
Häufigkeit des 
Frequency of ice oct 
1981 -2010 
56°N 
56°N 
55°N 
55°N 
7°E 8°E 9°E 10°E 
7°E 8°E 9°E 10°E 
57°N 
dehnung wird auch das Volumen größer. Auffallend ist 
die Tatsache, dass die maximale Ausdehnung für einige 
Winter bedeutend größer ausfällt als das vergleichbare 
maximale Volumen: Dies ist mit einer kurzzeitigen 
großen Ausdehnung des dünnen Eises, oft unter 5 cm, 
erklärbar, führt aber zur Einordnung eines Eiswinters in 
unterschiedliche Klassen: z.B. wird der Winter 2011/12 
nach der Ausdehnung als mäßig und nach dem Volu 
men als schwach klassifiziert. Besonders häufig kommt 
dieser Fakt in den letzten 20 Jahren vor, was auf immer 
dünner werdendes Eis im Seebereich, kürzere Verweil 
zeiten des Eises auf See und somit auf wärmer wer 
dende Winter hindeutet. 
Die Stärke eines Eiswinters in der Nordsee und 
in der westlichen/südlichen Ostsee wird durch eine 
Maßzahl - die flächenbezogene Eisvolumensumme 
(V^.) - bestimmt; sie berücksichtigt sowohl die produ 
zierte Eismenge als auch die Dauer der Eisbedeckung 
(Koslowski 1989). Die Reihe der flächenbezogenen 
Eisvolumensummen erfasst den Zeitramn seit 1897 bis 
heute für die Nordsee (www.bsh.de/de/Meeresdaten/ 
Beobachtungen/Eis/Eiswinter2014-2015.pdf) und seit 
1879 bis heute für die westliche/südliche Ostsee. Im 
Zeitraum von 1961 bis 2010 gab es in der Nordsee 
26 sehr schwache bis schwache, 16 mäßige, 4 starke, 
3 sehr starke und 1 extrem starke Eiswinter. In der 
westlichen/südlichen Ostsee traten in gleicher Periode 
25 sehr schwache bis schwache, 16 mäßige, 3 starke, 
5 sehr starke und 1 extrem starke Eiswinter auf. Die 
meisten schwachen Eiswinter kamen in den letzten 30 
Jahren vor, die Anzahl der starken bis extrem starken 
Eiswinter hat gleichzeitig abgenommen. Noch deut 
licherwird diese Tatsache ersichtlich bei dem Vergleich 
der Häufigkeiten des Eisauftretens in den 30jährigen 
Zeiträumen 1961-1990, 1971-2000 und 1981-2010, 
Abb. 5.5-2 (Schmelzer et al. 2012, Schmelzer & Hol 
fort 2015). Die Eisverhältnisse in den 3 untersuchten 
Zeiträumen innerhalb der 50jährigen Periode 1961- 
2010 veränderten sich hauptsächlich entsprechend 
den Änderungen der Lufttemperaüir im gleichen Zeit 
raum. Dabei war 1961-1990 der kälteste Zeitabschnitt, 
der größte Anstieg der Lufttemperatur erfolgte in der 
Periode 1971-2000, der Anstieg der Lufttemperatur 
setzte sich langsam im Zeitraum 1981-2010 fort. Am 
häufigsten bildete sich das Eis in der Nordsee und in 
der westlichen/südlichen Ostsee in den betrachteten 50 
Jahren am Anfang der Periode, und zwar im Zeitraum 
1961-1990. Besonders stark veränderte sich die Häu 
figkeit des Eisauftretens in der Nordsee und im Seebe 
reich der westlichen Ostsee. Das ist sicher in erster Li 
nie auf die wärmer werdenden Winter zurückzuführen, 
aber auch die menschliche Tätigkeit in den Meeres 
bereichen trägt zu Verändernden der Eisverhältnisse 
bei. Z.B. regelmäßige Fahrwasservertiefungen führen 
in den betroffenen Gewässern zur Verschiebung des 
ersten Eisauftretens zu einem späteren Termin und zur 
signifikanten Abnahme der Tage mit Eis. Wasserbauten 
stellen Hindernisse für die Eisbewegung dar. Und auch 
in der Winterzeit zunehmender Schiffsverkehr ver 
hindert das natürliche Eiswachsüun im Seebereich:
	        
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