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Schifffahrt
kompassen geprüft und auf 32 Schiffen der Magnet
kompass reguliert. Außerdem wurden 131 elektroni
sche Magnetkompasse für Binnenschiffe vor dem Ein
bau an Bord geprüft.
GPS-Satelliten-Navigationsanlagen als
Kurs- und Fahrtinformationsgeber
Satelliten-Navigationsanlagen können neben der ak
tuellen Position des Antennenstandortes auch die Ge
schwindigkeit und den Kurs eines Schiffes über
Grund liefern. Seit der Einführung und Etablierung
des Global Positioning Systems (GPS) tauchte häufiger
die Frage auf, ob GPS-Anlagen in der Schifffahrt als
Fahrtmessanlage gemäß den internationalen IMO-
Standards einsetzbar sind.
Bis April 2000 musste diese Frage für die Berufs
schifffahrt verneint werden, da GPS-Anlagen nicht die
Geschwindigkeit in Richtung der Schiffslängsachse
ermittelten, wie es die internationalen Anforderungen
für Fahrtmessanlagen in der Seeschifffahrt verlangen,
sondern nur die Geschwindigkeit der Bewegung der
Empfangsantenne in deren Bewegungsrichtung über
Grund. So gibt ein herkömmlicher GPS-Empfänger
bei Rückwärtsfahrt eine positive Geschwindigkeit aus.
Außerdem wurden bei den Geschwindigkeitsdaten
von GPS-Empfängern bis April 2000 Fehler von bis zu
± 30 % beobachtet. Ursache dieser Abweichungen
war eine künstliche Verschlechterung (Selective Avail-
ability, SA) des GPS-Satellitensignals durch den Be
treiber (USA). Im Küstenbereich konnte diese Ein
schränkung durch die Verwendung der von
Fandreferenzstationen (Differential-Stationen/D-GPS)
ausgesendeten Korrektursignale kompensiert wer
den. Die weltweite Verfügbarkeit ausreichender Ge
nauigkeiten, wie sie bei akustischen Fahrtmessanla
gen zur Bestimmung der Fahrt über Grund erreicht
wird, war jedoch nicht gegeben. Daher waren GPS-
Satelliten-Navigationsanlagen bis Mai 2000 nicht als
Fahrtmessanlage zulassungsfähig.
1999 wurde erstmals für eine Satelliten-Navigations-
anlage, die das amerikanische GPS-System mit dem
russischen Pendant GFONASS kombiniert, die Zulas
sung als Fahrtmessanlage beantragt. Um die Ge
schwindigkeit in Schiffsvorausrichtung zu berechnen,
kombiniert dieses System die ermittelte Schiffsposi
tion mit der Kursinformation des Kreiselkompasses.
Das System der Firma SAM erhielt Mitte 2000 die Zu
lassung als Fahrtmessanlage für den weltweiten Ein
satz auf Seeschiffen gemäß den Feistungsanforderun-
gen der IMO und der internationalen Norm EN 61023.
Nachdem die USA im Mai 2000 die künstliche Ver
schlechterung des Satellitensignals abgeschaltet hat
ten, erhöhte sich nicht nur die erreichbare Positions
genauigkeit herkömmlicher GPS-Empfänger erheblich,
sondern verbesserte sich auch die Genauigkeit der
gemessenen Geschwindigkeit entscheidend. Unter
suchungen im Rahmen eines Forschungs- und Ent
wicklungsprojektes des BSH zeigten, dass mit GPS-
Empfängern Genauigkeiten von erheblich besser als
2 % (Norm-Grenzwert) erreicht werden können, sofern
deren Daten mit dem aktuellen Kreiselkompasskurs
verrechnet werden. Für die Positionsbestimmung ist
die minimal notwendige „Sichtbarkeit“ einer ausrei
chenden Anzahl von Satelliten weltweit nahezu überall
gewährleistet. Eingegrenzt wird die Verfügbarkeit der
Geschwindigkeitsinformation daher überwiegend von
der Feistungsfähigkeit des Systems. Daher werden
geeignete GPS-Satelliten-Navigationsanlagen sicher
lich bald vermehrt als Fahrtmessanlagen Einzug in die
Seeschifffahrt halten. Im Rahmen des Projektes wird
auch die Eignung von Mehrantennen-GPS-Empfangs-
anlagen zur Bestimmung des Schiffskurses unter
sucht.
Im Berichtsjahr wurde damit begonnen, internationale
Feistungsanforderungen für diese neue Geräteklasse