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Beobachten + Vorhersagen
sich das BSH bis 2006 mit insgesamt 30 Floats am
Aufbau des ARGO-Messnetzes beteiligen. Ziel der
ersten Pilotphase ist es, die Langzeitstabilität der
Sensoren zu bewerten und Verfahren für eine eventu
ell auftretende Sensordrift zu entwickeln.
Radioaktivitätsmessnetz
Das BSH betreibt im Auftrag des Bundesministeriums
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit seit
1987 ein Radioaktivitätsmessnetz an der deutschen
Nord- und Ostseeküste. Das Messnetz liefert Daten
zur Überwachung des Meerwassers auf mögliche
Einträge künstlicher Radioaktivität. Das Messnetz
umfasst sechs landgestützte Stationen (Küstenfest
land, Inseln), sieben der MARNET-Stationen und wei
tere vier Messgeräte auf BSH-Schiffen. Die Mess
werte werden stündlich abgefragt und normalerweise
täglich, im Rahmen des IMIS-Intensivbetriebes (Inte
griertes Mess- und Informationssystem zur Überwa
chung der Umweltradioaktivität) sogar zweistündlich
an das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übermit
telt. Im Jahresmittel wurde eine Verfügbarkeit des
Messnetzes von 87 % erreicht.
Ship-of-Opportunity Programm (SOOP)
Das BSH beteiligt sich am weltweiten Ship-of-Oppor-
tunlty-Program (SOOP). Unter SOOP sind alle ozea-
nographlschen Messaktivitäten zusammengefasst,
die überwiegend von Handelschlffen auf Handels
routen durchgeführt werden. Im Rahmen des deut
schen Beitrages wird u. a. seit 1988 ein Messpro
gramm Im Atlantik durchgeführt. Die mittels CTD-
Sonden (CTD = Conductlvlty Temperature Depth)
und Schleppsystemen gewonnenen Daten (vorwie
gend Vertikalprofile der Wassertemperatur) werden
spätestens eine Stunde nach der Messung über
Satelliten an Land übermittelt und von dort aus welt
weit über das Globale Telekommunlkatlonsnetz (GTS)
der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verteilt.
Für das Im Aufbau befindliche Globale Ozeanbeob
achtungssystem (GOOS) Ist SOOP von zentraler Be
deutung.
2004 beteiligten sich Schiffe des BSH, der Deut
schen Marine und des Fischereischutzes am SOOP
In Nord- und Ostsee. Die beiden Containerschiffe
„Rlckmers Genoa“ (Rlckmers Reederei) und „Cap
Flnlsterre“ (Reederei Hamburg-Süd), die das BSH auf
ihren Schiffsrouten über den Atlantik im Rahmen von
SOOP unterstützten, haben auf ihren Fahrten zwi
schen Europa und Amerika mit Einweg-Fallsonden
(XBT) zusammen ca. 550 Profile gemessen.
Globales Ozeanbeobachtungssystem (GOOS)
Während die wissenschaftlichen Grundlagen und
Planungen für ein globales Ozeanbeobachtungs
system weit voran gekommen sind, erweist sich die
Umsetzung nach wie vor als schwierig. Ein großer
Teil der bisherigen Programmelemente kommt aus
dem Forschungsbereich und Ist zeitlich begrenzt,
sodass ein dauerhafter Betrieb nicht gesichert Ist. Im
Rahmen seiner Mitarbeit bei EuroGOOS, einem Zu
sammenschluss europäischer meereskundllcher
Institutionen zur Förderung von GOOS, bemüht sich
das BSH weiter um die Einrichtung dieses Ozean
beobachtungssystems. EuroGOOS hat damit begon
nen, Konzepte für die langfristige Qualitätssicherung
der Messwerte und für den Real-Time-Datenaus-
tausch zu entwickeln.
Wie wichtig betriebsbereite Beobachtungssysteme
sind, hat Im Dezember 2004 das Seebeben Im
Indischen Ozean mit seinen katastrophalen Auswir
kungen deutlich gemacht. Im Rahmen von GEOSS
(Global Earth Observation System of Systems) und
dem europäischen Beitrag GMES werden jetzt die
Arbeiten forciert, bestehende Systeme zu erhalten
und zu modernisieren.