Seekarten und mehr
45
Seekarten und mehr
Die Herausgabe amtlicher Seekarten und Seehandbücher
ist in Deutschland nach dem Seeaufgabengesetz
die Aufgabe des BSH. Das komplette nautische
Informationssystem des BSH umfasst für die
europäischen Gewässer 510 Seekarten, 50 Seebücher,
amtliche Seekartendaten für das digitale
Navigationsinformationssystem ECDIS sowie kleinformatige
Kartenserien für die Sportschifffahrt. Hinzu
kommen amtliche Hafenhandbücher, die das BSH
gemeinsam mit dem Deutschen Seglerverband
(DSV) und Deutschen Motoryachtverband (DMYV)
herausgibt.
Aktuelle Seekarten und andere nautische Publikationen
gehören zur Pflichtausrüstung seegehender
Schiffe und sind an Bord stets auf dem neuesten
Stand zu halten, um sicher zu navigieren und Schäden
an der Meeresumwelt zu vermeiden. Da es aufgrund
von Strömungsverhältnissen und Sedimentumlagerungen
laufend nautisch bedeutsame Veränderungen,
z.B. in den Tiefenverhältnissen der Schifffahrtswege
gibt, müssen all diese Informationen
immer wieder aktualisiert werden. Regelmäßig neue
Informationen und Vermessungsdaten liefern die fünf
Vermessungs- und Wracksuchschiffe des BSH, die
zu den modernsten weltweit zählen. Je nach den örtlichen
Gegebenheiten sieht das BSH systematische
Wiederholungsvermessungen in Abständen von
1 bis 30 Jahren vor.
Seevermessung
Seevermessung ist die topographische Aufnahme
des Meeresbodens und der Wattflächen. Dazu zählt
auch die Ortsbestimmung von Hindernissen, d.h.
unbewegten Objekten unter oder über der Wasseroberfläche.
Das Vermessungsgebiet des BSH erstreckt sich über
die Hoheitsgewässer und die Ausschließliche Wirtschaftszone
(AWZ) Deutschlands. Damit umfasst es
eine Fläche von etwa 57 000 km 2 ; dies entspricht
einem Sechstel der Fläche Deutschlands. Sowohl die
Deutsche Bucht als auch die südwestliche Ostsee
sind ausgesprochen stark befahrene Gewässer, die
nur geringe Wassertiefen aufweisen und deren vielerorts
sandiger Meeresboden ständigen Veränderungen
unterliegt. Eine zuverlässige Kenntnis der aktuellen
Meerestopographie ist also von besonderer Bedeutung
für die Sicherheit und Leichtigkeit des Seeverkehrs.
2005 führten die Vermessungsschiffe KOMET und
CAPELLA sowie die Vermessungs-, Wracksuch- und
Forschungsschiffe ATAIR, DENEB und WEGA Seevermessungsarbeiten
mit insgesamt 19700 sm
(36500 km) Lotungsprofilen in der Nordsee
(24 000 km) und in der Ostsee (12 500 km) durch.
In der Nordsee wurde u.a. die Vermessung für den
Terschelling-Deutsche Bucht-Weg abgeschlossen; in
der Ostsee wurde die Vermessung der Hauptschifffahrtswege
insbesondere nordöstlich Rügens und im
Fehmarn Belt sowie der Ansteuerungen zu den
Haupthäfen auf der Grundlage der Kopenhagen-Deklaration
der Helsinki-Kommission intensiv fortgesetzt.
Der in der Kopenhagen-Deklaration zugrundegelegte
IHO-Standard fordert u.a., dass auf den Hauptschifffahrtswegen
Objekte ab der Größenordnung eines
Würfels mit zwei Metern Kantenlänge flächendeckend
erkannt werden. Ziel ist es, die Topographie
des Meeresbodens auf diesen viel befahrenen und
überwiegend relativ flachen Schifffahrtswegen
lückenlos zu bestimmen. Dementsprechend wurden
in der Ostsee insbesondere die Hauptschifffahrtsroute
nach Lübeck hochauflösend, d.h. mit einem
dichten Netz von Lotprofilen und mit Einsatz des
Side Scan Sonars vermessen. Dies ermöglicht eine
Kombination von Tiefenvermessung und Suche nach
Objekten auf dem Meeresboden.