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Full text: Jahresbericht 2006

Beobachten + Vorhersagen 
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Der Zustand der Ostsee wird im Auftrag des BSH 
durch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung unter 
sucht. In der Oberflächenschicht der Ostsee weisen 
die Nährstoffkonzentrationen, den Verhältnissen In 
der Nordsee ähnlich, einen für die gemäßigten Breiten 
typischen Jahresgang auf. Für Trendaussagen wird 
auch hier die Winterphase genutzt. Für Nitrat wurden 
In weiten Teilen der zentralen Ostsee Werte um bzw. 
unter dem 5-Jahres-Mlttel gefunden. Als Beispiel 
seien die Bornholmsee mit 2,3 pmol/L (Mittel 2001- 
2005: 3,1 pmol/L), der Bereich des Gotlandtiefs 
mit 2,9 pmol/L ( 3,3 pmol/L) und der Bereich des 
Landsorttiefs mit 3,7 pmol/L (3,5 pmol/L) genannt. 
Nachdem Im Jahr 2005 besonders in der Arkona- 
see und der Bornholmsee extrem hohe winterliche 
Phosphatkonzentrationen gemessen wurden, gingen 
diese Werte 2006 erfreulicherweise wieder auf ein 
niedrigeres Niveau zurück. Im Bereich des östlichen 
Gotlandbeckens wurden mit 0,44 pmol/L (0,61 pmol/L) 
Phosphat recht niedrige Werte gemessen, In der 
Bornholmsee fanden sich noch 0,71 (0,68 pmol/L). 
Der Nährstoffgehalt der Oberflächenschicht wird auf 
kürzeren Zeitskalen stark durch das Nährstoffreservoir 
unterhalb der Salzgehaltssprungschicht beeinflusst. 
Die tief reichende winterliche Konvektion kann diese 
Wassermassen an die Oberfläche transportieren. 
Die Vorgefundenen Nährstoffverhältnisse stellen eine 
wesentliche Voraussetzung für die Massenentwick 
lung von Cyanobakterlen dar. Im Gegensatz zum 
Jahr 2005, wo diese vor allem In der Gotlandsee 
beobachtet wurden, trat im Jahr 2006 eine starke 
Cyanobakterlenblüte im Bereich der Arkonasee und 
der westlichen Ostsee auf, die bis Ende August anhielt. 
Im Jahr 2006 fand keine durchgreifende Wasser 
erneuerung des Tiefenwassers der Ostsee statt. Die 
Effekte der Salzwassereinströme 2002/2003 sind 
nicht mehr nachweisbar, was durch die bereits er 
wähnten rückläufigen Salzgehalte im Tiefenwasser 
deutlich wird. Damit verbunden Ist eine weitere 
Verschlechterung der Sauerstoffverhältnisse. Sowohl 
die Schwefelwasserstoffkonzentrationen als auch 
Ihre vertikale Ausdehnung nahmen zu. So war der 
Wasserkörper Im östlichen Gotlandbecken zwischen 
137 m und dem Boden anoxlsch. Diese anoxlschen 
Verhältnisse in Verbindung mit dem Auftreten von 
Schwefelwasserstoff führen zur negativen Beeinflus 
sung der am Boden lebenden Tiere. 
Radioaktive Substanzen 
Seit Beginn der Nutzung der Kernkraft gelangen 
weltweit eine Reihe künstlicher radioaktiver Stoffe in 
die Meeresumwelt: Tritium, Sr-90, Tc-99, Cs-134, 
Cs-137, Plutoniumisotope und Americium-241. Zu 
nächst infolge des Fallouts nach den atmosphä 
rischen Kernwaffentests in den fünfziger und sech 
ziger Jahren, später aufgrund genehmigter Ableitun 
gen aus kerntechnischen Anlagen, aber auch aus 
dem Unfall von Tschernobyl (1986). Die wesentlichen 
Quellen der Nordsee waren während vieler Jahre die 
Wiederaufbereitungsanlagen von Sellafield (GB) und 
La Hague (F), deren Abwässer durch die Meeres 
strömungen in die Nordsee bzw. Deutsche Bucht 
gelangen. Die Ableitungen aus diesen Anlagen wur 
den jedoch in den letzten Jahren für die meisten 
Radionuklide soweit reduziert, dass mittlerweile die 
stärkste Quelle für die Nordsee remobilisierte 
Radionuklide aus dem Sediment der Irischen See 
darstellt. Im Wasser der Nordsee lag in 2006 die 
Kontamination mit Cs-137 (Halbwertszeit T = 30 Jahre) 
und Sr-90 (T = 29 Jahre) mit Werten zwischen 2 und 
5 Bq/m 3 nur noch gering über der des Nordatlantiks, 
der noch eine Restkontamination aufgrund der Kern 
waffentests aufweist. 
Der Fallout aus dem Reaktorunfall von Tschernobyl 
ist in der Ostsee nach wie vor der dominierende Bei 
trag gegenüber allen anderen Quellen. Die Aktivitäts 
konzentration an Cs-137 nimmt aber auch hier lang 
sam ab. Sie beträgt in der westlichen Ostsee etwa 
30 bis 50 Bq/m 3 . Die Strahlenexposition des Menschen 
durch den Verzehr von Fischen und anderen Meeres 
früchten aus Nord- und Ostsee beträgt jedoch nur 
einen Bruchteil der natürlichen Strahlenbelastung. 
Sie liegt bei etwa 0,3 pSv/Jahr effektiver Äquivalent 
dosis und damit sogar deutlich unter der nach inter-
	        
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