72
Beobachten + Vorhersagen
tration von 43,2 ± 6,3 |jmol/L ermittelt. Bei einem
Orientierungswert von 14 pmol/L ist auch für die Stick
stoffverbindungen dieser Zielwert noch nicht erreicht.
Die Konzentration von Silikat, ein wichtiger Nährstoff
für Kieselalgen, ist anthropogen wenig beeinflusst.
Die Werte sind von Jahr zu Jahr natürlichen
Schwankungen unterworfen. Die im Januar 2007 im
küstennahen Bereich ermittelte Konzentration von
30,2 ± 3,6 pmol/L erreichte die höchste Konzentration
seit Beginn der Messungen im Winter 1936. Über
durchschnittlich hohe Wassertemperaturen führten
zu einem beschleunigten Remineralisierungsprozess
von Silikat und damit zu höheren Werten.
In der offenen See haben sich die Phosphat- und
Silikatgehalte früheren Werten angeglichen. Die
Stickstoffverbindungen sind jedoch bedingt durch
atmosphärische Einträge aus Industrie und Verkehr
Immer noch hoch. Die seit den fünfziger Jahren Im
küstennahen Bereich registrierte Verschiebung des
Phosphatmaximums in den Spätherbst wurde
- wie bereits 2005 - auch Im Winter 2006/2007 nicht
beobachtet. Der Wert vom Januar 2007 lag im Be
reich des Wertes vom November 2006 von
1,00 ± 0,29 pmol/L. Dies ist auf eine weit in den
Herbst reichende Phytoplanktonentwicklung zurück
zuführen, die das zu dieser Zeit aus dem Wattenmeer
in das Küstenwasser abgegebene Phosphat durch
Planktonwachstum aufgezehrt hat.
Die Sauerstoffversorgung Im Sommer 2007 war In der
Deutschen Bucht selbst in den tieferen Wasserschichten
gut. Die geringste Konzentration wurde im Elbeaus-
strombereich In Bodennähe mit knapp 70% gemessen.
Auch dieser Wert ist noch befriedigend. Kritisch für
Meerestiere wird es ab Sättigungswerten unter 50%.
Der Zustand der Ostsee wird im Auftrag des BSH
durch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung
untersucht. Hierzu werden 5 reguläre Monitoring-
Fahrten durchgeführt, die alle vier Jahreszeiten sowie
zusätzliche Untersuchungen Im März/Aprll während
der Frühjahrsblüte umfassen. Die Nährstoffkonzentra
tionen In der Oberflächenschicht der Ostsee weisen,
den Verhältnissen In der Nordsee ähnlich, einen für
die gemäßigten Breiten typischen Jahresgang auf.
Für Trendaussagen wird auch hier die Winterphase
genutzt.
Nachdem In den Vorjahren teilweise extrem niedrige
Nitratwinterwerte in der zentralen Ostsee gefunden
wurden, lagen sie 2007 Im Bereich des langjährigen
Mittels bzw. darüber. Als Beispiel sei die Bornholm
see genannt; hier wurde im Winter 2007 eine Nitrat
konzentration von 3,3 pmol/L gemessen, während
das Mittel 2002-2006 bei 2,9 pmol/L lag. Bei den
Phosphatkonzentrationen wurde in weiten Teilen
der zentralen Ostsee in den Jahren 2006 und 2007
ein Rückgang beobachtet, nachdem Im Jahr 2005
extrem hohe winterliche Phosphatkonzentrationen
gemessen wurden. Lediglich In der Arkona- und Born
holmsee lagen die Werte noch darüber. So wurden Im
Winter 2007 In der Bornholmsee Immer noch 0,77 pmol/L
gemessen (Mittel 2002-2006: 0,69 pmol/L). Das
Nitrat/Phosphat-Verhältnis liegt in der winterlichen
Deckschicht mit Werten von 4-6 weit unterhalb des
Redfield-Verhältnlsses von 16:1. Damit kann es unter
geeigneten meteorologischen Bedingungen Im Sommer
zu Massenentwicklungen von Cyanobakterlen (Blau
algen) kommen, die in der Lage sind bei Nitratlimitie
rung Stickstoff aus der Luft zu fixieren.
Das mit dem letzten großen Salzwassereinbruch
2003 in die Ostsee gelangte sauerstoffhaltigere
Nordseewasser Ist seit 2005 kaum noch spürbar.
Verstärkt durch den Abbau organischer Substanzen
hatte dies zur Folge, dass die Konzentration von
Schwefelwasserstoff in den Tiefenbecken nördlich
und westlich Gotland seit 2005 Immer weiter zunahm.
Durch die leichte barokllne Einstromtätigkeit 2006
und 2007 Ist die Situation vom Bornholmbecken bis
zur Danzlger Bucht zur Zeit jedoch besser als 2005.
Auch Im östlichen Gotlandbecken kam es im Mai 2007
In Bodennähe kurzzeitig zu einer Abnahme der
Schwefelwasserstoffkonzentrationen. Bereits im Herbst
wurden wieder hohe Werte gemessen. Gegenwärtig
Ist im Bereich des Gotlandtiefs die Wassersäule
zwischen 137 m und dem Boden (239 m) anoxlsch.
Im Landsorttief wird zwischen 90 m und dem Boden
(459 m) Schwefelwasserstoff gefunden.